Lastwagentragödie in Texas: Zahl der Opfer auf neun gestiegen

24. Juli 2017, 06:09
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Opfer vermutlich Migranten aus dem Süden – Dutzende Menschen ohne Wasser und Kühlung im Laderaum

San Antonio – Die Zahl der Opfer der mutmaßlichen Flüchtlingstragödie im US-Bundesstaat Texas ist um eines auf neun gestiegen. Ein Mensch sei später im Krankenhaus gestorben, berichtete CNN am Sonntagabend unter Berufung auf die US-Einwanderungs- und Zollbehörde. Polizei und Feuerwehr hatten zuvor im Laderaum eines Lastwagens in brütender Hitze acht Tote und 30 weitere Menschen gefunden.

Die 30 Überlebenden waren dehydriert oder hatten einen Hitzschlag erlitten hatten. Der Wagen war auf einem Supermarkt-Parkplatz abgestellt worden. Ein Supermarkt-Mitarbeiter hatte die Polizei über den Lastwagen informiert. Polizeichef William McManus sagte, bei den Toten handle es sich um vermutlich illegale Migranten. Der Fahrer wurde festgenommen. Ihn und mögliche Hintermänner erwarten Anklagen. Über die Herkunft der Opfer machte McManus keine Angaben.

McManus zufolge waren 38 Menschen in dem Lastwagen, der Fahrer sei festgenommen worden. Den Fahrer und mögliche Hintermänner erwarteten Anklagen, sagte er. Über die Herkunft der Opfer machte er keine Angaben. Wie die Feuerwehr mitteilte, wurden 17 Personen in lebensbedrohlichem Zustand in Krankenhäuser gebracht. Bei 13 weiteren sei der Zustand ernst. San Antonios Feuerwehrchef Charles Hood hatte in der Nacht zunächst von 20 Menschen in "ernstem oder sehr ernstem Zustand" gesprochen.

Keine Klimaanlage, kein Wasser

Viele litten unter starker Dehydrierung und Überhitzung. "Unsere Rettungskräfte und Feuerwehrleute haben festgestellt, dass jeder von ihnen eine Herzfrequenz von mehr als 130 Schlägen in der Minute hatte", sagte Hood. "Wir können von Glück reden, dass wir nicht 38 Tote eingeschlossen in dem Lastwagen gefunden haben." Die Klimaanlage in dem Lastwagen habe nicht funktioniert, und es habe kein Wasser gegeben, so der Feuerwehrchef. Die Höchsttemperaturen im Süden von Texas lagen in den vergangenen Tagen bei 40 Grad Celsius.

Der Lastwagen wurde auf dem Parkplatz eines Supermarktes entdeckt. McManus sagte, ein Supermarkt-Mitarbeiter habe die Polizei gerufen, nachdem ihn eine Person aus diesem Lastwagen um Wasser gebeten hatte. Videoaufnahmen von Sicherheitskameras zeigten, dass zuvor Menschen aus dem Lastwagen von Autos abgeholt worden seien. Die Heimatschutz-Behörde ermittle ebenfalls, sagte der Polizeichef. Der Einwanderungs-Status der Menschen aus dem Laster werden überprüft. Wo der Lastwagen herkam und wie lange er sich schon in San Antonio befand, war noch nicht bekannt.

Kein Einzelfall

Polizei und Feuerwehr durchkämmten auch die Umgebung des Parkplatzes, um nach Lastwagen-Insassen zu suchen, die möglicherweise vor den Behörden geflüchtet waren. Bei Tageslicht soll eine weitere Suchaktion folgen. Die geschmuggelten Menschen im Lastwagen seien kein Einzelfall, sagte McManus. "Glücklicherweise haben wir diesen entdeckt, und glücklicherweise haben Menschen das überlebt, aber es passiert die ganze Zeit."

San Antonio ist nur etwa 240 Kilometer auf dem Highway von der Grenze mit Mexiko entfernt. Jedes Jahr versuchen Tausende, illegal die Grenze zu überqueren. Geschätzt leben 11,1 Millionen illegale Migranten in den USA, davon mehr als 1,5 Millionen allein in Texas. Sie kommen vor allem aus Mexiko und Zentralamerika. Aufgrund der schärferen Kontrollen an der mehr als 3.000 Kilometer langen Grenze, versuchen viele auf andere Art ins Land zu gelangen oder dort zu bleiben, sagen Einwanderungsexperten. Etwa, indem sie nach Ablauf ihres Visums nicht mehr ausreisen.

Weniger Flüchtlinge

Die Zahl der Neuankömmlinge ist in den ersten Monaten nach der Wahl von Präsident Donald Trump gesunken. Im Juni 2017 griffen die Behörden an der Grenze zu Mexiko 16.000 Menschen auf, 53 Prozent weniger als im gleichen Monat im Vorjahr. Trump hatte im Wahlkampf den Bau einer Grenzmauer versprochen.

Im August 2015 waren auf der Ostautobahn (A4) bei Parndorf im Burgenland in einem in einer Pannenbucht abgestellten Kühl-Lkw 71 Leichen gefunden worden. Die geschleppten Flüchtlinge waren in dem luftdicht abgeschlossenen Laderaum am Vortag auf ungarischem Staatsgebiet erstickt. Unter den Toten waren vier Kinder. Mehrere Beschuldigte stehen seit 21. Juni in Ungarn vor Gericht. (APA, 23.7.2017)

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    grafik: apa
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