Jerusalems Großmufti Mohammed Hussein: Eine Welt voller Moscheen und ohne Tempel

    Kopf des Tages27. Juli 2017, 17:33
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    Der Großmufti steht in der Tempelberg-Krise wieder im Zentrum

    Was der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmad Hussein, ebenso wie Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als Resultat der Durchsetzungskraft der Palästinenser feiert, ist wohl eher ein Sieg der Diplomatie: Viele Telefongespräche zwischen Jerusalem, Washington, Amman et cetera wurden geführt, persönliche Mittelsmänner losgeschickt, bis am Donnerstag der Großmufti die Wiederaufnahme der Gebete in den islamischen Moscheen auf dem Tempelberg in Jerusalem verkünden konnte. Der "Status quo" – die Handhabung des Zugangs, wie sie zwischen den israelischen Behörden und den jordanischen Verwaltern des islamischen "haram al-sharif" ausgemacht ist – sei wiederhergestellt.

    Dieser "Status quo" ist eine hochpolitische Sache, und Großmufti Mohammed Hussein, der ja eigentlich für religiöse Belange zuständig ist, agiert durchaus als Politiker. Dabei hatte Mahmud Abbas ihn 2006, zwei Jahre nach Yassir Arafats Tod, deshalb in dieses Amt geholt, weil ihm die politischen Quertreibereien des Vorgängers, Ikrima Sabri, auf die Nerven gingen. Heute kann der Palästinenserpräsident, politisch nur mehr ein Schatten seiner selbst, nur mehr im Strom des Mufti mitschwimmen.

    Moscheen seit Anbeginn der Zeit

    Den Posten des Großmufti hatte im letzten Weltkriegsjahr 1918 der britische Militärgouverneur Ronald Storrs eingeführt: hin- und hergerissen zwischen dem sich entwickelnden Zionismus und der zunehmend feindseligen arabischen Bevölkerung.

    Dass der heutige Großmufti die islamischen heiligen Stätten vor der Begehrlichkeit rechter jüdischer Hardliner, die an eben jenem "Status quo" kratzen wollen, verteidigt, ist wohl sein Geschäft. Aber er geht weiter und versteigt sich ins – lächerliche – Unterfangen, die historische jüdische Präsenz in Jerusalem zu delegitimieren, wenn nicht gleich zu leugnen. Demnach stand auf dem Tempelberg vor 3000 Jahren – nein, seit Anbeginn der Zeiten! – eine Moschee und nie ein jüdischer Tempel.

    Der 67-Jährige wird deshalb von der israelischen Regierung gern mit dem berüchtigten, von den Briten 1937 exilierten Jerusalemer Großmufti Amin al-Husseini verglichen, der eine innige Beziehung zu den Nazis pflegte. Tatsächlich gibt es auch von Mohammed Ahmad Hussein hasstriefende Aussagen, die Selbstmordattentate gegen Israelis legitimieren, aber auch generell judenfeindliche "Traditionen" des Propheten Mohammed wiederholen. (Gudrun Harrer, 27.7.2017)

    • Mohammed Ahmad Hussein ist Großmufti von Jerusalem.
      foto: apa / afp / thomas coex

      Mohammed Ahmad Hussein ist Großmufti von Jerusalem.

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