Noch ein letzter Schritt für die ÖFB-Frauen

    26. Juli 2017, 09:00
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    Österreichs Frauenfußball-Team kann heute den Einzug ins Viertelfinale der EM fixieren. Carina Wenninger ist vor dem Spiel gegen Island trotzdem gelassen, Nina Burger ist mäßig nervös

    Das nicht zu hoffen Gewagte ist zum Greifen nah. Ein Schritt fehlt noch bis zum Viertelfinale. Ein Remis gegen Island reicht den Österreicherinnen, vielleicht sogar eine Niederlage, dann nämlich, wenn Frankreich im Parallelspiel gegen die Schweiz punktet. Aber das ist kein Thema.

    "Wir konzentrieren uns auf uns", sagt Nina Burger. Gegen Island wird sie ihr 90. Länderspiel absolvieren. Rekordnationalspielerin ist sie schon längst. Rekordtorschützin auch. Gegen einen 48. Treffer hätte sie natürlich nichts.

    Veränderte Sichtweise

    In den bisherigen beiden Partien hat das ÖFB-Team als Außenseiter überrascht. "Jetzt", sagt Burger, "hat sich die Sichtweise verändert. Gegen Island sind wir vielleicht sogar Favorit." An der Spielvorbereitung, sagt Innenverteidigerin Carina Wenninger, ändere das nichts. Trotz der hohen Erwartungshaltung verspürt sie nun "mehr Gelassenheit" und "eine gewisse Lockerheit".

    Vom Viertelfinale wollten die Teammitglieder lange Zeit nicht reden. "Jetzt", sagt Wenninger, "kann man das natürlich nicht mehr ausblenden." Das Ausscheiden wäre nun eine Enttäuschung.

    Isländische Enttäuschung

    Die Isländerinnen haben nach zwei knappen Niederlagen (0:1 gegen Frankreich, 1:2 gegen die Schweiz) keine Chance mehr auf den Viertelfinaleinzug – eine große Enttäuschung für das fußballbegeisterte Land. Zahlreiche Fans waren in die Niederlande gereist. Das Turnier wollen sie trotzdem würdig abschließen.

    Coach Freyr Alexandersson dürfte jedenfalls die eine oder andere Änderung in der Startformation vornehmen. Star der Isländerinnen ist Sara Björk Gunnarsdottir, die beim deutschen Meister VfL Wolfsburg im Mittelfeld spielt.

    "Die Isländerinnen sind physisch und kämpferisch sehr stark, sie haben beide Spiele unglücklich verloren", sagt Österreichs Teamchef Dominik Thalhammer. "Diese Begegnung wird für uns vielleicht sogar die unangenehmste bisher im Turnier." Das erklärte Ziel? "Die Gruppenphase ungeschlagen zu überstehen. Das wäre hervorragend." Sogar der Gruppensieg ist für Österreichs Frauen möglich. Burger: "Daran denkt man nicht."

    Ab nach Rotterdam

    Am Dienstag stand noch eine sportpsychologische Teambesprechung an, am Nachmittag ging es nach Rotterdam, wo man die Nacht verbrachte. Besonders nervös war Burger am Tag vor dem Match noch nicht. Die 29-Jährige könnte gegen Island wieder zu mehr Torchancen kommen als zuletzt gegen Frankreich. "Unser Spiel ist auf Angriffsfußball ausgelegt."

    Die Partie wird etwas offensiver angelegt. Aber die Flexibilität, was das Spielsystem angeht, will man jedenfalls beibehalten. Burger: "Wir wollen aggressiv spielen." Wenninger: "Wir werden Gas geben."

    In der Abwehr könnte auf die 26-jährige Bayern-Legionärin dann vielleicht weniger Arbeit zukommen. Die Defensive war in den beiden bisherigen Partien extrem gefordert. Körperlich wie mental. "Das ist sehr anstrengend, man muss 90 Minuten hellwach sein. Jeder kleine Fehler kann bestraft werden."

    Fragezeichen Schnaderbeck

    Ob Wenningers etatmäßige Kollegin in der Innenverteidigung heute Abend im Sparta-Stadion Het Kasteel zu Rotterdam spielen kann, ist noch offen. Kapitänin Viktoria Schnaderbeck hatte von einem Foul der Französin Amandine Henry eine Rissquetschwunde am Sprunggelenk davongetragen. Am Dienstag absolvierte sie ein leichtes Einzeltraining.

    Sarah Zadrazil dürfte hingegen wieder fit sein. Die Mittelfeldakteurin hatte beim 1:0 gegen die Schweiz einen Einriss des vorderen Syndesmosebandes im Sprunggelenk erlitten. Am Montag trainierte sie erstmals mit dem Team.

    Heute will das Team feiern. Und den Aufenthalt in den Niederlanden verlängern. Das Viertelfinale steigt am Sonntag. England oder Spanien wären die wahrscheinlichsten Gegner. Wenninger: "Ich hätte ohnehin nichts anderes vor." (Birgit Riezinger, 26.7.2017)

    EM 2017, Gruppe C, Mittwoch

    Island – Österreich
    Sparta-Stadion Rotterdam, 20.45 Uhr, live ORF 1, SR Riem Hussein (GER)

    Island: G. Gunnarsdottir – G. Jonnsdottir, G. Viggosdottir, S. Atladottir, I. Sigurdardottir, H. Gisladottir – K. Asbjörnsdottir, S. Gunnarsdottir, S. Gardarsdottir, F. Fridriksdottir – D. Brynjarsdottir

    Ersatz: S. Sigurdardottir, S. Thrainsdottir – H. Magnusdottir, M. Sigurdardottir, E. Jensen, H. Thorsteinsdottir, A. Albertsdottir, S. Jessen, A. Kristjansdottir, B. Thorvaldsdottir, A. Asgrimsdottir, R. Hönnudottir

    Österreich: Zinsberger – Schiechtl, Kirchberger, Wenninger, Aschauer – Feiersinger, Zadrazil/Eder, Puntigam, Makas – Billa, Burger

    Ersatz: Pfeiler, Größinger – Georgieva, Naschenweng, Maierhofer, Prohaska, Dunst, Klein, Pinther, Enzinger

    Fraglich: Zadrazil (angeschlagen), Schnaderbeck (Rissquetschwunde am Knöchel)

    • Carina Wenninger verspürt vor der Partie gegen Island "eine gewisse Lockerheit". Die Innenverteidigerin steht vor ihrem 68. Länderspiel.
      foto: imago/vi images

      Carina Wenninger verspürt vor der Partie gegen Island "eine gewisse Lockerheit". Die Innenverteidigerin steht vor ihrem 68. Länderspiel.

    • Dominik Thalhammer warnt vor den "starken Isländerinnen". Nina Burgers Nervosität hielt sich in Grenzen.
      foto: apa/punz

      Dominik Thalhammer warnt vor den "starken Isländerinnen". Nina Burgers Nervosität hielt sich in Grenzen.

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