Bundesbank: EZB-Politik hat Staaten eine Billion Euro Zinsen erspart

24. Juli 2017, 13:51
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Wären die Zinsen für Staatspapiere noch so hoch wie 2007, hätten die Staaten viel mehr für ihre Schulden auf den Tisch gelegt, berechnet die Deutsche Bundesbank

Frankfurt – Die ultralockere Geldpolitik der EZB hat den Euroländern laut der Deutschen Bundesbank in den vergangenen neun Jahren Zinsausgaben von fast einer Billion Euro erspart. Läge die Verzinsung der Staatsschulden noch auf dem Vorkrisenniveau 2007, wären die Zinsausgaben der Euroländer allein 2016 um fast zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) höher ausgefallen, teilte die Bundesbank am Montag mit. Auch Deutschland profitierte laut Bundesbank mit Einsparungen von insgesamt 240 Milliarden Euro ab 2008 erheblich. Das seien immerhin 7,5 Prozent des letztjährigen BIP. Allein 2016 liege die Entlastung bei 47 Milliarden Euro.

"Die aktuellen sehr günstigen Zinskonditionen lassen zunächst noch fortgesetzte Entlastungen der Staatsfinanzen erwarten", schätzen die Bundesbank-Experten. Sie raten den Regierungen aber, Vorsorge für wieder steigende Zinsen zu treffen. Finanzpolitik dürfe nicht auf der Annahme dauerhaft extrem günstiger Finanzierungsbedingungen für Staatsschulden aufgebaut werden.

Italien profitierte laut Bundesbank-Berechnungen am stärksten von dem Niedrigzinsumfeld. In den vergangenen neun Jahren habe das Land Zinsausgaben von zusammen etwa 10,5 Prozent des letztjährigen BIP eingespart. Ähnlich hoch fielen die Entlastungen für die Niederlande, Österreich, Frankreich und Belgien aus. Deutschland liege mit 7,5 Prozent im Mittelfeld.

Die EZB hält ihren Leitzins zur Versorgung der Banken mit Geld schon länger sehr niedrig. Aktuell liegt er auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem erwerben die Währungshüter in großem Stil Staatsanleihen und andere Titel. Diese Politik der weit offenen Geldschleusen drückt die Renditen europäischer Staatsanleihen. Deutsche Bundesanleihen mit Laufzeiten bis zu sechs Jahren weisen aktuell sogar eine negative Rendite aus. (Reuters, 24.7.2017)

  • Von den Niedrigzinsen profitieren viele Schuldner. Nicht nur private, sondern auch hochverschuldete Staaten.
    foto: getty

    Von den Niedrigzinsen profitieren viele Schuldner. Nicht nur private, sondern auch hochverschuldete Staaten.

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