Hitze und Trockenheit: Rom geht das Wasser aus

23. Juli 2017, 12:29
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Regierung will Notstand ausrufen lassen – Wasserleitungsnetz dringend sanierungsbedürftig

Rom – Die anhaltende Trockenheit und Hitze in Italien hat nicht nur zu einer Rekordzahl an Wald- und Buschbränden geführt, sondern auch zu Wasserknappheit. Rom droht ab dem 28. Juli acht Stunden lang pro Tag die Rationierung von Wasser. Die Regierung zieht die Ausrufung des Notstands in Erwägung und die EU um Zugang zu den EU-Geldern zur Bekämpfung der Auswirkungen klimatischer Veränderungen zu bitten.

"Wir stehen vor einer vollkommen neuen Situation. Wir arbeiten an Maßnahmen zur Modernisierung des Wassernetzes, um Wasserverschwendung zu vermeiden. Italien wird sich immer mehr mit klimatischen Änderungen auseinandersetzen müssen", sagte Landwirtschaftsminister Maurizio Martina.

"Es ist eine Tragödie"

Besonders schwierig ist die Lage in Rom. Die Behörden untersagten dem Versorgungsunternehmen Acea, ab nächsten Freitag Wasser aus dem nahe gelegenen Bracciano-See zu pumpen. "Es ist eine Tragödie. Der Wasserstand des Sees ist so weit gesunken, dass eine Umweltkatastrophe droht", sagte der Präsident der Region Latium, Nicola Zingaretti. "Das Wasser in Rom geht aus. (...) Ich würde gerne Donald Trump einladen, damit er versteht, was es bedeutet, Klima-Abkommen nicht einzuhalten", sagte Zingaretti.

Experten forderten, in Rom alle Brunnen stillzulegen. Zugleich seien Maßnahmen zur Modernisierung des Wassernetzes notwendig. Die 425.000 Kilometer Wasserleitungen in Italien sind stark veraltet. Für die Modernisierung wären fünf Milliarden Euro notwendig, schätzen Experten. Während die EU-Länder durchschnittlich 80 Euro pro Einwohner in das Wassernetz investieren, sind es in Italien lediglich 32 Euro.

Experten der Regierung sind am Werk, um Maßnahmen zum Wassereinsparen in der Landwirtschaft einzuführen. Der Agrarbereich ist der Sektor, der das meiste Wasser verbraucht.

Vergeudetes Wasser

In Italien gehen nach Schätzungen 39 Prozent des Wassers auf dem Weg in die Haushalte verloren. In Rom sind es sogar 44 Prozent. Die Regierung denkt an eine Kampagne zur Sensibilisierung der Bevölkerung für das Problem. In TV-Spots sollen die Italiener aufgefordert werden, Wasser und Strom zu sparen.

Viel Wasser wird auch für die Löschung der zahlreichen Brände verwendet, die in diesem Jahr bereits 60.000 Hektar Wald zerstört haben. Wegen schwerer Brände nördlich von Rom musste am Samstag mehrere Stunden lang die Autobahn A1 gesperrt werden. Dies verursachte erhebliche Probleme im Reiseverkehr. (APA, 23.7.2017)

  • Wasser, das aus einem Brunnen in Rom fließt. Noch.
    foto: reuters/alessandro bianchi

    Wasser, das aus einem Brunnen in Rom fließt. Noch.

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