Scaramucci will Trumps Politik "aggressiver" vermarkten

22. Juli 2017, 09:15
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Sarah Sanders folgt Spicer als Trumps Sprecherin nach. Dieser soll wegen Scaramuccis Ernennung den Hut genommen haben

Washington – Der neue Kommunikationsdirektor von US-Präsident Donald Trump will dessen Politik "aggressiver" kommunizieren. Trump leiste einen "phänomenalen Job", das müsse "aggressiver" als bisher an die Öffentlichkeit getragen werden, sagte der Finanzinvestor Anthony Scaramucci am Freitag vor Journalisten in Washington.

Mit Scaramucci als Kommunikationsdirektor hofft der wegen der Russland-Affäre schwer in Bedrängnis geratene Präsident, wieder in die Offensive zu kommen. Laut Medienberichten ist er schwer angetan davon, wie sich der New Yorker Investor regelmäßig in den Nachrichtensendern für ihn ins Zeug geworfen hat. Mit Spicer war Trump hingegen offenkundig unzufrieden. In den vergangenen Wochen wurde Spicer bei den Pressekonferenzen im Weißen Haus immer häufiger durch Huckabee Sanders vertreten.

Spicer nicht mit Scaramucci einverstanden

Trumps bisheriger Sprecher, Sean Spicer, trat zuvor zurück. Er werde sein Amt niederlegen, verlautete es am Freitag aus dem Weißen Haus. Nach einem Bericht der "New York Times" war der 45-Jährige nicht mit Trumps Entscheidung einverstanden, Scaramucci zu seinem neuen Kommunikationschef zu ernennen. Spicer habe Trump gesagt, dass er einen großen Fehler begehe. Dem Bericht zufolge hatte der Präsident Spicer noch gebeten, auch unter dem neuen Kommunikationschef Sprecher zu bleiben. Spicer habe dies abgelehnt. Die Nachfolge wird seine bisherige Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders antreten. Spicer selbst erklärte am Freitag auf Twitter, es sei ihm eine Ehre gewesen, Trump zu dienen. Er werde sein Amt noch bis August ausüben.

Gegen die Ernennung Scaramuccis soll sich Berichten zufolge auch der Stabschef im Weißen Haus, Reince Priebus, gesperrt haben. Scaramucci bestritt jedoch in seinem ersten Auftritt vor dem Pressekorps im Weißen Haus interne Konflikte: "Ich denke, das Weiße Haus ist in der Spur." Im Team des Weißen Hauses "mögen wir uns alle aufrichtig".

Trumps früherer Kommunikationsdirektor Michael Dubke war im Mai zurückgetreten. Wegen der Affäre um Russland-Kontakte während des Wahlkampfs steht die Trump-Regierung seit ihrem Antritt vor sechs Monaten massiv unter Druck.

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Spicer hatte seit dem Amtsantritt Trumps zu Journalisten ein gespanntes Verhältnis. So betonte er bereits im Januar, bei der Vereidigung Trumps hätten sich so viele Menschen wie nie zuvor bei einer Amtseinführung versammelt, obwohl Fotos das Gegenteil nahelegten. Für internationale Empörung sorgte er schließlich im April am Tag des jüdischen Pessachfestes. Damals verglich er den syrischen Staatschef Baschar al-Assad mit Adolf Hitler und erklärte, der deutsche Diktator habe keine chemischen Waffen eingesetzt. Kurz darauf gestand er einen schweren Fehler ein.

Spicer wurde auch Ziel von Parodien: So wurde die Komikerin Melissa McCarthy weltbekannt mit Sketchen über Spicer in der Fernsehsendung "Saturday Night Live".

saturday night live
saturday night live
Auch die beliebte US-Sendung "Saturday Night Live" machte sich mehrfach über Spicer lustig.

Scaramucci: "Keine Interessenskonflikte"

Spicer wurde immer wieder vorgeworfen, irreführende oder falsche Informationen zu verbreiten. In den vergangenen Wochen wurden seine Auftritte im Presseraum des Weißen Hauses seltener. Seine Nachfolgerin Sanders sagte am Freitag, Trump bedanke sich für Spicers Arbeit. Der Marineoffizier der Reserve war nicht nur Präsidentensprecher, sondern übernahm zeitweise auch den Posten des Kommunikationschefs. Dieses Amt bekommt nun Scaramucci, der für Trumps Republikaner schon Spenden gesammelt, die Investmentfirma Skybridge Capital gegründet sowie als Hedgefonds-Manager und für die Großbank Goldman Sachs gearbeitet hat.

Scaramucci betonte, er habe sichergestellt, dass es keine Interessenskonflikte zwischen seinen Geschäften und seiner neuen Funktion gebe. Der 53-Jährige unterstützt den früheren Immobilienunternehmer Trump schon lange und verteidigte ihn immer wieder bei Fernsehauftritten. (Reuters, red, 22.7.2017)

  • Anthony Scaramucci stellte sich am Samstag der Presse.
    foto: imago/zuma press/ron sachs

    Anthony Scaramucci stellte sich am Samstag der Presse.

  • Sean Spicer am Podium im Briefing Room des Weißen Hauses.
    foto: ap photo/evan vucci, file

    Sean Spicer am Podium im Briefing Room des Weißen Hauses.

  • Spicers bisherige Stellvertreterin, Sarah Huckabee Sanders, übernimmt seinen Posten.
    foto: imago/zuma press/ron sachs

    Spicers bisherige Stellvertreterin, Sarah Huckabee Sanders, übernimmt seinen Posten.

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