ÖFB-Frauen im EM-Viertelfinale

    26. Juli 2017, 22:59
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    Österreichs Frauenfußballteam ist souverän und als Gruppensieger in die K.o-Phase der EM in den Niederlanden eingezogen. Frankreich zitterte sich auch weiter

    Geschafft. Österreichs Fußballerinnen haben nichts mehr anbrennen lassen und sich bei der Europameisterschaft für das Viertelfinale qualifiziert. Im letzten Vorrundenspiel besiegte die Auswahl von Trainer Dominik Thalhammer in Rotterdam Island 3:0 (2:0). Sarah Zadrazil, Nina Burger und Stefanie Enzinger trafen für Österreich. Der Außenseiter steigt mit sieben Punkten und sogar als Gruppenerster auf. Als Zweite schafften es die Französinnen ins Viertelfinale, die zum Abschluss in Breda 1:1 (0:1) gegen die Schweiz spielten, lange Zeit waren sie in Unterzahl einem 0:1 hinterhergelaufen, womit der Titelanwärter draußen gewesen wäre. Österreichs Viertelfinalspiel steigt am Sonntag in Tilburg, der Gegner wird am Donnerstag ermittelt. Spanien ist wahrscheinlich.

    Wie gegen die Schweiz

    Am Mittwochabend schickte Thalhammer dieselbe Startelf aufs Feld wie beim 1:0 gegen die Schweiz. Kapitänin Viktoria Schnaderbeck nahm nach ihrer in der Partie gegen Frankreich (1:1) erlittenen Rissquetschwunde am Knöchel zunächst auf der Bank Platz. Sarah Zadrazil hingegen stand nach ihrer Syndesmoseband-Verletzung wieder in der Startelf. Die Isländerinnen hatten schon vor der Partie keine Chance mehr auf den Aufstieg. Coach Freyr Alexandersson bot nicht seine bestmögliche Auswahl auf.

    Vor 4.120 Zuschauern und Zuschauerinnen im Sparta-Stadion, weit mehr isländischen als österreichischen, gingen die ÖFB-Kickerinnen offensiver zu Werke als in den beiden vorangegangenen Partien. Bei Regen und Wind gibt Lisa Makas (1.) den ersten Schuss ab. Wenig später wird es in Österreichs Strafraum brenzlig, aber Sarah Puntigam springt rettend für die herausgeeilte Torfrau Manuela Zinsberger ein (2.).

    Es geht Schlag auf Schlag und hin und her. Nina Burger zielt nach einer Ecke direkt auf Torfrau Gudbjörg Gunnarsdottir (3.). Die Österreicherinnen wirken etwas nervös und hastig, die Isländerinnen durchaus angriffslustig. 18. Minute: Zinsberger fängt den nassen Ball erst im Nachfassen. Billa prüft Gunnarsdottir (22.) von der Strafraumgrenze aus. 25. Minute: wieder Billa, diesmal aus kürzerer Distanz, aber sie schießt zu zentral auf die Torfrau. Fanndis Fridriksdottir zielt auf der Gegenseite nur knapp vorbei (26.). Aber dann die Erlösung: Gunnarsdottir rutscht der Ball aus den Händen – ein fataler Patzer –, Zadrazil bedankt sich und staubt ab (36.), 1:0.

    Unbesiegter Außenseiter

    Das Viertelfinale ist schon verdammt nah und acht Minuten später praktisch fix. Burger köpfelt nach einem Eckball zum 2:0 ein. Pause. Wiederanpfiff. Was soll denn noch passieren? Billa haut drüber (50.), Feiersinger prüft Gunnarsdottir (53.). Das Werkl läuft. Die Isländerinnen bemühen sich zwar noch. Aber Zinsberger und/oder die Abwehr sind stets aufmerksam. In der 72. Minute darf sich Sarah Zadrazil ihren Abtrittsapplaus abholen, Schnaderbeck kommt für sie ins Spiel. Nadine Prohaska war zuvor für Makas eingewechselt worden. 78. Minute: Puntigam prüft Gunnarsdottir aus der Ferne.

    In der 90. Minute erhöht die eingewechselte Stefanie Enzinger sogar noch auf 3:0 – das erste Länderspieltor der Steirerin. Dabei bleibt's. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Unbesiegt zieht der Außenseiter weiter. Das hätte sich der Teamchef in den kühnsten Träumen nicht erwartet. Er sagt: "Es ist sensationell." (Birgit Riezinger aus Rotterdam, 26.7.2017)

    Frauenfußball-EM, Gruppe C, 3. Runde, Mittwoch

    Island – Österreich 0:3 (0:2)
    Sparta-Stadion Rotterdam, 4.120 Zuschauer, SR Riem Hussein (GER)

    Torfolge:
    0:1 (36.) Zadrazil
    0:2 (44.) Burger
    0:3 (90.) Enzinger

    Island: G. Gunnarsdottir – G. Viggosdottir, S. Atlatodirr, A. Kristjansdottir – H. Magnusdottir (51. G. Jonsdottir), D. Brynjarsdottir, S. Gunnarsdottir, H. Gisladottir – A. Albertsdottir (83. S. Jessen), H. Thorsteinsdottir (71. B. Thorvaldsdottir), F. Fridriksdottir

    Österreich: Zinsberger – Schiechtl, Wenninger, Kirchberger, Aschauer – Zadrazil (72. Schnaderbeck), Puntigam – Feiersinger, Billa (87. Enzinger), Makas (56. Prohaska) – Burger

    Gelbe Karten: A. Kristjansdottir bzw. Zadrazil

    • Stimmen zum Spiel:

    Dominik Thalhammer (Teamchef Österreich): "Das war bisher ein unglaubliches Turnier für uns. Dieser Erfolg hat das Renommee des Frauenfußballs in Österreich gehoben. Ein Gruppensieg vor Frankreich ist einfach sensationell. Heute hat das Team alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. In der zweiten Hälfte ist Island etwas aufgekommen, aber insgesamt war der Erfolg klar verdient. Jetzt sind wir in der K.-o.-Phase, da wird alles unglaublich eng."

    Nina Burger (Stürmerin Österreich): "Ich weiß noch gar nicht, ob das alles real oder ein Traum ist. Ich muss das auch erst alles verkraften. Egal, wer das zweite Tor gemacht hat, es war ein wichtiges Tor. Riesenkompliment an mein Team. Man merkt am Ergebnis, dass wir nicht viel falsch, sondern sehr viel richtig gemacht haben. Das ist wie ein Märchen. Man hätte sich das nicht schöner vorstellen können."

    Freyr Alexandersson (Teamchef Island): "Gratulation an Österreich. Sie haben gut gespielt, waren mental stark. Ich bin beeindruckt von ihrer Leistung bei diesem Turnier. Für uns war es ein schwieriges Spiel nach der Enttäuschung in den ersten beiden Partien. Die Spielerinnen waren mental am Boden. Wir haben ein katastrophales Gegentor bekommen, haben nicht gut gespielt und waren auch mental schwach. Ich bin sehr enttäuscht über dieses Spiel, aber nicht über das Turnier."

    • Nicht nur Sarah Zadrazil, die das 1:0 erzielte, war schneller und früher am Ball als die Isländerinnen.
      foto: apa/hans punz

      Nicht nur Sarah Zadrazil, die das 1:0 erzielte, war schneller und früher am Ball als die Isländerinnen.

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