Bawag-Aktionär spitzt auf deutsche Banken – nun Commerzbank-Einstieg

26. Juli 2017, 16:15
posten

Cerberus hat um fast 700 Millionen Euro fünf Prozent erworben – Offenbar auch Interesse an Wüstenrot Bank und HSH Nordbank – Bawag besiegelte erst vorige Woche Übernahme von Südwestbank

Wien/Frankfurt – Der US-Finanzinvestor Cerberus ist bei der deutschen Commerzbank eingestiegen. Der Mehrheitseigentümer der österreichischen Bawag meldete am Mittwoch einen Anteil von 5,01 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Privatbank. Das Paket ist knapp 700 Mio. Euro wert. Cerberus ist damit zweitgrößter Aktionär der Commerzbank nach dem deutschen Staat.

Der deutsche Staat hatte die Commerzbank in der Finanzkrise gerettet hatte und hält noch gut 15 Prozent der Anteile.

Was der als aggressiv geltende US-Investor mit dem Aktienpaket im Schilde führt, blieb zunächst unklar. Eine Commerzbank-Sprecherin wollte heute nicht sagen, ob Cerberus im Vorfeld des Einstiegs wie üblich Kontakt mit der Bank aufgenommen hatte.

In einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hatte es Anfang Juli aber schon geheißen, Cerberus wolle mit einem Commerzbank-Einstieg vom Aufschwung in der deutschen Finanzbranche profitieren.

Cerberus hat den jetzigen Einstieg bei der Commerzbank – zumindest teilweise – über die selbe Holding mit den Namen Promontoria bewerkstelligt, die auch die Bawag-Anteile hält. Firmen mit dem gleichen Namen waren in Europa auch schon als Investoren in Einzelhandelsimmobilien und als Käufer fauler Kredite aufgetreten.

Der Kurs der Commerzbank-Aktie hat in den vergangenen Monaten kräftig angezogen. Seit dem Tiefststand von 5,16 Euro im August 2016 hat er sich mehr als verdoppelt. Am heutigen Mittwoch legte die Aktie um 1,5 Prozent auf fast 11 Euro zu.

Deutsche Banken stehen ohnehin im Interesse des Finanzinvestors: Vor kurzem hatte Cerberus via Bawag die Übernahme der Stuttgarter Regionalbank Südwestbank perfekt gemacht. Abgeschlossen werden soll die Transaktion bis Jahresende.

Zum Kaufpreis gab es bisher keine Angaben. Die Südwestbank-Verkäufer, die Strüngmann-Zwillinge, die den Generikahersteller Hexal gegründet und 2005 an Novartis verkauft haben, hatten für die baden-württembergische Bank im Jahr 2004 rund 100 Mio. Euro an die DZ Bank überwiesen. 2014 steckten sie weitere 350 Mio. Euro in die Verdoppelung des Eigenkapitals. Nach deutschen Medienangaben lag das bilanzielle Eigenkapital der Südwestbank per Ende 2016 bei rund 720 Mio. Euro.

Bereits bei der Bekanntgabe des Südwestbank-Deals hatte der neue Bawag-Chef Anas Abuzaakouk klargemacht, dass er größere Ambitionen im Nachbarland hat: "Deutschland ist ein sehr, sehr attraktiver Markt für uns." "Wir sehen uns einige Möglichkeiten an, die eine Ergänzung für die Südwestbank wären."

Die Bawag selbst putzt sich seit geraumer Zeit für einen Börsengang. In Finanzkreisen war zuletzt von Herbst die Rede.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sind die Bawag und ihr Großaktionär Cerberus auch an der deutschen Wüstenrot Bank interessiert, an der der Stuttgarter Finanzkonzern W&W das strategische Interesse verloren hat.

In Deutschland wird Cerberus zudem ein Interesse an der HSH Nordbank nachgesagt. Diese muss auf Druck der EU von ihren Eigentümern Hamburg und Schleswig-Holstein verkauft werden.

Auch mit einer Übernahme der deutschen Postbank hatte sich Cerberus schon beschäftigt: Die Pläne hatten sich allerdings zerschlagen, weil die Deutsche Bank einen zu hohen Preis gefordert hatte.

Eine Komplettübernahme der Commerzbank wäre, so sagen zumindest Beobachter, für einen Finanzinvestor wie Cerberus allerdings zu teuer: Ihr Börsenwert liegt bei fast 14 Mrd. Euro. (APA/Reuters, 26.7.2017)

Share if you care.