Mögliches Autokartell: Daimler mit besseren Karten als VW

25. Juli 2017, 15:18
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Die Selbstanzeige von Volkswagen könnte eine Strafe mindern. Als Kronzeuge stünde Daimler besser da.

Hamburg – Daimler kommt bei den Kartellvorwürfen womöglich mit einem blauen Auge davon. Der Stuttgarter Autokonzern zeigte mögliche Wettbewerbsverstöße Industriekreisen zufolge als Erste bei den Behörden an. Volkswagen folgte demnach erst später.

Bessere Aussichten für den Ersten

Auf die Frage der Nachrichtenagentur Reuters, wer von den beiden Autobauern sich als Erster angezeigt habe, antwortete eine Person mit Kenntnis der Beratungen am Dienstag: "Die Daimlers." Weder Volkswagen noch Daimler äußerten sich dazu. Das deutsche Bundeskartellamt lehnte einen Kommentar ab.

Die Frage, wer als Erster über die Ziellinie ging, ist wichtig für die Höhe einer möglichen Kartellstrafe. Kronzeugen gehen in der Regel straffrei aus. Die EU-Kommission geht derzeit dem Verdacht illegaler Absprachen von VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW in der Pkw-Entwicklung nach.

Kronzeuge Daimler könnte Strafe entkommen

Ausgangspunkt für die Selbstanzeige von Volkswagen waren dem Insider zufolge Durchsuchungen des Bundeskartellamts wegen eines Stahlkartells vor gut einem Jahr. Daraufhin habe man sich auch andere Dinge angeschaut. Als klar geworden sei, dass bestimmte Verhaltensweisen unter Wettbewerbsgesichtspunkten grenzwertig sein könnten, habe sich VW entschieden, dies gegenüber den Behörden offenzulegen.

Damit müsste sich Volkswagen im Falle einer Kartellstrafe womöglich mit einem geringeren Strafnachlass als Daimler begnügen. Denn nach den EU-Bestimmungen wäre für VW allenfalls ein Abschlag von maximal 50 Prozent möglich, während Daimler als Kronzeuge straffrei davonkommen könnte.

Beweismittel müssen Mehrwert bringen

Voraussetzung dafür, dass VW einen Nachlass bekomme, sei allerdings, dass die Wolfsburger zusätzlich zu den von Daimler vorgelegten Unterlagen weitere "Beweismittel mit erheblichem Mehrwert" eingereicht habe, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Für beide Konzerne wie auch für den Münchner Hersteller BMW, der ebenfalls Teil eines Kartells gewesen sein soll, geht es um sehr viel Geld.

Die EU-Kommission hatte 2016 gegen vier Lkw-Hersteller Geldstrafen in Höhe von knapp 3 Mrd. Euro verhängt. Auf Daimler entfiel damals mit rund einer Milliarde der größte Brocken. Dem Zeitungsbericht zufolge soll Daimler bereits von 2011 an, als das Lkw-Kartell aufgeflogen war, seine Geschäftspolitik nach und nach geändert haben. (APA / Reuters, 25.7.2017)

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