Zwei Wiener Polizisten nach Ohrfeigen suspendiert

23. Juli 2017, 16:31
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Ein Beamter soll einen Obdachlosen geschlagen, sein Kollege weggesehen haben. Ein Überwachungsvideo belastet sie

Wien – Die Beweislage zum Einsatz am 2. Juli in einer Obdachloseneinrichtung in Wien-Penzing scheint zumindest polizeiintern recht eindeutig zu sein: Für zwei Beamte endete er mit ihrer Suspendierung vom Dienst. Wie die Landespolizeidirektion Wien am Sonntag per Aussendung bekanntgab, wurde ein Polizeischüler, der bei der Aktion dabei gewesen ist, wieder von der Straße abgezogen und vorerst wieder auf die Schulbank verbannt.

Was war geschehen? Im "Haus R3", einer vom Samariterbund Wien geführten Stelle, das Übergangswohnungen und Notquartiere für Wohnungslose zur Verfügung stellt, war gegen Mittag ein ungebetener Gast erschienen. "Es war ein ehemaliger Bewohner, der sich weigerte zu gehen, daher hat unser Mitarbeiter die Polizei verständigt", berichtet Martina Vitek-Neumayer, Sprecherin der Sozialorganisation.

Einsatz am Nachmittag

Die Exekutive erschien zwischen 13 und 14 Uhr, um den 55-Jährigen dazu zu bringen zu gehen. Der wollte nicht, wie laut Polizei auf den Bildern der Überwachungskamera zu sehen ist. Zunächst versuchten die Beamten noch, ihn hochzuziehen. Als auch das nicht fruchtete, habe einer der Polizisten dem Unterstandslosen zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, berichtet Polizeisprecher Patrick Maierhofer.

Der zweite Beamte schlug zwar nicht zu, sah aber nach Polizeiangaben ostentativ weg. Der Polizeischüler stand demnach etwas weiter entfernt. Da die Aufnahmen ohne Ton sind, scheint nicht ganz klar, was er mitbekommen hat. Keiner der Beamten hat die Ohrfeigen in einem Bericht erwähnt.

Aufgeflogen ist die Sache, nachdem ein Mitarbeiter des Heims der Polizei einen Brief geschrieben und einen USB-Stick mit dem Video übermittelt hat. "Wir haben den am 14. Juli erhalten, noch am selben Tag ist der Polizist, der bei den Ohrfeigen zu sehen ist, vom Dienst freigestellt worden", berichtet Maierhofer. Drei Tage später sei auch der zweite Beamte suspendiert und der Polizeischüler zurück ins Bildungszentrum geschickt worden.

Beamter noch nicht befragt

Die internen Ermittler vom Referat für besondere Ermittlungen haben den 55-jährigen Geohrfeigten mittlerweile vernommen, seinen beamteten Kontrahenten laut Maierhofer noch nicht. Dennoch wurde bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Körperverletzung unter Ausnützung einer Amtsstellung sowie wegen Missbrauchs der Amtsgewalt eingebracht. Wie schwer die Verletzungen des Wohnungslosen sind, war vorerst nicht bekannt.

Unklar ist auch noch der genaue Zeitablauf der Meldung. Samariterbund-Sprecherin Vitek-Neumayer hält eine frühere Meldung für nicht ausgeschlossen, die Beteiligten seien am Sonntag aber nicht erreichbar, daher könne sie keine näheren Auskünfte geben, bedauert sie. Polizeisprecher Maierhofer hält fest, dass die Exekutive das Vorgehen der Beamten "aufs Schärfste" verurteile. (Michael Möseneder, 23.7.2017)

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