Virginia Woolfs "Zum Leuchtturm": Vergebliche Anläufe

    31. Juli 2017, 13:26
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    Gaby Hartels Bearbeitung von Woolfs autobiografischstem Roman will nicht überzeugen

    James drängt. Doch zum Leuchtturm gelangt der Sohn der Familie Ramsay erst, als er kein Bub mehr ist, ein Krieg dazwischen liegt, der Erste Weltkrieg, und die Grausamkeit in der Welt überhandgenommen hat. Und über allem Melancholie und Untergang wie ein unentrinnbares Schicksal liegt. Die Isle of Skye, Schottland. Dort steht das Ferienhaus der Familie Ramsay. Und von dort aus will, es ist das Jahr 1910, in Virginia Woolfs Zum Leuchtturm James zum Leuchtturm kommen. Über die Jahre vergeblich; erst 1920 klappt es.

    1927 erschien dieser Roman, der Woolfs autobiografischster und ihr erfolgreichster war. Wieso aber will Gaby Hartels für den Bayerischen Rundfunk erstellte Hörspielbearbeitung nicht überzeugen? Ist es Hartels Übersetzung? Ist es der dramaturgische Mangel des Romans, dass der Mittelteil ein mehrere Jahre zusammenfassender, allzu sachlicher Rapport ist? Oder ist es das gar nicht kleine Ensemble, das akustisch nicht adäquat anmutet? Vielleicht ist verstreichende Zeit ein zu flaches Motiv, so sehr auch Woolfs Sprache Zauber versprüht. (Alexander Kluy, 31.7.2017)

    • Virginia Woolf, "Zum Leuchtturm". € 19,99 / 146 min. Der Hörverlag, München 2017
      cover: der hörverlag

      Virginia Woolf, "Zum Leuchtturm". € 19,99 / 146 min. Der Hörverlag, München 2017

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