Karl Ove Knausgård mit Österreichischem Staatspreis geehrt

    28. Juli 2017, 12:45
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    In seiner Dankesrede würdigte der Schriftsteller, der nicht anwesend sein konnte, Österreich als "literarische Großmacht"

    Salzburg – Ohne Preisträger ist am Freitag in Salzburg der Österreichische Staatspreis für europäische Literatur verliehen worden. Der norwegische Autor Karl Ove Knausgård (48) musste aus familiären Gründen absagen. Die Leiterin des Luchterhand-Verlags, Regina Kammerer, nahm stellvertretend den Preis entgegen und verlas seine Dankesrede, in der er Österreich als "literarische Großmacht" würdigte.

    "Anders kann ich ein Land nicht bezeichnen, aus dem Autoren wie Sigmund Freud, Robert Musil, Hermann Broch, Georg Trakl, Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard und Peter Handke stammen", so Knausgård. Er habe als junger Mann Bernhard gelesen, ihn bewundert und ihm wie andere Kollegen als Autor nachgeeifert – was sich aber als unmöglich, ja unsinnig herausgestellt habe: "Die Texte gerieten leblos, und sie klangen falsch."

    Auch Peter Handkes Werk sei "ebenso eigenwillig und kompromisslos wie das von Bernhard". Eine zentrale Rolle spiele "die ambivalente Rolle der Sprache, ihre verräterische Doppeldeutigkeit – die Welt wird durch Sprache erschaffen und wir mit ihr verbunden, gleichzeitig hält die Sprache uns jedoch auch auf Distanz zu ihr."

    "Vieles lässt sich über die sechs Bücher sagen, die ich über mich selbst und mein Leben geschrieben habe, unter anderem, dass ich vielen Verlockungen der Literatur nachgegeben habe, aber eins ist sicher: Ohne Schriftsteller wie Duras, Kundera, Rushdie, Lessing, Eco, Christensen, Calvino, Bachmann, Bernhard und Handke hätten sie niemals geschrieben werden können", verwies Knausgård auf die hochkarätige Liste bisheriger Preisträger. "Die Literatur formt uns nicht, aber sie gibt dem in uns und in unserer Welt eine Sprache, was ansonsten sprachlos und für uns unsichtbar geblieben wäre. Wenn das Leben wie ein Gang ist, sind die Bücher wie Fenster, die uns bei zunehmender Dunkelheit zu Spiegeln werden."

    Der Österreichische Staatspreis für europäische Literatur ist mit 25.000 Euro dotiert und wird für das literarische Gesamtwerk eines europäischen Autors verliehen. Zuletzt erhielten ihn der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk (2016), der rumänische Autor Mircea Cartarescu (2015), die Russin Ljudmila Ulitzkaja (2014) und der irische Autor John Banville (2013). (APA, 28.7.2017)

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