Zehn Rapidler vergeigen 2:0-Führung gegen Mattersburg

22. Juli 2017, 17:58
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Nach dem Ausschluss von Joelinton gelangen den Hütteldorfern zwar zwei Treffer, doch Prevljak und Maierhofer retteten den Burgenländern einen Punkt

Wien – Rapid ist am Samstag mit einem 2:2 (1:0) gegen Mattersburg in die "Saison der Wiedergutmachung" gestartet. Zwar schoss Grün-Weiß nach Joelintons Ausschluss (23.) durch Stephan Auer (25.) und Maximilan Wöber (57.) ein 2:0 heraus, konnte dem Druck der Burgenländer in Unterzahl aber nicht ganz standhalten: Smail Prevljak (74.) und Stefan Maierhofer (79.) sicherten den Gästen noch einen Punkt.

Erstmals seit fünf Partien gewannen die Hütteldorfer damit nicht ihr Saison-Auftaktspiel vor eigenem Publikum.

Im Vergleich zum Cup nahm Rapid-Coach Goran Djuricin drei Änderungen vor. Mario Sonnleitner wurde in der Innenverteidigung statt Maximilian Hofmann aufgeboten, im offensiven Mittelfeld kam Debütant Eren Keles anstelle von Louis Schaub zum Einsatz. Und Rekord-Rapidler Steffen Hofmann spielte im Zentrum für Tamas Szanto, der an Leistenproblemen laboriert.

Bei hohen Temperaturen und vor 17.800 Zuschauern agierten die Gäste in den ersten 20 Minuten recht ambitioniert, attackierten mit mehreren Spielern früh und machten es Rapid schwer. Chancen waren auf beiden Seiten aber Mangelware, Keles gab einen eher harmlosen Schuss ab (7.), auf der anderen Seite ging ein Jano-Freistoß in die Arme von Richard Strebinger (4.). In der 21. Minute prüfte Thomas Murg mit einem satten Schuss Mattersburg-Goalie Markus Kuster.

Rot für gefoulten Nachtreter Joelinton

Die entscheidende Szene spielte sich bald danach ab. Michael Novak foulte Joelinton an der Strafraumgrenze gelbwürdig, doch die Karte sah der unbeherrschte Brasilianer – und das in Rot. Für ein leichtes Nachtreten mit beiden Füßen stellte ihn Schiri Markus Hameter ohne zu zögern vom Platz. Den Freistoß bekam dennoch Rapid zugesprochen, Auer schoss erst in die Mauer, verwertete aber unter Mithilfe von Kuster den Nachschuss. Der ÖFB-Teamkaderspieler ließ den Aufsitzer über die Finger gleiten.

Die etwas kuriose Entwicklung, die das Match innerhalb weniger Minuten genommen hatte, spielte Rapid in die Karten. Grün-Weiß zeigte sich spielerisch etwas besser, Keles gab einen weiteren Schuss knapp über die Latte ab (32.). Mattersburg hingegen tauchte bis zur Pause ab und konnte die Überzahl mangels Ideen auch nach Wiederbeginn vorerst nicht nutzen – obwohl mit Neuzugang Smajl Prevljak und in der 51. Minute mit Markus Pink weitere Stürmer kamen.

Als Wöber nach Maßflanke von Thomas Schrammel zum 2:0 einköpfelte, schien Rapid auf dem Weg zum Sieg. Doch Mattersburg steckte nicht auf. Noch zischte zwar Stefan Maierhofers strammer Kopfball knapp über die Latte (65.), in der 74. Minute war es dann aber soweit: Cesar Ortiz hebelte die Abwehr mit einem schönen Lochpass auf Prevljak aus, der Bosnier schlenzte den Ball vorbei an Strebinger ins lange Eck.

Es kam für die Hausherren noch dicker: Just in der Rapid-Viertelstunde schlug Ex-Rapidler Maierhofer nach einem Eckball aus kurzer Distanz zu und sicherte der Truppe von Trainer Gerald Baumgartner einen verdienten Punkt. Im Finish hatten Pink (87.) und der eingewechselte Schaub (88.) jeweils noch Möglichkeiten auf den Sieg. (APA, 22.7.2017)

Bundesliga, 1. Runde, Samstag

SK Rapid Wien – SV Mattersburg 2:2 (1:0)
Allianz-Stadion, 17.800 Zuschauer, SR Hameter

Torfolge:
1:0 (25.) Auer
2:0 (57.) Wöber
2:1 (74.) Prevljak
2:2 (79.) Maierhofer

Rapid: Strebinger – Pavelic, Sonnleitner, Wöber, Schrammel – Auer, Schwab – Murg (66. Schaub), S. Hofmann (75. Sobczyk), Keles (82. Bolingoli) – Joelinton

SV Mattersburg: Kuster – Hart, Ortiz (75. Bürger), Rath, Novak (51. Pink) – Erhardt, Jano – Höller, Ertlthaler (46. Prevljak), Gruber – Maierhofer

Rote Karte: Joelinton (23./Tätlichkeit)

Gelbe Karten: Sonnleitner bzw. Rath, Höller

Stimmen:

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Ein 2:0 darfst du dir nicht mehr wegnehmen lassen. Wir waren zu tief zweite Halbzeit, wir haben nur mehr verteidigt. Wenn man so tief steht, passiert halt dann oft was. Es hat natürlich wehgetan, dass der Joe (Joelinton, Anm.) uns geschwächt hat mit der roten Karte, somit haben wir keine Tiefe mehr gehabt. Sonst waren wir zu zehnt eigentlich fußballerisch besser als zu elft."

Zur roten Karte: "Er hat die Absicht gehabt hinzutreten, hingetreten hat er nicht unbedingt ordentlich. Ich hoffe, dass er wirklich nur eine Partie kriegt. Es war unnötig. Er wird eine dementsprechende Strafe bekommen. Aber ich muss hinzufügen, dass Novak Rot bekommen muss oder, wenn es geht, Dunkelrot. Da hat der Schiri nicht aufgepasst."

Gerald Baumgartner (Mattersburg-Trainer): "Wir sind natürlich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wenn man vorher gesagt hätte, wir machen einen Punkt, hätten wir es genommen. Aufgrund des Spielverlaufs war es eine sehr spannende Partie. Gott sei Dank sind wir noch einmal so stark zurückgekommen, haben den Ausgleich unbedingt schießen wollen. Wir hatten auch noch die eine oder andere Chance, vielleicht ein drittes Tor zu schießen. Zu kritisieren sind einzig die zwei Standards, die wir bekommen haben."

Maximilian Wöber (Rapid-Verteidiger, Torschütze zum 2:0): "Wenn man 2:0 führt daheim, muss man das einfach cooler über die Zeit bringen und die Partie gewinnen. Es ist klar, dass irgendwann die Kräfte ausgehen, wenn man ab der 25. mit einem Mann weniger spielt. Irgendwann lässt man dann einmal Chancen zu, und die Tore waren dann auch unglücklich. Wenn wir die Partie gewinnen, sagt jeder: Super, Rapid gewinnt mit einem Mann weniger. So sind wir jetzt halt wieder ein bisschen die Deppen."

Stefan Maierhofer (Mattersburg-Stürmer, Torschütze zum 2:2): "Die Art und Weise, wie wir zurückgekommen sind, muss jedem Einzelnen Mut machen. Auch wenn der Gegner einen Mann weniger war, aber der Gegner war noch immer Rapid Wien. Für mich persönlich natürlich schön – mein 50. Bundesliga-Tor. Die Hitze ist unglaublich. Da muss man jetzt auch vielleicht an die Bundesliga appellieren. In Deutschland machen sie das Auftaktspiel um 20 Uhr am Freitag."

  • Joelinton (re.) war mit seinem völlig gerechtfertigten Ausschluss wegen Tätlichkeit alles andere als einverstanden.
    foto: apa/expa/sebastian pucher

    Joelinton (re.) war mit seinem völlig gerechtfertigten Ausschluss wegen Tätlichkeit alles andere als einverstanden.

  • Der frühere Rapidler Stefan Maierhofer rettete den Burgenländern einen Punkt.
    foto: apa/expa/sebastian pucher

    Der frühere Rapidler Stefan Maierhofer rettete den Burgenländern einen Punkt.

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