Autohersteller unter Kartellverdacht: Poker um Glaubwürdigkeit

Kommentar23. Juli 2017, 18:25
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Sind manipulierte Systeme nur ein Phänomen deutscher Hersteller? Nein

Ins Rollen gekommen ist alles mit VW und der Manipulation der Abgaswerte. Dann riefen Daimler, Audi, Porsche, Mercedes und Opel hunderttausende Autos in die Werkstatt – wegen erforderlicher Änderungen der Abschaltvorrichtungen für die Abgasreinigung. Nun steht die gesamte deutsche Autobranche unter Kartellverdacht. Seit Jahrzehnten sollen sich die Keyplayer bei wichtigen Themen abgesprochen haben – auch diesbezüglich, Abgaswerte hübsch aussehen zu lassen. Das kratzt am ohnehin angeschrammten Image der deutschen Erzeuger.

Sind manipulierte Systeme nur ein Phänomen deutscher Hersteller? Nein. Fiat-Chrysler, General Motors, Nissan, Mitsubishi, Suzuki, Toyota, Renault: Rund um den Globus stehen Autohersteller ebenfalls unter Verdacht. Es muss wohl einen Wurm im System geben – anders ist es nicht erklärbar, dass Verbraucher weltweit systematisch hinters Licht geführt werden. Teil der Aufklärung muss es sein, diesen Wurm zu finden. Dazu gehört, Systeme und Seilschaften schonungslos zu hinterfragen. Den Kunden lediglich neue Software einzubauen reicht jedenfalls nicht.

Auch wenn sich die Antriebssysteme ändern, sich E-Mobilität durchsetzt, der Dieselmotor vielleicht ganz verschwindet. Letztlich kauft man das nächste Auto vom Hersteller seines Vertrauens. Ohne umfassende Aufklärung der zutage gebrachten Skandale wird genau dieses Vertrauen nicht wiederherzustellen sein. (Bettina Pfluger, 23.7.2017)

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