Wenn Schwitzen eine Belastung ist

    24. Juli 2017, 07:00
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    Manche Menschen schwitzen mehr als normal und leiden darunter. Den meisten kann aber geholfen werden

    Schwitzen ist im Sommer normal. Der Körper reguliert damit die Temperatur und scheidet über den Schweiß Schadstoffe aus. Doch etwa jeder Hundertste schwitzt übermäßig stark an Händen, Füßen oder unter den Achseln. Auch dann, wenn es nicht besonders heiß ist. Nur abkühlen hilft in diesem Fall nichts, denn die Betroffenen leiden unter Hyperhidrose. Das Schwitzen ist bei ihnen eine Reaktion auf emotionalen Stress oder eine Fehlfunktion der Schweißdrüsen. Betroffene haben im Extremfall ständig feuchte Hände und Füße oder müssen gar ihre durchnässte Kleidung mehrmals täglich wechseln.

    Den meisten Betroffenen kann aber geholfen werden, wenn sie sich in ärztliche Hände begeben. Der Arzt klärt ab, ob nicht Medikamente, Hormonstörungen oder andere Erkrankungen für das Schwitzen verantwortlich sind (sekundäre Hyperhidrose). Oft ist aber keine Ursache zu finden (primäre Hyperhidrose) – dann bleibt nur der Versuch, das Schwitzen selbst in den Griff zu bekommen. "Wir gehen dabei nach einem Stufenschema vor und fangen mit den einfachen Maßnahmen an, bis wir einen Erfolg beim Patienten feststellen", sagt Kornelia Böhler von der Uniklinik für Dermatologie in Wien.

    Hausmittel anwenden

    Bei nur leichten Schwitzbeschwerden kann man es zunächst mit Hausmittelchen wie Salbeitropfen versuchen. Sie sollen die Neigung zum Schwitzen mindern. Der Effekt scheint allerdings leider nur sehr gering zu sein, zuverlässige Studien gibt es nicht. Ausprobieren schadet jedoch nicht, da die Kosten niedrig sind und es keine Nebenwirkungen gibt. Auch der Verzicht auf eiskalte Getränke, Kaffee, Alkohol, Nikotin und scharfes Essen reduziert die Schweißproduktion.

    Helfen Hausmittelchen nicht, dann kann auf spezielle Deodorants aus der Drogerie zurückgegriffen werden, welche die Schweißporen verschließen. Besonders wirksam sind Produkte, die 15 bis 20 Prozent Aluminiumchlorid enthalten und auf Rezept in der Apotheke angemischt werden. Sie eignen sich für die Hände, Füße und Achseln. Für einen anhaltenden Effekt trägt man sie zur Nacht auf, wenn die Schweißdrüsen ruhig sind. Bei zu häufiger Anwendung kann es jedoch zu Hautreizungen kommen. Zudem ist der Einsatz von Aluminiumchlorid mitunter umstritten. In Untersuchungen profitierten etwa die Hälfte der Patienten mit vermehrtem Schwitzen von der konsequenten Anwendung dieser Mittel. Bei schweren Formen der Hyperhidrose ist deren Wirkung aber häufig nicht ausreichend.

    Wasser unter Strom

    Gegen übermäßig schwitzende Hände und Füße helfen Gleichstrombäder, auch Iontophorese genannt. Dabei werden mehrmals die Woche Hände und Füße in Wasser getaucht, durch das ein schwacher Strom fließt. Das soll die Nervenfasern blockieren, die die Schweißabsonderung anregen. Mit einem entsprechenden Gerät lässt sich das auch zu Hause durchführen. "Der Nutzen dieser Therapie ist nachgewiesen und sicher wirksamer als Salbeitropfen", sagt Böhler.

    Bringen die sanften Methoden nicht den gewünschten Erfolg, "dann helfen Botox-Injektionen in der Regel am besten", so Böhler. Das Nervengift wird seit über 15 Jahren in der Therapie der Hyperhidrose eingesetzt und gilt wissenschaftlich als gut untersucht. Es blockiert unter den Achseln, an Händen und Füßen vorübergehend die Signalübertragung der Nervenzellen, die zu den Schweißdrüsen führen. Nebenwirkungen sind bei richtiger Anwendung nicht beobachtet worden. Nachteil: Die Wirkung hält nur etwa ein halbes Jahr lang an, danach muss nachgespritzt werden. Außerdem muss der Patient fast immer die Therapie selbst bezahlen.

    Unangenehme Nebenwirkungen

    Von der Einnahme bestimmter Medikamente, die jene Nerven blockieren sollen, die für die Schweißproduktion zuständig sind, rät Böhler eher ab. "Deren Nebenwirkungen sind meist unangenehmer als die positiven Effekte."

    Wenn für den Patienten das ständige Nachspritzen von Botox keine Option mehr ist oder er von vornherein eine Dauerlösung vorzieht, sollte über chirurgische Therapien nachgedacht werden. Die Nebenwirkungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. "Beim Absaugen oder Ausschaben der Schweißdrüsen unter den Achseln kann es zu Heilungsproblemen kommen", erklärt Böhler. Auch werden meist nie alle Schweißdrüsen erwischt, sodass die Entfernung das Schwitzen nicht vollständig ausschaltet. Wird die Haut unter den Achseln komplett weggeschnitten, bleiben deutliche Narben zurück. Ultima Ratio ist schließlich das Durchtrennen der für die Schweißproduktion zuständigen Nervenstränge. Häufig verlagert sich das heftige Schwitzen dann aber auf andere Körperbereiche. (Andreas Grote, 24.7.2017)

    • Manche Menschen schwitzen übermäßig stark und auch dann, wenn es nicht besonders heiß ist.
      foto: istock

      Manche Menschen schwitzen übermäßig stark und auch dann, wenn es nicht besonders heiß ist.

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