Trotz Problemen: Ende der Kopfhörerbuchse ist besiegelt

    Analyse7. August 2017, 11:03
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    Trotz Kompatibilitätsproblemen und mühsamer Adapter: Smartphones ohne Miniklinkenbuchse verkaufen sich bestens

    Als im Sommer 2016 die ersten Berichte auftauchten, dass Apple beim iPhone 7 den Kopfhörerstecker streichen will, sorgte dies für wochenlange Diskussionen. Zwischen Empörung und Spott schwankte damals die Mehrheitsmeinung in den Kommentaren. Ein Jahr später haben sich die Wogen mittlerweile wieder geglättet, und was bleibt ist eine eindeutige Erkenntnis: Das Ende des Kopfhörersteckers scheint bei Smartphones endgültig besiegelt zu sein.

    Realitätscheck

    Immer mehr Hersteller streichen bei ihren neuen Geräten die klassische 3,5mm-Klinkenbuchse. So kommt etwa das aktuelle HTC U11 ohne einen solchen Anschluss aus, auch Googles kommendes Pixel 2 soll angeblich auf den Kopfhörerstecker verzichten. Und Unternehmen wie Motorola, das erste Geräte ohne einen solchen Anschluss sogar noch vor Apple auf den Markt gebracht hat, streichen die Buchse bei immer mehr Modellen.

    Die Verantwortung für diese Entwicklung haben sich dabei die Konsumenten selbst zuzuschreiben. Wie sich zeigt, hatte die Streichung dieses Anschluss keinerlei negative Konsequenzen für die Verkaufszahlen. Das iPhone 7 verkauft sich wie von Apple gewohnt prächtig, das HTC U11 soll ersten Berichten zufolge deutlich stärker Absätze haben als sein direkter Vorgänger. Auch Motorola scheint eindeutige Lehren gezogen zu haben.

    Interessenslage

    Für die Hersteller ist dies ein logischer Schritt, immerhin erspart man sich so eine Komponente, die nicht zuletzt auch durch die physische Belastung besonders häufig zum Reparaturfall wird. Zudem erleichtert die reduzierte Komplexität es auch, Smartphones wasserdicht zu gestalten. Und solange die Verkäufe nicht einbrechen, gibt es keinen Grund nicht auf diesen Zug aufzuspringen.

    Bekannte Probleme

    Dabei hat der Abgang vom Kopfhörerstecker wohlbekannte Schattenseiten: So bedeutet dies etwa, dass kabelgebundene Kopfhörer künftig nicht mehr zwischen iPhones und Android-Geräten kompatibel sind, da beide unterschiedliche Anschlüsse (Lightning vs. USB-C) verwenden. Doch damit noch nicht genug, zeichnen sich derzeit sogar Inkompatibilitäten innerhalb der Android-Welt ab, wie XDA Developers herausstreicht.

    Grund dafür ist, dass mit den digitalen Audioausgängen die notwendigen Digital-Analog-Konverter (DAC) wahlweise im Smartphone oder auch dem Adapter untergebracht werden dürfen. Dies führt zu Inkompatibilitäten, was wiederum bedeutet, dass ein Adapter für Motorola Z2 Force nicht mit dem HTC U11 zusammenarbeitet.

    In Summe zeigt sich also, dass die Nutzer zwar über die gestiegene Komplexität – da man für bestehende Kopfhörer immer einen Adapter mit sich führen muss – klagen, aber nur wenige daraus auch Konsequenzen ziehen. Andere Faktoren scheinen bei der Wahl des Smartphones eine wichtigere Rolle zu spielen. Insofern könnte 2017 das letzte Jahr sein, in dem große Hersteller noch Topgeräte mit Miniklinkenanschluss ausliefern. (Andreas Proschofsky, 7.8.2017)

    • Apple hat sich schon davon verabschiedet, nun ziehen immer mehr andere Hersteller nach: Das Ende des Miniklinkenanschluss bei Smartphones scheint fix.
      foto: richard drew / ap

      Apple hat sich schon davon verabschiedet, nun ziehen immer mehr andere Hersteller nach: Das Ende des Miniklinkenanschluss bei Smartphones scheint fix.

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