Wilde Gezeiten und Kontemplation bei den "Wellenklaengen"

    30. Juli 2017, 18:12
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    Bei Brot & Sterne gaben sich Melancholie und Humor die Hand

    Lunz am See – Suzie Heger versteht es, ihr Publikum sanft, aber bestimmt zu erden. In den letzten Jahren musste die Gründungsintendantin des Kulturfestivals Wellenklaenge am Lunzer See ihr Vokabular nur noch ein wenig nachschärfen: Nicht auf lautlos möge man sein Handy stellen, sondern es doch bitte abschalten. "Und keine Fotos! Genießen Sie einfach!" Längst, weiß Heger, geht es bei der Telefonerinnerung nicht mehr nur um Ruhestörung. Es geht um die Aufforderung, den Moment mit allen Sinnen aufzusaugen. Nun brachte Heger ihre zwanzigsten und damit letzten Wellenklaenge über die Seebühne – sie übergibt an Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer. Gezeiten lautete der Titel ihres Abschiedsfestivals.

    Und beinahe hätte der Eigensinn der Natur übel mitgespielt: An Wassertemperaturen von um die 17 Grad fügte sich zu Lande ein nur marginal höherer Kältepegel. Zum Glück hatte man mit geeichten Stars zu tun. Brot & Sterne hatten sich gegen den Turnsaal entschieden, um ihrer Musik doch das Alzerl Extrawirkung mitzugeben, das sich aus den Mirakeln ihrer Umwelt speist. Drehleierspieler Matthias Loibner, Trompeter Franz Hautzinger und Percussionist Peter Rosmanith sind drei Freunde, die schon in unterschiedlichsten Konstellationen miteinander musiziert, aber noch nie derart uneitel ihr Kollektiv ins Rampenlicht gestellt haben.

    Zu hören gab es Material ihrer Neuheit Tales of Herbst. Loibners Drehleier, die gern auch nach Dudelsack klingen kann, entführt in schottische Highlands, irische Pubs und die musikalische Gänsehautwelt Ennio Morricones. Zum humorvollen Trompetenklang Hautzingers quakt live auch noch ein angelockter Schwan sein Lied. Rosmanith gibt sich am Schlagwerk rasant treibend, dann wieder fernöstlich-spirituell, immer spannend.

    Melancholie und Humor geben sich hier die Hand. Dass das Trio mit dem Projekt Brot & Sterne bewusst auch der kompetitiven Solistenusance im Jazz entfliehen möchte, leuchtet ein. Ein paar stärkere Momente des Aus-der-Reihe-Tanzens hätte man sich allerdings bei so viel Könnerschaft auf Augenhöhe live dann doch gewünscht. (stew, 30.7.2017)

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