Österreich bleibt sensationell – 1:1 gegen Frankreich

22. Juli 2017, 22:37
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Österreich knöpft starken Französinnen im zweiten EM-Gruppenspiel ein 1:1 ab – der Viertelfinaleinzug ist zum Greifen nah.

Utrecht – Nach dem 1:0 gegen die Schweiz feiern Österreichs Teamfußballerinnen bei der Europameisterschaft in den Niederlanden die nächste Überraschung. Gegen den Titelanwärter Frankreich gelingt am Samstag in Utrecht ein 1:1. Lisa Makas hatte die ÖFB-Frauen in der ersten Hälfte in Führung gebracht. Den Französinnen gelang in Hälfte zwei durch Henry der Ausgleich.

Österreich spielte ohne Sarah Zadrazil, die sich am Dienstag beim 1:0 gegen die Schweiz einen Einriss des vorderen Syndesmosebandes im Sprunggelenk zugezogen hatte. Dafür rückte Kapitänin Viktoria Schnaderbeck wieder in die Startformation. Statt für die Innenverteidigung nominierte Teamchef Dominik Thalhammer die 26-Jährige diesmal für das defensive Mittelfeld, wo sie gemeinsam mit Sarah Puntigam eine Doppel-Sechs gab. In der Innenverteidigung begannen, wie schon gegen die Schweiz, Carina Wenninger und Virginia Kirchberger.

ÖFB-Frauen stehen stabil

Vor 4378 Zuschauern und Zuschauerinnen im Stadion Galgenwaard in Utrecht machen zunächst die Französinnen das Spiel. Die Österreicherinnen sind aber, wie schon im Spiel gegen die Schweiz, in der Abwehr äußerst diszipliniert. 3. Minute: Zinsberger fängt einen Kopfball von Marie-Laure Delie. Die 29-Jährige hat bereits 65 Treffer für ihr Nationalteam erzielt. Eugenie Le Sommer, ein weiterer Star in der Auswahl von Trainer Olivier Echouafni, schießt wenig später (7.) deutlich drüber.

foto: apa/afp/tobias schwarz

Die Österreicherinnen versuchen sich zunächst in Kontern. 15. Minute: Ein Schuss von Nicole Billa wird abgeblockt. Dann wird es erstmals richtig brenzlig im Strafraum der ÖFB-Frauen. Delie kommt frei zum Schuss, Torfrau Manuela Zinsberger pariert per Fuß. Es folgt die bis dahin beste Möglichkeit der Österreicherinnen. Billa fängt einen Abstoß der französischen Torhüterin Sarah Bouhaddi ab, kommt zu einer super Schussmöglichkeit im Strafraum, gibt aber auf Feiersinger ab – diese vergibt (23.).

Makas trifft zur Führung

Die Österreicherinnen trauen sich nun offensiv mehr zu. Und gehen in Minute 27 tatsächlich in Führung: Lisa Makas zieht von der Strafraumgrenze ab, keine Chance für Bouhaddi. 1:0. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die Französinnen sind beeindruckt, Österreich bleibt fokussiert. Zinsberger fängt Weitschüsse von Amandine Henry (31.) und Elise Bussaglia (35.). Mit der 1:0-Führung gegen die klaren Favoritinnen gehen die ÖFB-Frauen in die Pause. Es ist ein Mirakel.

apa/afp/tobias schwarz

Wiederanpfiff. Die Französinnen kehren engagiert zurück. Ein Fernschuss von Bussaglia senkt sich gefährlich – aber über’s Tor (47.). Dann aber fällt der Ausgleichstreffer. Zinsberger fliegt nach einem Corner am Ball vorbei, Henry bedankt sich, köpfelt vom Fünfer zum 1:1 (51.). Frankreich ist eben nicht irgendwer, Nummer drei in der Fifa-Weltrangliste.

Zinsberger hält den Punkt fest

Les Bleues drängen weiter, bei den Österreicherinnen schleicht sich der eine oder andere Fehler ein. Man trifft sich nun immer öfter in Zinsbergers Strafraum. 66. Minute: Zinsberger lenkt einen Henry-Schuss an die Latte. Glück gehabt. Es ist eine energische Druckphase der Französinnen. Es dauert eine Weile, bis die Österreicherinnen wieder gefährlich werden. Nadine Prohaska, die für Torschützin Makas ins Spiel gekommen ist, prüft Bouhaddi (77.).

Auf der Gegenseite zieht Le Sommer vorbei (80.). Die eingewechselte Kadidiatou Diani zielt aus kurzer Distanz knapp daneben. Delie köpfelt im Strafraum ebenfalls knapp vorbei (89.). Diani schießt in der Nachspielzeit noch einmal daneben (94.). Und dann kommt er endlich, der lang ersehnte Schlusspfiff. Die Österreicherinnen laufen jubelnd aufeinander zu.

apa/afp/tobias schwarz

Das Remis ist wie ein Sieg. Und es bringt die ÖFB-Frauen schon ziemlich knapp ans Viertelfinale ran. Im letzten Gruppenspiel am Mittwoch in Rotterdam reicht gegen Island jedenfalls ein Remis. Besiegen die Französinnen die Schweiz (am Samstag 2:1 gegen Island), gelänge der Aufstieg auch mit einer Niederlage. Es ist ein Mirakel. (Birgit Riezinger, 22.7.2017)

Frankreich – Österreich 1:1 (0:1).
Utrecht, Stadion Galgenwaard, 5.000 Zuschauer, SR Jana Adamkova (CZE).

Tore:
0:1 (27.) Makas
1:1 (51.) Henry

Frankreich: Bouhaddi – Houara-d'Hommeaux (63. Karchaoui), M'Bock Bathy, Renard, Perisset – Geyoro, Henry, Bussaglia (78. Abily) – Delie, Thiney (70. Diani), Le Sommer

Österreich: Zinsberger – Schiechtl, Wenninger, Kirchberger, Aschauer – Schnaderbeck, Puntigam – Feiersinger, Billa (85. Eder), Makas (69. Prohaska) – Burger (75. Pinther)

Gelbe Karten: Houara-d'Hommeaux bzw. Feiersinger

Stimmen:

Dominik Thalhammer (ÖFB-Teamchef): "Es war heute von der Mentalität her eine unglaubliche Leistung vor allem in der ersten Hälfte. Wir konnten Nadelstiche setzen und hatten auch noch eine gute Chance. In der zweiten Hälfte war es dann ein Kampf auf Biegen und Brechen. Der Druck wurde natürlich immer größer, wir hätten da mehr Bälle halten müssen. Es war eine kollektiv starke Leistung meiner Mannschaft, ich bin sehr stolz, wie sie sich heute präsentiert haben. Wir müssen das erst verdauen. Wir wären froh gewesen, wenn wir in diesem Turnier einen Punkt gemacht hätten. Jetzt haben wir vier."

Manuela Zinsberger (ÖFB-Torfrau): "Wir haben 90 Minuten geackert, gekämpft, gefightet. Wir haben alles gegeben." Vier Punkte, zwei Spiele: "Überragend, ich kann es noch gar nicht glauben. Die Freude ist riesig groß."
Zum Gegentor: "Das war mein Ball. Wenn ich rausgehe, muss ich den Ball haben."

Tabellen und Ergebnisse

  • Österreichs Frauen-Nationalteam kämpfte gegen Frankreich heroisch und belohnte sich mit einem 1:1.
    foto: apa/afp/tobias schwarz

    Österreichs Frauen-Nationalteam kämpfte gegen Frankreich heroisch und belohnte sich mit einem 1:1.

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