Die Favoritinnen haben sich festgebissen

26. Juli 2017, 17:47
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Die deutschen Frauen stehen programmgemäß im EM-Viertelfinale. Geglänzt hat das Team von Steffi Jones nicht. Noch fehlt den Titelverteidigerinnen ein Tor aus dem Spiel heraus

Utrecht – "Es ist ja nicht so, dass man in einem Turnier vom ersten bis letzten Tag super Leistungen zeigt und dann das Turnier gewonnen hat. Man muss sich auch in solche Turniere reinbeißen können." Horst Hrubesch, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat die Parole ausgegeben. Die Frauen des DFB, als Titelverteidigerinnen allgemein als Favoritinnen der EM in den Niederlanden gehandelt, haben sich festgebissen und erreichten wie erwartet das Viertelfinale – mit eher durchschnittlichen Vorstellungen.

Vor dem Duell gegen Dänemark am Samstag müsste Trainerin Steffi Jones vor allem eine Sorge haben: die schwache Chancenverwertung. Noch immer hat ihre Auswahl keinen einzigen Treffer aus dem Spiel heraus erzielt. Zum Abschluss der Vorrundengruppe B trafen Abwehrchefin Babett Peter und Kapitänin Dzsenifer Marozsán aus Elfmetern zum 2:0 gegen Russland. Innenverteidigerin Peter hatte bereits gegen Italien (2:1) ein Tor vom Punkt erzielt, den zweiten Treffer steuerte die zweite Innenverteidigerin, Josephine Henning, bei. Zum Auftakt gegen Schweden hatte es nur zu einem 0:0 gereicht.

"Scheißegal" sei ihr die bisherige Torflaute, beschied Jones, die als Innenverteidigerin selbst in 111 Länderspielen neun Tore erzielt hatte. "Die Leidenschaft, die Laufbereitschaft und der Einsatz stimmen bei uns immer. Im nächsten Match werden alle möglichen Spielerinnen Tore schießen."

Starke Bilanz

Das ist nicht ausgeschlossen, die Bilanz gegen Dänemark, das am Samstagabend (20.45 Uhr) in Rotterdam bespielt wird, ist wenig überraschend positiv – in 20 Spielen gelangen den Deutschen bei je vier Niederlagen und Unentschieden zwölf Siege. Nummer 13 ist jedoch kein Selbstläufer. Die Deutschen nehmen die Däninnen um deren Torjägerin Pernille Harder, die für Wolfsburg stürmt, sehr ernst. "Harder ist für mich eine der besten Spielerinnen der Welt", sagte Vereinskollegin Almuth Schult: "Ich hoffe, dass wir sie in den Griff bekommen." Die deutsche Stammtorhüterin ist eine von 21 Spielerinnen, die Coach Jones in den drei Vorrundenpartien eingesetzt hat. Groß rotieren will sie ab jetzt nicht mehr. "Ich hatte vor, die Gruppenphase mit Variabilität zu spielen, damit wir nicht so ausrechenbar sind. Das wird Richtung K.-o.-Spiele anders aussehen", sagte die 44-Jährige.

Aber, das gab sie zu, das Team habe sich vor dem Erreichen des Minimalziels bei Jones' erstem Turnier vielleicht zu sehr unter Druck gesetzt: "Sie haben alles gegeben und mir signalisiert, dass sie dieses Spiel auch für mich gewinnen wollen, damit es ruhiger um mich herum wird." Mag sein, dass jetzt die Aussicht auf die Rekordtitelprämie von 37.500 Euro pro Kopf zusätzlich beflügelt.

Wie dominant die deutschen Frauen bei der dieser EM sind, zeigt sich in der Tatsache, dass die gastgebenden Niederländerinnen ihr Viertelfinale gegen Schweden am Samstag zum auch für das Fernsehen unattraktiveren 18-Uhr-Termin in Doetinchem spielen müssen. Das Team von Trainerin Sarina Wiegman ist trotz der starken Vorrundenauftritte und des Heimvorteils nicht zu favorisieren, auch wenn bei den Schwedinnen die Trainerin vielleicht der größte Star ist. Pia Sundhage führte die USA zu den Olympiasiegen 2008 und 2012. Im Vorjahr bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro standen sie und die Schwedinnen im Finale – und unterlagen Deutschland mit 1:2. (sid, red, 26.7.2017)

  • Die deutsche Kapitänin Dzsenifer Marozsán traf bei der EM erst einmal und da vom Elfmeterpunkt – zu wenig für den Star von Lyon.
    foto: apa/afp/tobias schwarz

    Die deutsche Kapitänin Dzsenifer Marozsán traf bei der EM erst einmal und da vom Elfmeterpunkt – zu wenig für den Star von Lyon.

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