"Emoji – Der Film": Alte Gags im App-Gewand

    28. Juli 2017, 12:24
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    Animationsdesaster von Tony Leondis trieft vor Schmalz und reiht abgeschmackte Witze aneinander

    Dafür gibt es kaum Worte: Mit "Emoji – Der Film" hat sich Sony Pictures Animation an die allgegenwärtigen Kommunikationszeichen unserer Smartphones gewagt und ihnen einen eigenen Kinofilm gewidmet. Dass das Eintauchen in scheinbar absurde Welten der Konsumgesellschaft lohnend sein kann, hat das "Lego Movie" zwar bewiesen. Hier stellt sich aber ein Desaster ein, das bald in den Kinos läuft.

    Emoji mit Fehlfunktion

    In Textopolis, einer Nachrichten-App auf dem Handy des Highschoolbuben Alex, freut sich das kleine Emoticon Gene auf nichts sehnlicher als endlich seinen Dienst antreten zu können. Schließlich soll er als eine von unzähligen Emotionsäußerungen die Kommunikation des Teenagers erleichtern.

    Doch anstatt seine Aufgabe als "Meh"-Emoji entsprechend lustlos umzusetzen, kann Gene seine Gefühlsregungen nicht zügeln. Schnell wird in der friedlichen Kleinstadt klar: Bei ihm muss es sich um eine Fehlfunktion handeln, die gelöscht werden muss – sonst droht dieses Schicksal allen Bewohnern.

    sonypicturesgermany

    Reise durch die Apps

    Der Film von Regisseur Tony Leondis, der gemeinsam mit Eric Siegel und Mike White auch das Drehbuch verantwortete, begleitet Gene in der Folge auf seiner Flucht sowie der Suche nach seinem Platz in dieser kleinteiligen und ziemlich engstirnigen Gesellschaft. "Ich will funktionieren, damit ich hineinpasse", formuliert er zu Beginn seinen sehnlichsten Wunsch.

    Mit dem zufällig in dieses Abenteuer hineinstolpernden Hi-5 (dem Namen entsprechend eine kleine Hand, die Finger zum Einklatschen gespreizt) sowie der Hacker-Figur Jailbreak geht es also von einer App zur nächsten, gibt es Süßes wie Saures bei Candy Crush, wird auf Musikwellen in Spotify gesurft und begegnet man zwielichtigen Gestalten im Piracy-Bereich.

    Einzelne Highlights

    Einzelne Ideen werden dabei durchaus lustvoll umgesetzt und besonders Komiker James Corden, der im Original dem tollpatschigen wie liebenswürdigen Hi-5 seine Stimme leiht, kann viel aus den oft vorhersehbaren Dialogen herausholen. Aber grundsätzlich stellt sich, auch aufgrund der marginal wie einfältig ausgestalteten Rahmenhandlung mit sich anbahnender Jugendromanze und drohender Handy-Löschung, die Frage: Wen will man damit eigentlich erreichen?

    Was bei der "Angry Birds"-Adaption aufgrund der schrägen Charaktere leidlich funktionierte, geht hier vollends in die Hose. Ein Klischee jagt das nächste, die emotionalen Momente triefen nur so vor Schmalz und auch am Gag-Sektor gibt es einiges an Nachholbedarf.

    Holzhammermethode

    Die gar nicht so subtile Botschaft, dass man sich nicht um jeden Preis ins System fügen muss und mit Individualität punkten kann, wird mit dem Holzhammer in die Köpfe des Publikums gedroschen. Und die als Heilsort dargestellte Cloud, die so viele weitere Möglichkeiten offenbaren würde – erzählerisch wie optisch -, wird nur angerissen und bleibt die Hilfe auf allen Ebenen schuldig.

    Es folgt die eindeutige Erkenntnis, dass diese Emojis eben doch nur Abziehbilder von echten Gefühlen sind. Auch wenn uns Leondis und sein Team etwas anderes weismachen möchten. (APA, 28.07.2017)

    • Das Abenteuer rund um "Meh" und "Hi-5" liefert nur wenige Highlights.
      foto: sony pictures

      Das Abenteuer rund um "Meh" und "Hi-5" liefert nur wenige Highlights.

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