Österreich will Standort für zwei EU-Agenturen werden

29. Juli 2017, 11:07
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Die Europäische Arzneimittelagentur und die Europäische Bankenaufsicht wandern nach dem Brexit aus London ab

London – Österreich werde am Montag für die beiden derzeit in London ansässigen EU-Agenturen, die Europäische Arzneimittelagentur EMA (European Medicines Agency) und die Europäische Bankenaufsicht EBA (European Banking Authority) "zwei sehr attraktive Angebote" legen, so das Finanzministerium in einer Aussendung vom Samstag. Beide Agenturen wären laut Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sehr interessant für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Österreich, wie eine IHS-Studie belege.

"Die EMA würde einen jährlichen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 203 Millionen Euro leisten. Bei der EBA liegt er bei 39,7 Millionen Euro", so Schelling laut Aussendung. "Mittelfristig trägt der Betrieb der EMA laut IHS innerhalb von fünf Jahren insgesamt rund einer Milliarde Euro, der Betrieb der EBA rund 0,2 Milliarden Euro zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt bei", betonte der Finanzminister. Darüber hinaus würden mit der EMA-Ansiedlung mehr als 2.000, mit der EBA-Ansiedlung mehr als 400 neue Arbeitsplätze in Österreich entstehen.

Tausende Besucher

Nicht nur als Arbeitgeber seien EMA (rund 900 Mitarbeiter) und EBA (rund 200 Mitarbeiter) für den heimischen Standort von besonderem Interesse. Laut IHS-Studie sei bei der EMA von einem jährlichen Besucheraufkommen von rund 36.000 Personen, bei der EBA von rund 8.000 Personen auszugehen. Daher würden insbesondere auch die heimischen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe von einer Umsiedlung beider Organisationen profitieren. Aufgrund des laufenden Bieterverfahrens, an dem nahezu alle EU-Mitgliedstaaten teilnehmen, würden alle Details zu den österreichischen Angeboten erst nach der am Montag ablaufenden Frist veröffentlicht.

Laut der IHS-Studie könnte das österreichische Bruttoinlandsprodukt innerhalb von fünf Jahren um eine Milliarde Euro steigen. Außerdem würden in diesem Zeitraum rund 9.000 zusätzliche Arbeitsplätze gesichert werden können, heißt es.

Umsiedlungskosten nicht enthalten

IHS weist in seiner Studie darauf hin, dass durch Umsiedlungskosten generierte Effekte nicht in den Ergebnissen enthalten sind. Am meisten würde in Österreich von einem möglichen Umzug der beiden Organisationen nach Wien der Wirtschaftssektor "Exterritoriale Organisationen und Körperschaften" profitieren. Dies liege daran, dass beide Agenturen diesem Sektor zugeordnet werden. Da beide Organisationen und ihre Beschäftigten Miete in Österreich zahlen oder sich Wohnungen kaufen, würde auch der Sektor "Grundstücks- und Wohnungswesen" stark von einer Umsiedlung profitieren.

Unterstützung von Mahrer

Auch Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) betont, eine Übersiedlung der Agenturen wäre "ein wichtiger Impuls für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Österreich". Die "hervorragende Infrastruktur, die geopolitische Lage im Herzen Europas und die hohe Lebensqualität sind starke Argumente für eine Übersiedlung der EMA nach Österreich", sagt Mahrer in einer Aussendung vom Samstag.

Österreich bilde "die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich Life Sciences ab" und verfüge mit der Life Science Strategie seit 2016 "über ein strategisches Planungsinstrument zur weiteren Stärkung des Sektors in Wissenschaft und Wirtschaft". Laut Mahrer ist der Life Sciences Sektor "einer der forschungsintensivsten Sektoren und erwirtschaftet jährlich einen Gesamtumsatz von rund 19 Milliarden Euro. Eine Ansiedlung der EMA würde unsere Innovationskraft und die Sichtbarkeit des Standortes weiter erhöhen, unser internationales Ansehen stärken und wesentliche wirtschaftliche Effekte bringen". Neben der direkten Wertschöpfung profitierten auch Tourismus, Kongressbetreiber und Zulieferbetriebe.

Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) hat in der Frage der Übersiedlung der derzeit in London ansässigen Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA ebenfalls betont, dass Wien mit 450 Unternehmen im Bereich Gesundheitsforschung schon jetzt ein "Top-Standort" sei. Wien biete "die besten Voraussetzungen" für eine Ansiedlung der EMA.

Die aus dem Brexit resultierende Übersiedlung von EMA und EBA wird erst im November entschieden. Das beschloss der EU-Gipfel der 27 ohne Großbritannien im Juni. Die Bewerbungsfrist für diese beiden EU-Agenturen endet jedoch bereits kommenden Montag, den 31. Juli. Neben Wien haben sich noch rund 20 weitere Städte beworben.

Bisher 17 Länder beworben

Allein für den neuen Sitz der EMA mit knapp 900 Beschäftigten haben sich bisher 17 EU-Länder offiziell beworben. Bei der EBA mit 190 Mitarbeitern gab es zuletzt fünf offizielle Wünsche. Drei weitere Länder sollen eine Bewerbung noch überlegen, hieß es in EU-Ratskreisen. Die Veröffentlichung der Kandidatenlisten soll Dienstag nächster Woche durch den Rat erfolgen. (APA, 29.7.2017)

  • Finanzminister Hans Jörg Schelling betont die positiven Effekte eines Umzugs der Agenturen nach Österreich.
    foto: apa/hochmuth

    Finanzminister Hans Jörg Schelling betont die positiven Effekte eines Umzugs der Agenturen nach Österreich.

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