Kreditbetrug macht US-Demokraten zu schaffen

27. Juli 2017, 15:19
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Ein Mitarbeiter von Ex-Parteichefin Wasserman Schultz transferierte erschwindeltes Geld nach Pakistan. Beim Versuch, die USA zu verlassen, wurde er verhaftet

Ein möglicher Kreditbetrug steht im Mittelpunkt einer Affäre, die den US-Demokraten derzeit zu schaffen macht. Ein langjähriger Mitarbeiter von Debbie Wasserman Schultz, Abgeordnete aus Florida und bis 2016 als Chefin des Democratic National Congress Parteivorsitzende der Demokraten, wurde auf dem Flughafen Washington-Dulles verhaftet, kurz bevor er ein Flugzeug in Richtung der katarischen Hauptstadt Doha besteigen konnte. Ihm wird Kreditbetrug vorgeworfen.

Der IT-Mitarbeiter Imran Awan soll die Congressional Federal Credit Union, ein Geldinstitut, das sich vor allem an Mitarbeiter des politischen Washington richtet, um 165.000 Dollar betrogen haben. Awan soll der Anklage zufolge die Bank in die Irre geführt haben, indem er eine Wohnung als Sicherheit anführte, die er nicht besitzt, sondern nur mietet. Das Geld wurde dann an zwei Personen in Pakistan überwiesen.

Awans Ehefrau, selbst früher bei demokratischen Abgeordneten angestellt, ist mit den drei Töchtern schon vor einigen Tagen nach Pakistan ausgereist. Auch er selbst hätte nach dem Zwischenstopp in Katar in das südasiatische Land weiterfliegen sollen.

Strenge Auflagen

Am Dienstag wurde der 37-Jährige wieder auf freien Fuß gesetzt, allerdings unter strengen Auflagen. So musste er seinen Reisepass abgeben und darf seinen Wohnort nicht verlassen.

Schon im Winter wurde gegen Awan, der seit Beginn seiner Karriere 2004 für mehr als zwei Dutzend demokratische Abgeordnete gearbeitet hat, von der Capitol Police ermittelt. Er soll Büroausstattung, darunter möglicherweise auch Computer und Server, gestohlen und zugekauftes Material, darunter iPads, falsch abgerechnet haben. Seit Monaten hat Awan keinen Zugriff mehr auf das IT-System des US-Parlaments. Während andere Demokraten die Zusammenarbeit mit dem hochbezahlten IT-Techniker – laut dem Portal "Politico" soll Awan in den zwölf Jahren am Capitol Hill fast zwei Millionen Dollar verdient haben – nach Bekanntwerden der Vorwürfe beendeten, hielt Wasserman Schultz an ihrem Technologieberater fest.

Während sich Amerikas rechte Medien auf die Ex-Chefin der Demokraten einschießen, spricht Awans Anwalt von einer Hexenjagd auf Muslime. Auch ein Kollege von Wasserman Schultz, der afroamerikanische Abgeordnete Gregory Meeks, hält es für denkbar, dass Awan vor allem deshalb zur Zielscheibe wurde, weil er Muslim ist.

Am Dienstag riss jedenfalls auch Wasserman Schultz der Geduldsfaden mit Awan. Ihm wurde gekündigt. (flon, 27.7.2017)

  • Debbie Wasserman Schultz muss sich für ihren früheren Mitarbeiter rechtfertigen.
    foto: ap photo/manuel balce ceneta

    Debbie Wasserman Schultz muss sich für ihren früheren Mitarbeiter rechtfertigen.

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