HIV-Therapie: Injektion statt Tabletten

24. Juli 2017, 15:25
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US-Wissenschafter stellen im Rahmen der Pariser Aidskonferenz neue Therapieform zur Langzeitbehandlung von HIV vor – Studie in Lancet publiziert

In der Behandlung der HIV-Infektion mit Unterdrückung der Virus-Vermehrung ist de facto absolute Therapietreue der Behandelten notwendig. Einmal täglich zu schluckende Kombi-Medikamente haben deutliche Vorteile gebracht. Doch noch besser könnten Depot-Injektionen sein, die vier oder acht Wochen lang wirken. Laut einer aktuellen Untersuchung sind sie gleich effektvoll wie die Kapseln zum Schlucken.

"Geschätzte 36,7 Millionen Menschen lebten Ende 2015 weltweit als HIV-Infizierte. Die Fortschritte in der hoch aktiven antiretroviralen Therapie haben die Wirksamkeit der Behandlung für Patienten mit HIV erhöht, deren Überlebensraten und deren Lebensqualität gesteigert. Trotzdem bleibt die Adhärenz (Therapietreue; Anm.) eine große Herausforderung. Eine schlechte Therapietreue kann zum Versagen der Behandlung und zum Entstehen von resistenten Virus-Mutanten führen", schrieben jetzt der US-Wissenschafter David Margolis und seine Co-Autoren im "Lancet". Die Studie wurde auch bei der derzeit in Paris stattfindenden Aids-Konferenz präsentiert.

Unter der Nachweisgrenze

Lang wirksame injizierbare antiretrovirale Medikamente könnten für manche Patienten eine gut annehmbare Alternative zur täglichen Einnahme oraler Arzneimittel sein, stellten die Experten fest. In der Anti-HIV-Therapie sollte am besten eine so starke Unterdrückung der Vermehrung der Aids-Erreger erfolgen, dass im Blut der Behandelten nur noch weniger als 50 Viruskopien pro Milliliter Blut vorhanden sind, was einem Unterdrücken unter die Nachweisgrenze entspricht.

Die Wissenschafter erprobten den Einsatz intramuskulär verabreichbarer Aids-Medikamente bei 286 Patienten. Zunächst erhielten alle eine Behandlung mit täglich 30 Milligramm des HIV-Integrase-Hemmers Cabotegravir plus eine Kombination der Reverse Transkriptase-Blocker Abacavir und Lamivudine (600 bzw. 300 Milligramm) in Kapselform. Nach 20 Wochen und erreichter Virusunterdrückung schluckten 20 Prozent der Probanden diese Medikamente bis zu 96 Wochen lang weiter, während jeweils 40 Prozent Langzeit-Medikamente zum Injizieren bekamen. Dabei bestand die Kombination aus dem Integrase-Hemmer Cabotegravir und dem Reverse Transkriptase-Hemmstoff Rilpivirine. Die Injektionen erfolgten bei einer Probandengruppe alle vier Wochen, bei der zweiten nur alle acht Wochen (bei einer höheren verwendeten Dosis der Wirkstoffe).

Gute Ergebnisse

Reverse Transkriptase-Hemmer blockieren den Umbau der Virus-Erbsubstanz (RNA) in eine DNA, die dann in den Kern der befallenen Zellen eingebaut wird. Integrase-Hemmer verhindern den Einbau der zuvor von RNA in DNA umgewandelten HIV-Erbsubstanz in infizierte Zellen. In beiden Fällen werden dabei Enzyme (Reverse Transkriptase bzw. Integrase) blockiert.

Nach 32 Wochen wurde bei 91 Prozent der Probanden mit der oralen Therapieform eine anhaltende Virusunterdrückung festgestellt (nach 96 Wochen bei 84 Prozent). In den beiden Gruppen, welche die Arzneimittel gespritzt bekamen, lagen diese Raten bei 94 Prozent (Injektion alle vier Wochen) bzw. bei 95 Prozent (Injektion alle acht Wochen). Nach 96 Wochen wiesen in den beiden Gruppen mit den Injektionen 87 Prozent (Behandlung alle vier Wochen) bzw. 94 Prozent (Behandlung alle acht Wochen) weniger als 50 HIV-Viruskopien pro Milliliter Blut auf. Damit war die neue Therapieform gleich wirksam wie die alte.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren natürlich Schmerzen bei der Injektion bzw. Probleme rund um diese Form der Arzneimittelverabreichung. Es gab auch schwerere gemeldete Nebenwirkungen in allen Probandengruppen, die jedoch nicht auf die antiretrovirale Therapie zurückzuführen waren. (APA, 24.7.2017)

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