Island: Einmal noch "Huh"

    25. Juli 2017, 10:41
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    In Island ist Frauenfußball ziemlich populär. Bei der EM 2017 wollten die Kickerinnen von der Insel ins Viertelfinale, nun bleibt im letzten Gruppenspiel gegen die ÖFB-Frauen die Hoffnung auf einen würdevollen Abschied

    Rotterdam/Reykjavik – Island war das Überraschungsteam der EURO vergangenen Sommer in Frankreich. Und die Isländer, die es bis ins Viertelfinale schafften, fielen nicht nur mit ihren sportlichen Leistungen auf, auch der rhythmische Applaus mit dem dazugehörigen "Huh"-Rufen erregte Aufmerksamkeit.

    Das Frauen-Team durfte sich nun in den Niederlanden ebenfalls über große Unterstützung aus der Heimat freuen. Die Isländerinnen spielen zum dritten Mal in Folge bei einer Europameisterschaft, das Ziel Viertelfinaleinzug lässt sich nach dem 0:1 gegen Frankreich und dem 1:2 gegen die Schweiz aber nicht mehr realisieren.

    7.500 Fans in Reykjavik

    Seit rund zehn Jahren ist Frauenfußball im 340.000-Einwohner-Land sehr populär. 7.500 Zuschauer und Zuschauerinnen wohnten heuer im Juni dem EM-Test zwischen Island und Brasilien (0:1) in Reykjavik bei – das war Rekord für ein Frauenfußballspiel in Island. Im Schnitt kommen zu den Länderspielen in der Hauptstadt 5.000 bis 6.000 Fans.

    Seit Ende der EM-Qualifikation im September – Island hat in acht Spielen nur zwei Tore kassiert – hat sich viel geändert. Island agiert in den Niederlanden mit einer komplett neuen Taktik. Trainer Freyr Alexandersson hat das Hauptsystem von einem 4-3-3 auf ein 3-4-3 geändert.

    Viele Abwesende

    Eine mutige Entscheidung, die sich aber ausgezahlt hat. Vor allem um mit den vielen Verletzungen, die das Team in den vergangenen Monaten hart getroffen haben, umzugehen. Wenige Tage, bevor der EM-Kader bekanntgegeben wurde, wurde klar, dass Kapitänin Magret Lara Vidarsdottir wegen ihres lädierten Kreuzbandes die EM verpassen würde.

    Auch Vidarsdottirs Schwester Elisa, die sich in der Quali-Phase als Rechtsverteidigerin etabliert hatte und Dora Maria Larusdottir, fehlen verletzungsbedingt. Harpa Thorsteinsdottir, in der Quali mit zehn Toren in sechs Spielen Islands Top-Torschützin, ist im Februar Mutter geworden. In den Niederlanden ist sie zwar dabei, in den beiden bisherigen Spielen wurde sie aber nur als Joker eingesetzt.

    Zahlreiche Legionärinnen

    Die meisten Spielerinnen aus der Startformation sind Legionärinnen. Sara Björk Gunnarsdottir, mit VfL Wolfsburg deutscher Meister und Cupsieger, ist die Spielmacherin und wegen Vidarsdottirs Ausfall auch Kapitänin. Dagny Brynjarsdottir von den Portland Thorns (USA) hat komplizierte Rückenverletzungen überstanden und unterstützt sie im Mittelfeld.

    Hinten spielen fast durchwegs Schweden-Legionärinnen. Im Tor steht Gudbjörg Gunnarsdottir von Djurgarden, vor ihr drei Innenverteidigerinnen: Glodis Perla Viggosdottier von Eskilstuna, Sif Atladottir sowie Ingibjörg Sigurdardottir. Sie spielt in der Heimat, bei Breidablik.

    Islands Ziel war es, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren und es den Männern gleichzutun. Die Euphorie für das Team war groß. Zahlreiche Isländer und Isländerinnen sind in die Niederlande gereist. Das rhythmische Klatschen samt "Huh" wurde auch bei dieser EM schon vernommen. Nun bleibt nur mehr das Ziel, wenigstens mit einem Sieg nach Hause zu reisen. (Andri Yrkill Valsson / Morgunbladid, red, 25.7.2017)

    • Sara Björk Gunnarsdottir (li) im Zweikampf mit der Schweizerin Cinzia Zehnder.
      foto: apa/afp/daniel mihailescu

      Sara Björk Gunnarsdottir (li) im Zweikampf mit der Schweizerin Cinzia Zehnder.

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