Tierquälereiprozess: Ein Hund und zehn Katzen in einem Zimmer

    26. Juli 2017, 09:00
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    Einem jungen Paar drohen bis zu zwei Jahre Haft, da es seine Tiere vernachlässigt hat. Die Angeklagten waren vom Leben überfordert

    Wien – Tanja Ö. beginnt schon bitterlich zu weinen, bevor der Prozess gegen sie und ihren Lebensgefährten Kevin G. startet. Das junge Paar, sie 25, er 23 Jahre alt, wartet vor dem Saal, als Richterin Petra Poschalko aus diesem kommt und ihnen eröffnet, dass sich die Verhandlung rund um Tierquälerei um eine Stunde verzögern wird. Die Angeklagte ist nervlich völlig am Ende und lässt sich von der bestürzten Poschalko kaum beruhigen.

    Nach Aufruf der Sache zeigt sich, dass nicht nur dieser Gefühlsausbruch das Mitleid bei der Richterin nährt. Die beiden schmächtigen Unbescholtenen haben drei Kinder, die derzeit nicht bei ihnen leben. Das Jugendamt ist eingeschritten. "Seit 18. Februar 2016", erinnert sich Ö. an das Datum, während sie das Bild eines ihrer Söhne hält. "Warum sind sie Ihnen weggenommen worden?", fragt Poschalko die Verkäuferin. "Wegen hygienischen Gründen. Und finanziellen. Und die Förderung hat nicht gepasst."

    Völlig vermüllter Raum

    Eine Katze hatte die Familie zum Zeitpunkt der Kindesabnahme, einen Monat später besorgten sich die beiden einen Hund. Dann kamen zwei weitere Katzen dazu. "Es hat geheißen, sie seien kastriert. Waren sie aber nicht." Die Konsequenz: Am Ende lebten ein Hund und zehn Katzen in einem Raum. Der völlig vermüllt und mit Tierfäkalien verunreinigt gewesen ist, wie die Polizei entdeckte, nachdem Anzeige erstattet wurde.

    "Mir ist einfach alles über den Kopf gewachsen", sagt Ö. nun. Man habe sogar eine Mail an den Tierschutzverein geschrieben. Dort hieß es, es koste 250 Euro, wenn man die Tiere abgibt. Da damals beide arbeitslos gewesen sind, der 24 Jahre alte G. leidet an einer psychischen Erkrankung, war das zu teuer. Genauso wie das Futter für die Tiere – der Hund war bis auf die Rippen abgemagert. "Wir haben manchmal selbst nichts mehr gehabt", verrät die Angeklagte. "Ich habe nicht realisiert, wie schlimm es wirklich ist." Mittlerweile gehe es aber wieder aufwärts, die beiden werden betreut, mittelfristig sollen sie auch ihre Kinder wiederbekommen.

    Ein Staatsanwalt mit guter Idee

    Poschalko will ihnen die Zukunft nicht verbauen. "Ich habe schon im Akt gesehen, dass Sie eigentlich nichts Böses wollten." Sie entscheidet sich für eine Diversion. Der Staatsanwalt hat eine brillante Idee, was die Buße sein soll: Das Paar muss einen Kurs beim Tierschutzverein besuchen. (Michael Möseneder, 26.7.2017)

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