Studie bringt 16 Genvarianten mit verkürzter Lebensdauer in Verbindung

27. Juli 2017, 12:50
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Schweizer Forscher untersuchten Rolle von "Single Nucleotide Polymorphisms"

Lausanne – Schweizer Forscher haben 16 Genvarianten identifiziert, die mit einer verkürzten Lebensdauer zusammenhängen dürften – 14 davon waren in diesem Zusammenhang bisher unbekannt. Etwa jeder Zehnte trage eine Kombination dieser Varianten, die die Lebenszeit im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt um mehr als ein Jahr reduzieren, berichtet das Lausanner Forschungsteam in "Nature Communications".

Hintergrund

Zwar bestimmt in erster Linie die Lebensführung, wie alt man wird, doch hängen nach bisherigen Erkenntnissen immerhin etwa 20 bis 30 Prozent der Unterschiede bei der Lebenszeit vom Erbgut ab. Kleine Änderungen in der Erbgutsequenz, die nur einen einzelnen "Buchstaben" betreffen, können zu solchen Unterschieden der Lebenszeit beitragen.

Bisher hatten umfassende Studien nur zwei solcher Einzelbuchstaben-Varianten – "Single Nucleotide Polymorphisms" oder SNPs genannt – in Bezug auf die Lebensspanne entdeckt. Eine neue Studie unter Leitung von Zoltan Kutalik vom Schweizerischen Institut für Bioinformatik und dem Unispital Lausanne erbrachte nun 14 neue SNPs, die mit der Lebenszeit zusammenhängen. Ebenfalls beteiligt waren Forscher der Universität und der ETH Lausanne.

Großes Sample

Für ihre Untersuchung durchforsteten die Wissenschafter Erbgutdaten von mehr als 116.000 Personen. Ihr Fokus lag dabei auf 2,3 Millionen SNPs – also 2,3 Millionen Stellen im Genom, wo bei verschiedenen Personen unterschiedliche "Buchstaben" vorkommen. Unter all diesen Varianten identifizierten sie diejenigen, die über die Gesamtheit aller untersuchten Personen häufiger bei denen vorkommen, deren Eltern eine vom Durchschnitt abweichende Lebensspanne hatten.

Kombinationen der dabei gefundenen 16 Varianten kommen bei rund zehn Prozent der Bevölkerung vor und können laut Studie die Lebenszeit im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt um mehr als ein Jahr verkürzen. Einzelne SNPs hingen mit einer um bis zu sieben Monate kürzeren Lebensspanne zusammen, schrieb das SIB.

Die Analyse ergab auch, dass die SNPs indirekt lebensverkürzend wirken. Und zwar indem die meisten davon mehr als einen Krankheits- oder Risikofaktor beeinflussten – zum Beispiel eine stärkere Abhängigkeit von Nikotin und eine Prädisposition für Schizophrenie.

Biomarker für Langlebigkeit

Schließlich stießen die Forscher über die gefundenen SNPs auch auf drei Gene, deren Aktivität durch die SNPs beeinflusst wird und für die Lebensdauer entscheidend ist: Werden diese Gene bei einer Person wenig "abgelesen", deutet dies auf eine besonders lange Lebensspanne hin, so das SIB.

Die Aktivität dieser Gene, die auch mit der Abhängigkeit von Nikotin zusammenhängen, könnte somit theoretisch als Biomarker für Langlebigkeit dienen. Mit dem Vorbehalt allerdings, dass letztlich eben doch die Umwelt und der Lebensstil die größere Rolle spielen. (APA, red, 27. 7. 2017)

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