Rendi-Wagner unterstützt EU-Kommission bei Pommesregulierung

Video27. Juli 2017, 16:30
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Die EU will das möglicherweise krebserregende Acrylamid verringern – Gastronomen fürchten mehr Bürokratie

Wien – Von der neuen EU-Regel, die das möglicherweise krebserregende Acrylamid ab 2019 in Lebensmitteln wie Pommes frites oder Chips verringern soll, hält Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) nichts – er empörte sich über die "EU-Frittenpolizei" und das drohende "Bürokratiemonster". Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) hat dafür hingegen kein Verständnis.

"Mit der Gesundheit der Menschen spielt man nicht", so Rendi-Wagner am Donnerstag. "Mein Verständnis für Wahlkampf hat dort ein Ende, wo die Gesundheit der Menschen gefährdet wird." Acrylamid sei nachweislich krebserregend. Landwirtschaftsminister Rupprechter stelle die Gesundheit der Bevölkerung nicht an die erste Stelle, kritisierte die Ressortchefin. Von der ÖVP forderte sie eine klare Haltung ein.

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Rendi-Wagner unterstütze das Ziel der Europäischen Kommission, die "mit großer Zustimmung von Expertinnen und Experten in ganz Europa" zum Schutz der Gesundheit der Konsumenten den Gehalt an Acrylamid insbesondere in industriell hergestellten Lebensmitteln wie etwa Chips senken will. Ein unverhältnismäßiges Mehr an Bürokratie für Wirte sollen die Maßnahmen nicht bringen.

Rupprechter fürchtet Belastung für Gastronomie

Rupprechter gehe es darum, dass bei der Umsetzung der Verordnung in Österreich nicht "übers Ziel hinausgeschossen wird, ähnlich wie bei der Allergen-Verordnung". Das sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums zur APA. Er stelle sich "klar gegen die Pommes-Verordnung", diese würde lediglich eine weitere Belastung für die Gastronomie darstellen, sagte der Minister am Montag.

Seit Jahren ist das potenziell krebserregende Acrylamid, das beim Rösten, Backen und Frittieren vor allem bei besonders stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln und Mehl entsteht, umstritten. In Tierversuchen wurde ein erhöhtes Krebsrisiko nachgewiesen, wenn man den Stoff zu sich nimmt. Ziel der neuen EU-Regel ist es, beim Garen möglichst wenig Acrylamid entstehen zu lassen.

So wird zum Beispiel vorgegeben, Kartoffelsorten mit wenig Stärke zu verwenden und Pommes frites vor dem Frittieren einzuweichen oder zu blanchieren, um die Stärke auszuwaschen. Außerdem sollen die Hitze beim Garen auf das Nötigste begrenzt und die Waren so wenig wie möglich gebräunt werden, um die Entstehung von Acrylamid zu drosseln. Bräunungstabellen sollen dazu in der Praxis einen Anhaltspunkt geben.

Die Gastronomie befürchtet einen großen Mehraufwand und wehrt sich gegen die geplanten Auflagen. Gesundheitsexperten mahnen jedoch, die Aufnahme von Acrylamid so weit wie möglich zu verringern. (APA, 27.7.2017)

  • Das potenziell krebserregende Acrylamid, das beim Rösten, Backen und Frittieren vor allem bei besonders stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln und Mehl entsteht, ist umstritten.

    Das potenziell krebserregende Acrylamid, das beim Rösten, Backen und Frittieren vor allem bei besonders stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln und Mehl entsteht, ist umstritten.

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