EM-Kolumne: Rotterdam

    Kolumne26. Juli 2017, 16:51
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    Rotterdam. Hier weht ein anderer Wind als im beschaulichen Wageningen. Und zwar wortwörtlich. Endlich wirklich in Holland. In Südholland, um genau zu sein. Rotterdam liegt tiefer als das Meer und baut so hoch wie kaum wer. Hat scheinbar mehr Wasser als Land, weshalb manche Busse gelegentlich ins Wasser fahren. Hat viel Industrie, ganz viel Hafen, ganz wenig historische Bauwerke. Kaum Schlösser, aber ein Fußballstadion, das "Schloss" ("Het Kasteel") heißt. Und ein viel bekannteres Fußballstadion, in dem heuer der niederländische Fußballmeister gefeiert wurde. Der der Männer.

    Rotterdam ist die Stadt, deren historisches Zentrum im Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1940, durch einen deutschen Luftangriff praktisch vollständig zerstört wurde, und die Stadt, in der nur wenige alte Gebäude erhalten sind. Die Stadt, die seit dem Jahr 2009 einen muslimischen Bürgermeister hat. Ahmed Aboutaleb, 55 Jahre alt und marokkanischer Abstammung, ist der erste muslimische Bürgermeister in einer westeuropäischen Großstadt.

    Er ist der Mann, der nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo am 7. Jänner 2015 islamischen Extremisten ausrichtete: "Um Himmels willen, packt doch eure Koffer und geht! Vielleicht gibt es einen Flecken auf der Welt, wo ihr zurechtkommen könnt. Aber bringt nicht unschuldige Journalisten um, das ist so verachtenswert. Verschwindet, wenn ihr in den Niederlanden euren Platz nicht finden könnt." Aboutaleb ist Bürgermeister der Stadt, in der der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund fast so hoch ist wie jener ohne. Rotterdam. Hier weht ein anderer Wind. (Birgit Riezinger, 26.7.2017)

    • Die Erasmusbrücke in Rotterdam.
      foto: standard/riezinger

      Die Erasmusbrücke in Rotterdam.

    • Bürgermeister Aboutaleb feiert mit Feyenoord den Meistertitel.
      foto: apa/afp/anp/robin van lonkhuijse

      Bürgermeister Aboutaleb feiert mit Feyenoord den Meistertitel.

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