Vladimir Nabokov: Anatomie einer Obsession

    26. Juli 2017, 10:59
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    Hanns Zischlers Rezitation von "Der Zauberer" wurde neu aufgelegt

    Ist das nun staunenswert? Oder schlicht abstoßend pervers? Der Zauberer von Vladimir Nabokov (1899- 1977) ist auf jeden Fall eine beeindruckende, tiefenbohrende Grenzüberschreitung.

    Denn der russisch-amerikanische Autor, die letzten 20 Jahre seines Lebens in einer Hotelsuite im schweizerischen Montreux lebend, durchleuchtet in dieser Erzählung die Psyche eines Pädophilen, der eine Schwerkranke nur deshalb heiratet, um in die Nähe ihrer präpubertären Tochter zu gelangen. Nach dem Tod der Frau bricht er mit der Stieftochter zu einer Reise auf, die in Scham, Schande und Tod mündet.

    1939 geschrieben, aber erst 1986 veröffentlicht und ein Jahr später in Dieter E. Zimmers exzellenter Eindeutschung erschienen, ist dies so etwas wie die Urzelle für den Welterfolg Lolita. Hanns Zischler, neben der Tätigkeit als Schauspieler ein Fachmann für Kafka, Joyce und französische Philosophie, vermag in dieser nun neu aufgelegten Rezitation aus dem Jahr 2006 die ausgreifenden, serpentinenartigen elitären und elegant geschmiedeten Sätze Nabokovs überzeugend vorzutragen. (Alexander Kluy, Album, 26.7.2017)

    • Vladimir Nabokov,  "Der Zauberer". € 11,30 / 127 Minuten. Audio-Verlag, Berlin 2017
      cover: audio-verlag

      Vladimir Nabokov, "Der Zauberer". € 11,30 / 127 Minuten. Audio-Verlag, Berlin 2017

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