Inhalt einer bronzezeitlichen "Lunchbox" untersucht

26. Juli 2017, 15:57
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Holzdose enthielt Spuren verschiedener Getreidearten – Besitzer könnte Hirte, Jäger oder auch ein reisender Händler gewesen sein

Jena – In der bronzezeitlichen Entsprechung einer heutigen Lunchbox haben Forscher Getreidereste entdeckt. Die etwa 4.000 Jahre alte Holzdose aus den Berner Alpen enthalte Substanzen, wie sie heute in Vollkornbrot zu finden seien, teilte das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena mit. Getreidefunde aus der Bronzezeit seien von Höhlen bekannt, bisher jedoch nicht aus derartigen Gefäßen.

Der Fund gebe Anhaltspunkte, wie Getreide in dieser Zeit genutzt und verbreitet wurde. Zudem haben die Forscher auch neue Wege zum Nachweis von Getreide entwickelt. Das internationale Team berichtet darüber in den "Scientific Reports".

foto: rolf wenger, marcel cornelissen und badri redha
Vor 4.000 Jahren verloren und 2012 wiedergefunden: ein Holzgefäß, in dem sich Getreideprodukte befanden.

Die 20 Zentimeter durchmessende Holzdose wurde 2012 auf rund 2.700 Metern Höhe nahe dem Lötschenpass gefunden worden. Auf dem Boden der Dose wurden nun Reste von Gerste, Dinkel und Emmer entdeckt, darunter Samenschalen und Spreu. Unklar sei, wem sie gehörte: jemanden, der auf alten Handelsrouten durchs Gebirge reiste, oder einem Hirten oder auch Jäger.

"Auf jeden Fall wirft die Entdeckung neues Licht auf das Leben in den prähistorischen Gemeinschaften innerhalb der Alpenregion und auf den Umgang der Menschen mit den extremen Höhenverhältnissen", sagte Mitautor Francesco Carrer von der britischen Universität Newcastle. "Die Leute haben auf ihrem Weg über die Berge Proviant mitgenommen wie heutige Wanderer auch. Unsere Forschung trägt dazu bei, zu verstehen, welche Lebensmittel sie dafür nutzten."

Das Gefäß enthalte zudem Alkylresorcine, wie sie auch in heutigen Vollkornprodukten vorkämen. Von keinem archäologischen Fundstück sei bisher über diese Stoffe berichtet worden. Sie seien etwa in Weizen- und Roggenkleie vorhanden. Nun wollen die Forscher auch Keramikgefäße auf die Stoffe untersuchen. Das könnte helfen, die Anfänge des Ackerbaus zu erforschen, so die Jenaer Forscherin Jessica Hendy. (APA, red, 26. 7. 2017)

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