Ungarische Investoren kaufen steirischen Kreischberg auf

22. Juli 2017, 08:30
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Rund um einen Oligarchen und engen Orbán-Vertrauten haben ungarische Firmen die Tophotels am Kreischberg entwickelt

Murau/Kreischberg/Budapest – "Wir haben jede Menge ungarische Wirtschaftsprominenz da. Wir vermuten natürlich, dass auch Ministerpräsident Orbán hierher zum Skifahren kommt. Wenn er kommt, dann sicher inkognito. Wir werden da nicht informiert", sagt Karl Fussi, Geschäftsführer der steirischen Kreischbergbahnen im Tourismusort Murau.

Absteigen kann der ungarische Staatschef jedenfalls bei Freunden – in einem der ungarischen Hotels am Fuße des Kreischbergs. "Uns haben unsere Freunde aus Ungarn natürlich auch immer wieder von den Gerüchten erzählt, dass Viktor Orbán da irgendwie involviert sein könnte. Aber das sind halt Gerüchte", sagt Fussi. Was in den Firmenbüchern jedenfalls klar nachzulesen ist: Die großen Hotels am steirischen Kreischberg in St. Georgen bei Murau sind mittlerweile in ungarischem Besitz. Ein lückenloser Rückschluss auf die tatsächlichen Eigentümer ist kaum möglich, da die Besitzverhältnisse in verschachtelten Firmenkonstruktionen verschwinden.

Zentrale Rolle

Was aber auffällt: Der ungarische Oligarch Lorinc Mészáros, der an der Seite Orbáns in wenigen Jahren ein Firmenimperium aufbauen konnte, spielt mit seinen Firmen eine zentrale Rolle im Murauer Tourismus. So kontrolliert er etwa das Hotel Relax Resort und das Ferienhotel Kreischberg. Betreiber beider Hotels ist die Relax Gastro & Hotel GmbH, deren Besitzer wiederum die Hunguest-Gruppe ist, die Mészáros 2016 vom Oligarchen Tamás Leisztinger erwarb.

Als wirtschaftlicher Eigentümer im Ausland wird die Pollux Hotel AG genannt. Laut ungarischen Medienberichten wird die Mitte März 2017 gegründete ungarische Pollux Hotel AG auch Mészáros zugeordnet. Genau genommen der Mészáros Gasztro GmbH.

Firmenverschachtelungen

Generaldirektor der Pollux Hotel AG ist Zoltán Somlyai, der von Hunguest kommt. Geschäftsführer Péter György Schmidl trat auch schon als Manager bei diversen Hotelbesitzungen von Mészáros in Ungarn hervor.

Eigentliche Besitzerin des Hotel Relax Resorts ist die Holi- day Resort Kreischberg-Murau GmbH, die bis vor wenigen Tagen im Besitz der Opimus Group war, die von Mészáros kontrolliert wird. Laut Mitteilung an die Budapester Wertpapierbörse verkaufte Opimus diese Beteiligung nun an den Konzum PE Privatkapital-Fonds, der wiederum zur Konzum AG gehört. Diese gehört aber auch Mészáros, sodass hier nur eine Umverlagerung innerhalb des Mészáros-Imperiums stattfand.

Erbaut wurde das Hotel 2008 noch von Zoltán Pintér, einem Vorbesitzer der Opimus. Die Opimus Holding gelangte zu fragwürdiger Prominenz, weil sie neben dem österreichischen Investment-Heuschreck Heinrich Pecina die Hauptrolle bei der Zerschlagung der letzten großen oppositionellen Tageszeitung in Ungarn, der Népszabadság, im Oktober 2016 spielte. Vor einigen Jahren gelangte Opimus unter die Kontrolle von Mészáros. Offiziell trat er als Eigentümer aber erst im März dieses Jahres hervor, via Konzum AG.

Kammerchef verkaufte Hotel

Der formelle Betreiber des Ferienhotels Kreischberg, dieser vom ehemaligen steirischen Wirtschaftskammerchef Peter Mühlbacher verkauften Anlage – früher Pumuckl-Hotel – ist ebenfalls die Relax Gastro & Hotel GmbH.

Neben den beiden großen Hotels sind noch zahlreiche andere Tourismusbetriebe rund um den Kreischberg mittlerweile im Besitz ungarischer Investoren. Aus dem Gasthaus Kreischberg wurde eine ungarische Pension, das Club Appartement Hotel am Kreischberg oder das Hotel Da Capo weisen ebenso ungarische Eigentümer auf, wie das Hotel Alpin Murau und das Hotel Alpin am Kreischberg, die auch österreichische Mitbesitzer ausweisen. Daneben betreiben Ungarn auch ein eigenes Immobilienbüro.

"Schätzen ungarische Gäste"

Karl Fussi sieht in der mächtigen ungarischen Präsenz kein Problem: "Es wird hier sehr professionell gearbeitet und wir schätzen die ungarischen Gäste, die nunmehr bereits seit 30 Jahren hierher nach Murau-Kreischberg kommen." Skifahren sei in Ungarn "Prestigesache" und habe einen enorm hohen Stellenwert. Für Murau seien die Ungarn ein Glücksfall. "Die ungarischen Investoren wollen hier ja etwas verdienen. Und das kommt uns allen zugute", sagt Fussi.

Der steirische Kreischberg in St. Georgen bei Murau zieht ungarische Investoren an. Am Fuße thront das große Hotel Relax Resort, dessen verschachtelte Firmenkonstruktion dem ungarischen Oligarchen und Orbán-Vertrauten Lorinc Mészáros zugeordnet wird. (Walter Müller, Gregor Mayer, 22.7.2017)

  • Der steirische Kreischberg in  St. Georgen bei Murau zieht ungarische Investoren an. Am Fuße thront das große Hotel Relax Resort, dessen verschachtelte Firmenkonstruktion dem ungarischen Oligarchen und Orbán-Vertrauten Lorinc Mészáros zugeordnet wird.
    foto: apa / scheriau

    Der steirische Kreischberg in St. Georgen bei Murau zieht ungarische Investoren an. Am Fuße thront das große Hotel Relax Resort, dessen verschachtelte Firmenkonstruktion dem ungarischen Oligarchen und Orbán-Vertrauten Lorinc Mészáros zugeordnet wird.

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