Freud und Leid des hohen Euro

27. Juli 2017, 18:54
3 Postings

Der Euro erreicht zu Dollar und Franken ein Zweieinhalbjahreshoch. Frankenkreditnehmer profitieren, lange Gesichter in der Exportwirtschaft

Wien – So kann man sich täuschen: Vor zweieinhalb Jahren galt es selbst unter Experten wie jenen der US-Investmentbank Goldman Sachs nur noch als Frage der Zeit, bis der Euro die Parität zur US-Währung erreichen wird, also nur noch einen Dollar wert ist. Eingetreten sind diese Prognosen freilich nicht, vielmehr ist heuer sogar eine deutliche Trendwende festzustellen. In den frühen Morgenstunden war die Gemeinschaftswährung am Donnerstag bis auf 1,1777 Dollar gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit Jänner 2015 erreicht – und damit just jenem Zeitpunkt, zu dem Goldman Sachs die Fehlprognose verlautbarte.

Unterstützung für den Euro hatte die US-Notenbank Fed mit ihrer Zinssitzung am Vorabend geliefert. Zwar hätten die Währungshüter signalisiert, dass die erwartete Verringerung der Notenbank-Bilanz bald gestartet werden könnte. "Marktteilnehmer handelten aber vor allem darauf, dass ein Signal für einen baldigen Zinsschritt fehlte, denn die Inflationsentwicklung wurde etwas negativer dargestellt als zuletzt", kommentieren die Analysten der Helaba. Andere Experten sahen in der Stellungnahme der Fed sogar Hinweise, dass sich die Währungshüter bei künftigen Zinserhöhungen Zeit lassen werden. Dies hatte den Dollar belastet und dem Euro Auftrieb verliehen.

Keine guten Nachrichten sind dies für Europas Exportwirtschaft. Deren Wettbewerbsfähigkeit leidet unter dem gestiegenen Euro, da ihre Produkte außerhalb des eigenen Währungsraums teurer werden. Das Gegenteil ist für Importeure der Fall, die im Ausland billiger Waren einkaufen können – wovon auch die Verbraucher dank vergünstigter Importwaren profitieren.

Gegenüber dem Schweizer Franken ist der Euro ebenfalls auf den höchsten Stand seit Jänner 2015 geklettert, als die Aufgabe des Mindestkurses durch die Schweizer Notenbank SNB zum sogenannten "Frankenschock" geführt hatte. Nachdem der Euro damals kurzfristig unter die Parität gerutscht war, sind wieder mehr als 1,12 Franken zu berappen. Für Frankenkreditnehmer ist der in Euro gerechnete Schuldenstand seither also gesunken. (aha, 27.7.2017)

Share if you care.