Doppler/Horst: Jubel heute, Sorgen morgen

28. Juli 2017, 17:21
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Clemens Doppler und Alexander sind seit Jahren Österreichs beste Beachvolleyballer. Ihre Zukunft ist ungewiss, weil es im Volleyballverband rumort. Auf der Donauinsel gab es zum Auftakt einen Sieg.

Wien – Heimvorteil bei einer WM, das ist Fluch und Segen zugleich. "Wenn ich in der Früh die Wäsche aufhänge und am Abend auf der Donauinsel spiele, dann komme ich nicht in den Flow rein", sagt Clemens Doppler, der seit Jahren mit Alexander Horst Österreichs bestes Beachvolleyball-Duo bildet.

Der 36-jährige Doppler lebt mit Freundin und Tochter in Wien, schläft aber deshalb während der WM im Hotel. Doppler/Horst sind keine Medaillenfavoriten, der Segen ist die Unterstützung der Heimfans im 10.000 Zuschauer fassenden Stadion auf der Donauinsel. "Wir wissen, dass wir jeden schlagen können." Das erste WM-Gruppenspiel wurde souverän am bereits fast vollen Center Court auf der Donauinsel gegen die Iraner Rahman Raoufi/Bahman Salemiinjehboroun bei schwierigen Bedingungen mit böigem Wind 2:0 (19,15) gewonnen.

Ein Karriereende ist aus sportlicher Perspektive nicht in Sicht, "wir haben in dieser Saison wieder mehr gewonnen als verloren." Die Zukunft von Doppler/Horst ist wegen Umwälzungen im Österreichischen Volleyballverband (ÖVV) aber ungewiss. Nach deutschem Vorbild hat der ÖVV seine Strukturen zentralisiert, fünf angestellte Trainer betreuen einen Pool an bisher eigenständigen Teams, die vom ÖVV auch von Management-Aufgaben entlastet werden sollen.

Vom "Affen-Tennis" zur Weltsportart

Peter Kleinmann wird sein Amt als Präsident im September zurücklegen, Fördergelder und Athleten stehen im Herbst auf dem Prüfstand. Kleinmann hat Beachvolleyball einst als "Affen-Tennis" bezeichnet, mittlerweile ist das Spiel in der Sandkiste dank steigender Popularität eine Säule im Verband.

Doppler/Horst sind ein kleines Unternehmen, mit dem Projekt Rio hat sich ihre Budgetstruktur verändert. "Früher kamen 70 Prozent des Geldes von Sponsoren und 30 Prozent aus Förderungen. Seit Rio ist es genau umgekehrt." Als Perspektivteam gehen Doppler (36) und Horst (34) nicht mehr durch. "Sollten wir keine Förderungen mehr bekommen, macht es keinen Sinn weiter zu spielen."

Weniger Geld

Eine Saison kostet die Firma Doppler/Horst 200.000 Euro, damit werden Flüge, Physiotherapeuten, Ballmaschinen oder auch ein Statistiker gezahlt. Jedes Flatterservice und jede Annahme des Gegners muss in der Vorbereitung analysiert werden. "Sonst hast du keine Chance."

Als Nummer 15 der Welt erlebt Clemens Doppler mit seinem Partner aktuell die schlechteste Saison in puncto Preisgeldern. In Rio wurde auf der World Tour im Mai, nur neun Monate nach den Olympischen Spielen, im halb leeren Tennisstadion vor tausend Zuschauern gespielt anstatt an der Copacabana.

Fit, nicht alt

"Ohne die Major-Series von Hannes Jagerhofer würde es dem Sport sehr schlecht gehen." In Porec waren viele Zuschauer. Dort schafften Doppler/Horst mit Platz fünf auch ihre bisher beste Saisonplatzierung. "Der harte Kern will Beachvolleyball schauen. Es herrscht "eine geile Stimmung, das Publikum ist fair, die Leute klatschen nicht in falschen Momenten. Die kennen sich schon aus mit dem Spiel."

Das Turnier auf der Donauinsel ist sicher seine letzte Heim-WM, eine Teilnahme an den Spielen in Tokio 2020 will er nicht ausschließen. "Das Alter ist nur eine Zahl. Es gibt nur fitte und nicht fitte Sportler." (Florian Vetter, 28.7.2017)

Ergebnisse von der Beach-Volleyball-WM in Wien

HERREN

Gruppe A:

Sergio Gonzalez/Diaz Nivaldo (CUB-24) – Thomas Kunert/Christoph Dressler (AUT-25) 2:0 (18,13)

Alvaro Filho/Saymon (BRA-1) – Daneil Williams/Marlon Phillip (TRI-48) 2:0 (11,11)

Montag (12.00): Kunert/Dressler – Alvaro Filho/Saymon; Mittwoch (11.30): Kunert/Dressler – Williams/Phillip

Gruppe H:

Theodore Brunner/Casey Patterson (USA-17) – Robin Seidl/Tobias Winter (AUT/WC-32) 2:0 (17,17)

Montag (19.00): Winter/Seidl – Pedro/Guto (BRA-8); Mittwoch (10.30): Winter/Seidl – Jamaine Naidoo/Leo Williams (RSA-41)

Herren – Gruppe I:

Pablo Herrera/Adrian Gavira (ESP-9) – Martin Ermacora/Moritz Pristauz-Telsnigg (AUT-40) 2:0 (15,14)

Sonntag (19.00): Doppler/Horst – Vandenburg/Nusbaum; Dienstag (18.45): Doppler/Horst – Saxton/Schalk

Gruppe L:

Clemens Doppler/Alexander Horst (AUT-12) – Rahman Raoufi/Bahman Salemiinjehboroun (IRI-36) 2:0 (19,15)

Ben Saxton/Chaim Schalk (CAN-13) – Ryan Vandenburg/Aaron Nusbaum (CAN-37) 2:0 (14,19)

DAMEN

Gruppe A:

Larissa/Talita (BRA-1) – Teresa Strauss/Katharina Holzer (AUT/WC-48) 2:1 (11-19,8)

Emily Day/Nicole Branagh (USA-25) – Victoria Bieneck/Isabel Schneider (GER-24) 2:0 (16,24)

Sonntag (14.00): Strauss/Holzer – Bieneck/Schneider; Dienstag (12.30/Side-Court 3): Strauss/Holzer – Day/Branagh

Gruppe L:

Kristyna Kolocova/Michala Kvapilova (CZE-16) – Varapatsorn Radarong/Tanarattha Udomchavee (THA-37) 2:1 (14,-20,13)

Gruppe L:

Stefanie Schwaiger/Katharina Schützenhöfer (AUT-12) – Jekaterina Birlowa/Nadesda Makrogusowa (RUS-36) 2:0 (21,17)

Montag (16.00): Schwaiger/Schützenhöfer – Kristyna Kolocova/Michala Kvapilova (CZE-16)

  • Clemens Doppler (links) und Alexander Horst zeigen bei der WM von Beginn an, dass sie die Hausherren sind.
    foto: apa/hochmuth

    Clemens Doppler (links) und Alexander Horst zeigen bei der WM von Beginn an, dass sie die Hausherren sind.

  • Die Hütte ist am ersten Tag schon fast voll.
    foto: apa/hochmuth

    Die Hütte ist am ersten Tag schon fast voll.

  • Böiger Wind sorgte für viele spektakuläre Ballwechsel.
    foto: apa/hochmuth

    Böiger Wind sorgte für viele spektakuläre Ballwechsel.

  • Voller Einsatz.
    foto: apa/hochmuth

    Voller Einsatz.

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