Die "Ich mach dich reich"-Abzocke im Netz

26. Juli 2017, 15:37
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Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meist auch. Dennoch fallen Anleger auf betrügerische Anbieter herein, wie Questra und Vtec zeigen

Wien – "Gönn dir den Lifestyle, den du verdienst" – "In einem Jahr sind wir finanziell unabhängig" – "Bis zu 3,6 Prozent Rendite täglich" – "390 Prozent in 45 Tagen": Aussagen wie diese werden in Videos unterlegt mit Bildern von jungen Menschen, die feiern. Partys in lässigen Clubs, stylische Autos, hippe Locations, Bilder von den schönsten Stränden dieser Welt. Wie das alles geht? Vereinfacht ausgedrückt: Gib uns dein Geld, wir verdienen damit noch mehr und geben dir dein Geld inklusive hoher Renditen wieder zurück – und das täglich.

Eigentlich sollte jetzt schon klar sein, dass solche Angebote wenig mit der Realität zu tun haben. Dennoch verlocken Aussagen wie diese immer wieder die Menschen, ihr Geld in solche Abzockersysteme zu investieren. Anfangs läuft es ja. Es gibt erste Renditen. Dann stockt das System plötzlich. Nichts geht mehr, Anleger werden hingehalten. Sehen wir uns zwei Beispiele an:

  • Questra/Agam:

Bei diesen System kaufen Anleger "Pakete" – sie investieren also verschieden hohe Summen. Nicht näher genannte Menschen oder Systeme investieren dieses Geld dann so genial, dass riesige Summen an die Anleger zurückfließen. Beworben wird Questra vor allem in den Social-Media-Kanälen. Dort finden sich zahlreiche Videos über Anleger, die bereits reich geworden sein sollen, und viele, die quasi für Questra arbeiten und ihre Follower auf dem Laufenden halten.

Doch seit Wochen ist die Gemeinde verunsichert. Questra sei down, heißt es, Auszahlungen gestoppt. Dann die Erklärung via im Netz gestreamter Konferenz: Da in einigen Ländern neue Niederlassungen gegründet würden, sei man in Gesprächen mit Behörden, um die nötigen Genehmigungen und Lizenzen zu erhalten. Auszahlungen würden selbstverständlich wieder aufgenommen, wenn die Formalitäten erledigt seien. Doch die Bürokratie sei enorm und nicht so schnell. Daher stocke das System zur (wundersamen) Geldvermehrung, und es heißt: bitte warten.

Fragen bleiben offen

Warum Anleger, die bisher "bedient" wurden, kein Geld mehr erhalten, nur weil es eine neue Niederlassung geben soll, wird so erklärt: Die Konten und Daten müssten nun auf neue Server übertragen werden, dann aber werde alles wieder funktionieren. Die Anleger werden hingehalten, auch mit schlecht gemachten Videos, die etwa ein Büro des Agam-Präsidenten (Agam steht für Atlantic Global Asset Management und ist die Gesellschaft, die für Questra das Kapital anlegt) zeigen, der in Kap Verde sitzt. Im Netz heißt es, dass die Personen in den Videos Schauspieler seien.

Wesentliche Fragen bleiben jedenfalls offen. Warum man Anleger bisher ohne Niederlassungen und Lizenzen auszahlen konnte und jetzt nicht mehr, bleibt freilich unbeantwortet. Es ist also davon auszugehen, dass hier ein Schneeballsystem dahintersteckt. Solange es genügend neue Anleger gibt, können alte bedient werden. Stockt der Zustrom und übersteigen die "Zinsen" die Neueinnahmen, geht sich das System nicht mehr aus.

Wer steckt hinter Questra? Das ist eine gute Frage. Im Netz wird von russischen Gründern ausgegangen. Die Website verweist derzeit auf ein Domizil in Madrid, das Telefon dort hebt niemand ab. In Russland soll Questra bereits als betrügerische Masche aufgeflogen sein, daher der Schritt nach Europa. Und: Nachdem in Europa abgecasht wurde, werde der asiatische Markt angegangen, ist zu lesen.

Aufsichten warnen

In Österreich hat die Finanzmarktaufsicht bereits vor einem Jahr vor Questra gewarnt und diese Warnung kürzlich erneuert. Rund 150 Geschädigte haben sich bei der Aufsicht bereits gemeldet, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Betroffenen rät die FMA, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einzubringen. Auch im benachbarten Ausland häufen sich Schadensmeldungen. Eine Warnung ausgesprochen haben auch die belgische Aufsichtsbehörde FSMA und die Liechtensteiner Financial Market Authority. In keinem der von Questra genannten Länder gibt es Niederlassungen oder Anträge bei den entsprechenden Behörden.

  • Q Vtec:

Überweise uns deine Bitcoins, unser Anlageroboter investiert diese, und du bekommt viel mehr Bitcoins zurück: Das ist die Masche, mit der Vtec derzeit auf Kundenfang ist. Das Service funktionierte ausschließlich über den Messengerdienst Telegram. Als Mastermind hinter dem Anlageroboter sowie Gründer und Chef von Vtec wird der "erfolgreiche" Fremdwährungshändler Martin Vogt genannt. Der Firmensitz soll in St. Petersburg sein. Auf einer anderen Seite heißt es, der Firmensitz ist in Zypern, weil es dort "einfacher ist, Finanzdienstleistungs- und Tradinglizenzen zu bekommen". Vogt selbst logiere auf den Bahamas. Die Website trägt die Endung .bz – das weist auf einen Sitz in Belize hin. Im November soll eine Niederlassung in Madrid eröffnet werden. Zufall?

Seite ist down

Seit einigen Tagen gibt es nun keine Auszahlungen mehr. "Vtec ist down", heißt es. Aber keine Panik, in den nächsten Tagen soll es noch Auszahlungen geben. Weil aber 10.000 Refunds anstehen, werde das Zeit brauchen. Zuvor noch eine Mitteilung an die geprellten Anleger von einem Mitarbeiter, der noch mit Vogt gesprochen hat: Es seien Umstände außerhalb des Einflussbereichs von Vogt gewesen, die ihn dazu veranlasst haben, VTec abzubrechen. Vogt selbst, so es ihn wirklich gibt, teilte der Community noch mit: Wenn alles so läuft, wie es geplant ist, wird Vtec mit allen nötigen Lizenzen in ein paar Wochen als Website an den Start gehen. Das darf als Warnung verstanden werden. Denn Vtec hieß früher bereits einmal Lucid Markets. (Bettina Pfluger, 26.7.2017)

  • Die Idee vom schnellen Reichtum verlockt immer wieder Leute, ihr Geld dubiosen Quellen zur Veranlagung anzuvertrauen. Angebote im Netz machen die Runde. Behörden warnen, das Geld ist meist weg.
    foto: dpa/patrick seeger

    Die Idee vom schnellen Reichtum verlockt immer wieder Leute, ihr Geld dubiosen Quellen zur Veranlagung anzuvertrauen. Angebote im Netz machen die Runde. Behörden warnen, das Geld ist meist weg.

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