Israelisch-jordanische Krise: Frieden vs. Volkszorn

Kommentar24. Juli 2017, 17:19
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Israel und Jordanien werden die Beziehungen auch in der jetzigen Krise nicht einfach hinwerfen. Zu groß sind die gemeinsamen Herausforderungen

Die Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien jährt sich im Herbst zum 23. Mal: Den Weg dafür freigemacht hatte 1993 das erste Oslo-Abkommen, das die Normalisierung zwischen Israel und den Palästinensern einleiten sollte. Die jordanische Führung hat es nie geschafft – vielleicht auch nie wirklich versucht -, ihre Bevölkerung vom Frieden mit Israel zu überzeugen. Aber das war nach dem Zusammenbruch aller Hoffnungen auf einen Palästinenserstaat in den Jahren darauf auch schwer möglich. In Jordanien ist eine Bevölkerungsmehrheit palästinensischen Ursprungs – und die israelfeindlichen Islamisten sind stark.

Trotz aller Schwierigkeiten blieb das israelisch-jordanische Arbeitsverhältnis auf Regierungsebene immer weitgehend intakt. Sowohl Israel als auch Jordanien werden die Beziehungen auch in der jetzigen Krise nicht einfach hinwerfen, zu groß sind die gemeinsamen Herausforderungen, etwa auch Syrien betreffend. Aber wie eine relativ einfach strukturierte Gewalttat zu einer ernsten diplomatischen Krise eskalieren kann, wird soeben vorgeführt.

Man kann nicht umhin, an die Erstürmung der israelischen Botschaft im September 2011 in Kairo zu denken: Und damals regierte noch nicht die Muslimbrüderschaft in Ägypten, sondern die Militärjunta, die, wie die jordanische Führung, eng mit Israel zusammenarbeitete. Aber den "Volkszorn" konnte oder wollte sie nicht kontrollieren.(Gudrun Harrer, 24.7.2017)

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