Buckingham-Palast zeigt kuriose Geschenke aus dem Archiv der Queen

31. Juli 2017, 07:20
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Während die Königin auf Sommerfrische weilt, können Besucher prachtvolle Gemälde und kuriose Gastgeschenke ansehen

London macht Ferien. Touristen erkennen dies daran, dass sie sich nicht wie sonst vor dem Buckingham-Palast drängen müssen, um einen Blick auf die Bärenfellmütze eines Wachsoldaten zu erheischen. Derzeit erhalten Hinz und Kunz gegen Zahlung eines angemessenen Entgelts sogar Einlass in die Residenz der Queen. Ihre Majestät weilt derweil auf ihrem Lieblingsschloss Windsor, im August folgen Erholungswochen im schottischen Balmoral.

Schauen wir also einmal nach dem Rechten. Vielleicht sehen wir einen schmucken Kübel, denn bei Starkregen tropft es gern durch die Decke. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Gemäuer als Stadtresidenz für den Herzog von Buckingham errichtet. Seit 1762 ist er in royalem Besitz, und Königin Victoria machte den Palast beim Amtsantritt 1837 zu ihrem Pied-à-terre, seufzend hält ihre Ururenkelin, 91, daran fest – allen Widrigkeiten zum Trotz: Leitungen und Heizungsrohre stammen aus den 1950ern, die Warmwasserboiler sind 30 Jahre alt.

413 Millionen für Renovierung

In welchem Zustand der zugige Palast mit seinen 775 Zimmern ist, lässt sich an der Rechnung für die Renovierung ablesen: Umgerechnet 413 Millionen Euro Steuergeld soll die für zehn Jahre geplante Grundsanierung kosten.

foto: afp/tolga akmen
Die Schau umfasst rund 250 Gastgeschenke – eine Auswahl aus 65 Jahren Amtszeit der Queen.

Der öffentlich zugängliche Teil beschränkt sich aber auf die gut 20 repräsentativen Säle im Hauptgebäude, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom klassizistischen Architekten John Nash gestaltet wurden. Eilen wir durch den Hof, vorbei an der Staatskutsche, die Australien seiner Königin vor 19 Jahren zum Dank für die Eröffnung des neuen Parlamentsgebäudes in Canberra spendiert hat, weiter durch die Große Halle zum prunkvollen Treppenhaus mit Gemälden vergangener Royals.

23 Pfund Eintritt

Im Grünen Salon beginnt die bis 1. Oktober laufende Ausstellung, die den Besuchern die gesalzenen Eintrittspreise – regulär 23 Pfund für Erwachsene – versüßen soll. Sie umfasst eine Auswahl an Geschenken der Staatsgäste aus 65 Jahren Amtszeit der Königin.

Unter den rund 250 "Royal Gifts" aus etwa 100 Ländern befinden sich Schönheiten wie jene Lapislazuli-Schüssel, die der damalige Präsident Hamid Karzai 2007 aus Afghanistan mitbrachte.

foto: apa/afp/tolga akmen
Mexikanisches, quietschbuntes Geschenk aus dem Jahr 2015: der "Tree of Life".

2015 überreichte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto einen farbenfrohen "Tree of Life". Boris Jelzin hatte 1994 einen wunderbaren Samowar im Gepäck, mit dem sich Palastbedienstete bis heute Afternoon-Tea zubereiten.

Viele Hässlichkeiten

Getrunken wird dieser aber wohl kaum aus dem Silberset aus Burma (heute Myanmar), das seit 1955 das Königsarchiv verstopft – wie viele weitere Abscheulichkeiten. Etwa das Porzellanmodell des Brandenburger Tors (2004) und das französische Porzellanpferd (2014), ganz zu schweigen von der Glasvase samt Deckel, die Österreichs Präsident Franz Jonas 1966 anschleppte.

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John F. Kennedy schenkte der Queen ein Abbild seiner selbst, signiert und hinter einen Tiffany-Rahmen gespannt.

Das peinlichste Gastgeschenk stammt aber vom damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, der 1961 ein handsigniertes Foto von sich selbst verschenkte, immerhin im Tiffany-Rahmen. Womit bewiesen wäre, dass es vulgäre Narzissten im Weißen Haus früher schon gab.

Wo Lady Di ihre Briefe schrieb

Im Musikzimmer ist dann jener Schreibtisch zu sehen, an dem Prinzessin Diana ihre Dankbriefe verfasst hat. Knapp 20 Jahre nach ihrem Tod hat die Exfrau von Thronfolger Charles so doch noch den Buckingham-Palast erobert.

foto: afp/tolga akmen
Auch Lady Dianas Schreibtisch hat seinen Platz in der Ausstellung im Buckingham-Palast.

Umfangreiche Gemäldesammlung

Herzstück jeder Besichtigung bleibt aber die 47 Meter lange Gemäldegalerie. Johannes Vermeers Herr und Dame am Spinett, David Teniers' des Jüngeren Gestohlener Kuss – was es hier zu sehen gibt an Werken holländischer Meister wie Rubens, van Dyck und Rembrandt, könnte eine ganze Woche in London ausfüllen.

foto: ap photo/kirsty wigglesworth
Herzstück des Londoner Palasts: die Gemäldegalerie.

Der Ausgang liegt am Ende eines hübschen Weges durch den Privatpark des Palastes. Wer will, darf einmal den Rasen – nein, nicht betreten, aber doch befühlen. Ein Kunstwerk, auch das. (Sebastian Borger aus London, 31.7.2017)

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