Dänemark schickt Deutschland nach Hause

30. Juli 2017, 14:02
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Skandinavierinnen siegen 2:1, achtfacher Europameister nach schwacher Leistung schon im Viertelfinale out

Rotterdam – Sensation bei der Frauenfußball-Europameisterschaft: Deutschland ist auf dem Weg zum siebenten Titel in Folge gescheitert. Der Titelverteidiger verlor das aufgrund starker Regenfälle von Samstag auf Sonntag verschobene Spiel gegen Dänemark in Rotterdam mit 1:2 (1:0) und muss damit schon nach dem Viertelfinale die Heimreise antreten. Dänemark bekommt es im Halbfinale am Donnerstag in Breda mit Österreich oder Spanien zu tun. Bei der Generalprobe in Wiener Neustadt hatte das ÖFB-Team gegen die Däninnen klar mit 4:2 die Oberhand behalten.

Isabel Kerschowski (3.) brachte den großen Favoriten nach einem argen Patzer von Torfrau Stina Lykke Petersen zwar rasch voran, die DFB-Auswahl ließ allerdings in der Folge jegliche Souveränität vermissen. Die Däninnen wurden dagegen immer selbstbewusster und drehten die Partie durch Tore von Nadia Nadim (49.) und Theresa Nielsen (83.). Dänemark ist der zweite Halbfinalist nach Gastgeber Niederlande.

Samstäglicher Schütter

Am Samstag war das Spiel um 21.55 Uhr, 70 Minuten nach dem geplanten Anstoß, absagt und verlegt worden. Dauerregen hatte für denkwürdige Szenen im Sparta Stadion gesorgt: Die Trainerbänke standen unter Wasser. TV-Moderatoren standen barfuß im knöcheltiefen Wasser, während Helfer vergeblich versuchten, die Lachen vom Rasen zu schieben.

Deutschlands Teamchefin Steffi Jones, die mit einer neuformierten Mannschaft ihr erstes großes Turnier absolviert, blieb am Sonntag ihrer Aufstellung vom Vorabend treu. Vorne stürmte Linda Dallmann anstelle der glücklosen Mandy Islacker neben Anja Mittag. Links in der defensiven Viererkette setzte Jones auf Geschwindigkeit und gab Kerschowski den Vorzug vor Carolin Simon.

Frühe Führung, keine Sicherheit

Und die Wolfsburgerin brachte das deutsche Team, dass sich nach drei Spätspielen auf einen ungewohnt frühen Anpfiff um 12 Uhr Mittag umstellen musste, gleich mit dem ersten Torschuss in Führung – es war Deutschlands erster Turniertreffer aus dem Spiel, in der Gruppenphase gelangen allein Tore vom Elfmeterpunkt. Dänemark glich beinahe postwendend aus, doch nach einem Konter setzte Kapitänin Pernille Harder (6.) den Ball aus spitzem Winkel knapp am langen Eck vorbei.

Offensiv war die DFB-Auswahl vor 5251 Zuschauern anfangs spielbestimmend, lud den Gegner mit Fehlpässen aber immer wieder zu gefährlichen Gegenstößen ein. So musste Torhüterin Almuth Schult gegen Katrine Veje (38.) eingreifen.

Nach dem Seitenwechsel wurden die Däninnen immer selbstbewusster, realisierte die Verwundbarkeit des Favoriten. Vor dem verdienten Ausgleich schliefen Marozsan und Kerschowski, als sie vergebliche auf einen Freistoßpfiff der Schiedsrichterin warteten – diese jedoch entschied auf Vorteil.

Dänemark klar besser, Jones auf der Kippe

Anschließend traf Veje aus kurzer Distanz vor dem leeren Tor die Latte (57.), Schult klärte in höchster Not gegen Harder (58.). Dänemark hatte eindeutig die Initiative an sich gerissen, Deutschland kam kaum mehr zu konstruktiven Angriffen. Die immer größer werdenden Lücken in der Abwehr bestrafte Nielsen mit einem herrlichen Kopfball-Aufsetzer. Die Schlussoffensive des Olympiasiegers nach der hoch verdienten dänischen Führung verlief planlos.

Trainer-Novizin Jones, an der bereits bei ihrer Berufung als Nachfolgerin von Silvia Neid gezweifelt wurde, will um ihren Job kämpfen. "Die Entscheidungsträger sitzen im DFB. Die werden in den nächsten Tagen mit mir zusammensitzen und entscheiden, wie es weitergeht", sagte Jones: "Meine Motivation ist da. Ich möchte gerne weitermachen." DFB-Präsident Reinhard Grindel vermied allerdings zunächst ein Bekenntnis zur Trainerin. "Natürlich sind wir beim DFB alle sehr enttäuscht über das frühzeitige Ausscheiden unserer Frauen-Nationalmannschaft und vor allem über die spielerische Leistung, die unsere Mannschaft gegen das dänische Team gezeigt hat", postete er bei Facebook.

Dramatisch

England komplettiert das Halbfinale der Fußball-Frauen-EM in den Niederlanden. Der WM-Dritte rang im Viertelfinal-Schlager in Deventer Österreichs Gruppengegner Frankreich mit 1:0 (0:0) nieder. Das Goldtor erzielte Jodie Taylor (60.). Für die Arsenal-Stürmerin war es bereits ihr fünfter Turniertreffer. Sie ist damit überlegene Führende der Schützenliste.

Frankreich kämpfte bis zum Schluss einer dramatischen Partie um den Ausgleich. Der Weltranglisten-Dritte scheiterte aber an der Nummer fünf im Ranking. Die Engländerinnen treffen nun am Donnerstag im Halbfinale in Enschede auf Gastgeber Niederlande. Um das zweite Finalticket kämpfen am selben Tag in Breda Österreich und Dänemark. Das Endspiel steigt am Sonntag (17.00 Uhr) in Enschede. Der dritte Platz wird nicht ausgespielt. (sid/red, 30.7. 2017)

Ergebnis, Viertelfinale Frauen-EM:
Deutschland – Dänemark 1:2 (1:0). Rotterdam, Zuschauer: 5251.

Tore: Kerschowski (3.) bzw. Nadim (49.), Nielsen (83.)

Deutschland: Schult – Blässe, Goeßling, Peter, Kerschowski – Demann (ab 62. Islacker) – Doorsoun (ab 46. Magull), Däbritz – Marozsan – Mittag, Dallmann (ab 88. Petermann)

Dänemark: Petersen – Nielsen, Boye Sörensen, Larsen, Röddik ab 69. Sandvej – Trölsgaard, Jensen, Kildemoes ab 66. Thögersen, Veje – Nadim, Harder. – Trainer: Nielsen

England – Frankreich 1:0 (0:0). Deventer.

Tor: Taylor (60.)

  • Den Däninnen gelang eine der größten Überraschungen in der EM-Geschichte.
    foto: apa/afp/schwarz

    Den Däninnen gelang eine der größten Überraschungen in der EM-Geschichte.

  • Deutsche Trauer: Bundestrainerin Steffi Jones tröstet Sara Däbritz, im Vordergund kauert Anja Mittag.
    foto: apa/afp/schwarz

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