Weltweit größte Cholera-Epidemie im Jemen

21. Juli 2017, 11:42
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In nur drei Monaten gab es im Jemen mehr als 360.000 Cholera Verdachtsfälle, das örtliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Ein Ende ist nicht in Sicht

Niemals zuvor sind auf der Welt so viele Menschen in einem einzigen Jahr an Cholera erkrankt, wie derzeit im Jemen. Die von Juli bis September erwartete Regenzeit könnte die Krise in dem Bürgerkriegsland noch deutlich verschärfen, warnte die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam kürzlich. Mehr als 600.000 Jemeniten könnten sich mit der oft tödlichen Durchfallerkrankung anstecken.

Ein "Armutszeugnis für die internationale Gemeinschaft" nannte Nigel Timmins, Leiter der Nothilfeprogramme von Oxfam, die Cholera-Epidemie in dem Land im Süden der arabischen Halbinsel. Mit mehr als 360.000 Verdachtsfällen innerhalb von drei Monaten übertrifft der Cholera-Ausbruch im Jemen damit die bisher schlimmste Epidemie in Haiti im Jahr 2011. Innerhalb eines Jahren waren dort etwas mehr als 340.000 Verdachtsfälle gemeldet worden.

Nach mehreren Jahren Bürgerkrieg, Hunger und Not könne die geschwächte Bevölkerung der Cholera nichts mehr entgegensetzen. Weniger als die Hälfte der Nothilfe, die laut den Vereinten Nationen benötigt werde, sei finanziert. "In anderen Zusammenhängen nennt man so etwas unterlassene Hilfeleistung. Internationale Geberstaaten müssen jetzt ihre Nothilfe massiv verstärken und auch dafür sorgen, dass diese vor allem die Hilfsbedürftigen erreicht", forderte Timmins.

Mangelnde Hygiene

Infolge des Krieges ist das jemenitische Gesundheitssystem praktisch zusammengebrochen. Dabei brauche es nicht viel, um Cholera in den Griff zu bekommen: sauberes Wasser, Seife, Latrinen und andere Hygienemaßnahmen. "Doch solange der Krieg im Jemen andauert, ist es kaum möglich, selbst das bereitzustellen", sagte Timmins. Er forderte die Konfliktparteien auf, sich auf einen Waffenstillstand zu einigen und den Transport von Hilfsgütern zuzulassen, damit die Cholera landesweit bekämpft werden kann. Die USA, Großbritannien und Deutschland müssen außerdem die Waffenlieferungen einstellen. In völkerrechtswidriger Weise zerstören diese Waffen zivile Ziele, darunter die für die Seuchenbekämpfung wichtige Infrastruktur.

Im Jemen tobt seit drei Jahren ein heftiger Bürgerkrieg zwischen Aufständischen und der international anerkannten Regierung des Landes. Eine sunnitische Allianz unter Führung Saudi-Arabiens fliegt Luftangriffe gegen die Rebellen. Viele Krankenhäuser, Häfen und Straßen wurden durch Bombenangriffe zerstört. 15 Millionen Menschen haben kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. (APA, 21.7.2017)

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