Neue Enthüllungen über Russland-Kontakte erhöhen Druck auf Sessions

    22. Juli 2017, 16:40
    35 Postings

    Trump fordert Ende von "illegalen" Geheimdienst-"Leaks" in der Presse

    Washington – US-Justizminister Jeff Sessions gerät durch neue Enthüllungen über seine Russland-Kontakte verstärkt unter Druck: Entgegen seiner bisherigen Darstellung habe Sessions vor der Präsidentschaftswahl 2016 doch mit dem russischen Botschafter in Washington über wahlkampfrelevante Themen gesprochen, berichtete die "Washington Post" in der Nacht zum Samstag unter Berufung auf US-Behördenquellen.

    Der Beitrag in der "Washington Post" bezieht sich auf abgehörte Telefonate zwischen dem russischen Botschafter Sergej Kisljak und dessen Vorgesetzten in Moskau. Die Enthüllungen sind heikel, weil Russland im Verdacht steht, sich im Wahlkampf für den republikanischen Rechtspopulisten Trump eingesetzt zu haben; ein Sonderermittler geht derzeit dem Verdacht nach, ob es dabei ein rechtswidriges Zusammenspiel mit Trumps Team gab. Sessions war im Wahlkampf ein Berater von Trump.

    Sessions hatte bei seiner Nominierungsanhörung für das Amt des Justizministers zunächst ausgesagt, er habe während des Wahlkampfs keinerlei Kontakte zu offiziellen russischen Vertretern gehabt. Diese Angaben musste er korrigieren, als Treffen mit Botschafter Kisljak bekannt wurden. Sessions beteuerte dann aber, bei diesen Treffen niemals über wahlkampfrelevante Themen gesprochen zu haben.

    Die vom US-Geheimdienst abgehörten Telefonate des Botschafters mit Moskau widersprechen dieser Darstellung: Laut "Washington Post" berichtete Kisljak damals nach Moskau, er habe mit Sessions sehr wohl über politische Themen gesprochen. Die "Washington Post" zitierte einen ungenannten US-Behördenvertreter mit der Einschätzung, Sessions habe "irreführende" Angaben zu seinen Russland-Kontakten gemacht. Den Äußerungen des Justizministers werde "durch Beweise widersprochen".

    US-Präsident Donald Trump beklagte am Samstag in der Früh (Ortszeit) via Twitter, das "neuerliche Geheimdienst-Leak", das sich gegen Sessions richte. "Solche illegalen Leaks müssen aufhören", forderte der US-Präsident.

    Ein ehemaliger Behördenvertreter sagte der "Washington Post", Sessions habe "umfangreiche" Gespräche mit Russen über politische Themen geführt – unter anderem darüber, wie sich die russisch-amerikanischen Beziehungen unter einem Präsidenten Trump entwickeln könnten.

    Nach Bekanntwerden seiner Treffen mit Kisljak hatte sich Sessions für befangen erklärt und damit seinen Rückzug aus den Ermittlungen zur Russland-Affäre des ihm unterstehenden FBI vollzogen. Trump kanzelte seinen Justizminister dafür am Mittwoch in beispielloser Weise ab. "Wie kann man einen Job übernehmen, wenn man sich selbst für befangen erklärt?", hatte Trump über den Minister gesagt. Wenn Sessions dies schon vor seiner Ernennung zum Minister getan hätte, "hätte ich gesagt, 'Danke, Jeff, aber ich werde Dich nicht nehmen'", fügte Trump hinzu. Nach der heftigen Distanzierung Trumps von Sessions gilt das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden als extrem belastet. Sessions erklärte aber noch am Donnerstag, er wolle im Amt bleiben. (APA, 22.7.2017)

    Share if you care.