Kraftwerk Mellach macht Verbund wieder Freude

27. Juli 2017, 08:55
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1700 Einsatzstunden im ersten Halbjahr 2017 statt knapp 800 im gesamten Jahr 1016 – Weniger Ebitda-Gewinn im Halbjahr

Wien – Das Gaskraftwerk Mellach bei Graz, das kurz vor dem Einmotten stand, bereitet dem Eigentümer Verbund zunehmend Freude. Es wird zwar nicht im Grundlastbetrieb genutzt, dazu sind die Rahmenbedingungen zu schlecht – das heißt, der Gaspreis ist zu hoch und der erzielbare Strompreis zu tief. Für "Feuerwehreinsätze", die besser vergütet werden, lohnt sich die Inbetriebnahme aber allemal.

Wenn die Abrufe seitens der Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG) zur Stabilisierung der Netze bei kurzfristig auftretenden Schwankungen so weitergehen wie von Jänner bis Juni, könnte das noch immer modernste Gaskraftwerk Österreichs im Gesamtjahr 2017 so viele Stunden im Einsatz sein wie schon lange nicht.

Im ersten Halbjahr war Mellach nach Angaben von Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber insgesamt 1700 Stunden am Netz, mehr als das Doppelte als im gesamten Jahr 2016 mit gezählten 700 bis 800 Stunden. Insgesamt rechnet der Verbund im heurigen Jahr mit Rekorderlösen aus der Vermarktung flexibler Kraftwerksleistung in Höhe von 166 Millionen Euro – nach 128 Millionen im Jahr davor.

Strompreisanstieg bleibt aus

Im ersten Halbjahr 2017 konnte Österreichs größter Stromproduzent und -vermarkter aus diesem Titel 107 Millionen Euro lukrieren. In der Vergleichsperiode 2016 waren es lediglich 62 Millionen. Auf mittlere Sicht deutet aber noch immer nichts darauf hin, dass Mellach Grundlast erzeugen kann. Ein signifikanter Anstieg der Strompreise, der dazu nötig wäre, zeichnet sich nicht ab.

grafik: der standard

Im ersten Halbjahr hat der Verbund ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 415,9 Millionen Euro erzielt, ein Minus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 (siehe Grafik). Die stark verminderte Wasserführung wirkte sich dämpfend auf das Ergebnis aus. Der Verbund hat insgesamt 127 Wasserkraftwerke in Österreich und Bayern im Portefeuille. Für das Gesamtjahr erwarten Anzengruber und Finanzvorstand Peter Kollman unverändert ein Ebitda von rund 830 Millionen und ein Konzernergebnis von rund 300 Millionen Euro.

Was die diversen Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramme betreffe, liege man "gut im Plan", sagte Kollmann.

An der Börse wurde der Verbund dennoch abgestraft: Der Aktienkurs gab zeitweise um mehr als drei Prozent nach. (stro, 27.7.2017)

  • Das Kraftwerk Mellach wird für "Feuerwehreinsätze" genutzt.
    foto: apa/helge sommer

    Das Kraftwerk Mellach wird für "Feuerwehreinsätze" genutzt.

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