Immer Ärger mit dem verf*ckten Asterisk

Kolumne28. Juli 2017, 17:25
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Erwähnen und Verhüllen als Dilemma

Er soll brillant berichten, effektiv enthüllen, fesselnd formulieren, feinsinnig filtern, konstruktiv kommentieren: Das alles wird vom Journalisten erwartet, daher ist dieser Beruf auch pickelhart. Extrahart ist er, wenn Politiker schweinisch daherreden (etwas, was unter Angehörigen unserer Branche eine Seltenheit ist) und der Journalist vor dem ethischen Dilemma zwischen der Pflicht zur gewissenhaften Berichterstattung und jener zur möglichsten Schonung sensibler Leser steht.

Stark gefordert sind derzeit die Kollegen in den USA. Anthony Scaramucci, Trumps neuer Pressesprecher, hat gleich in seiner ersten Amtswoche gegenüber einem New Yorker-Journalisten eine Obszönitätenlawine abgelaicht, wie man sie sonst nur in der letzten Winden in Brooklyn oder im tiafsten Puff in der Bronx zu hören bekommt. "Colorful" nennt Scaramucci seinen eigenen Sprachgebrauch.

Bei den elektronischen Medien schaltet sich in solchen Fällen der "bleep censor" ein, der jedes "Fuck" zuverlässig durch ein "Beep" übertönt. Bei den Printmedien steht man vor der Qual der Wahl. Besonders schamhafte Blätter gehen unangenehmen Vokabeln aus dem Weg, indem sie sie als "nicht zitierfähig" oder "nicht jugendfrei" deklarieren.

"H*mmel, *rsch und Zw*rn"

Den klassischen Kompromiss zwischen Erwähnen und Verschweigen verbürgt aber der Asterisk, mit dem man etwa das ordinäre "Himmel, Arsch und Zwirn" zum sanfteren "H*mmel, *rsch und Zw*rn" entschärfen kann. Die Verwendung des Asterisks ist allerdings nicht einfach.

So verdeutschte (und verhüllte) etwa die Welt auf ihrer Website Scaramuccis "they have to go fuck themselves" zunächst mit einem fälschlich gesetzten Doppelasterisk: "Sie werden sich selber f**cken", was den irrigen Eindruck erwecken könnte, das deutsche Äquivalent von "to fuck" hieße "fiecken". Zusätzliche Verwirrung stiftet, dass das Sternchen auch zur Charakterisierung von Transgenderpersonen herangezogen wird ("ISIS-Kämpfer*innen"), sodass man nie weiß, ob "verf*ckt" nun a) als die aus Schicklichkeitsgründen abgemilderte oder b) als korrekt gegenderte Variante des Ursprungswortes zu lesen ist.

Wie auch immer: Wir heißen es gut, dass im Weißen Haus endlich Tacheles geredet wird. Das verf*ckte diplomatische Gew*sch, das man von den Schw*nzl*tschern in der Politik sonst zu hören bekommt, geht uns schon lange auf den S*ck. (Christoph Winder, 29.7.2017)

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