SPÖ Oberösterreich: Eva-Maria Holzleitner greift nach dem Nationalratssitz

    21. Juli 2017, 08:00
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    DER STANDARD nimmt sich mit einer Serie des parlamentarischen Nachwuchses an

    Linz – Der Vorschlag aus der roten Landesparteizentrale kam für Eva-Maria Holzleitner durchaus überraschend. Bei einer Bezirkskonferenz der Welser SPÖ bot Landeschefin Birgit Gerstorfer der 24-Jährigen einen Platz auf der roten Liste für die Nationalratswahl an, und zwar nicht "unter ferner liefen", sondern gleich prominent an zweiter Stelle hinter Sozialminister Alois Stöger. Die Chancen auf einen Einzug in den Nationalrat stehen damit entsprechend gut. "Sollte es tatsächlich so sein, ist der Schritt natürlich ein gewaltiger – von der Welser SPÖ-Sektion Lichtenegg-Noitzmühle in das höchste politische Gremium des Landes. Ich fühle in mir derzeit eine Mischung aus Freude und Respekt", erzählt die 24-Jährige im STANDARD-Gespräch.

    Froh ist Holzleitner über den politischen Mann an ihrer Seite: "Alois Stöger ist ein unglaublich erfahrener Politiker. Von ihm kann ich wahnsinnig viel lernen. Und ich hoffe, er wird mich auch im Parlament an der Hand nehmen. Wir Oberösterreicher halten zusammen."

    Und vor allem wird die Studentin der Sozialwissenschaften mit dem Sozialminister wohl politisch meist einer Meinung sein. Kontroversieller dürfte es da künftig im Welser Elternhaus zugehen. Eva-Maria Holzleitner kommt nämlich aus einem "klassischen ÖVP-Haushalt". Der Papa ist Landwirt, der Großvater hatte in Wels eine Fleischhauerei mit mehreren Filialen.

    Neue Heimat

    Die rote Zukunftshoffnung wollte aber bewusst aus dem schwarzen Umfeld ausbrechen: "Ich habe einfach gespürt, dass das absolut nicht meine politische Heimat ist." 2012 folgt dann der Eintritt in die SPÖ. Enterbt oder des Hauses verwiesen hat man die heutige Vorsitzende der Jungen Generation trotz roten Parteibuchs aber bis dato nicht: "Ein kurzer Seufzer, und dann hat man es akzeptiert."

    Ihr politisches Können muss Holzleitner aber in den kommenden Wochen ohnehin außerhalb der eigenen vier Wände unter Beweis stellen. Im Wahlkampf will die gebürtige Welserin auf einen "spannenden Mix" setzen: "Einerseits wird es natürlich viel im Bereich Social Media geben, andererseits will ich unbedingt auch den direkten Kontakt zu den Menschen. Man wird mich also an so mancher Haustüre antreffen."

    Ganz ihrem offiziellen "Parteiauftrag" entsprechend, sieht sich Holzleitner vor allem als "Signal an die Jugend". Sie wolle junge Menschen für die Politik begeistern. "Junge Teilhabende" heißt das im Holzleitner’schen Wahljargon. Inhaltlich nennt die 24-Jährige diesbezüglich rote Klassiker wie Wohnen und Arbeit.

    Drängt sich aber die Frage auf, ob etwa die – nach der Wahlniederlage 2015 – schwer gebeutelte SPÖ in Oberösterreich bei jungen Menschen tatsächlich Begeisterungsstürme auslöst? Holzleitner: "Keine Frage, 2015 war eine Katastrophe für die SPÖ in Oberösterreich. Aber wir haben uns aufgerappelt – und es geht aufwärts. Vieles hat sich geändert, manches muss sich noch ändern." Was genau, verrät die rote Nachwuchshoffnung aber nicht: "Es ist ein Grundsatz von mir, interne Angelegenheiten auch intern zu lassen."

    Diskussionsstoff im Klub

    Weitaus offener gibt sich die begeisterte Reiterin da schon bei der Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit mit der FPÖ: "Menschlich gesehen geht Rot-Blau gar nicht." Und ein Sitz im Nationalrat in einer rot-blauen Koalition ginge? Holzleitner: "Eigentlich eine blöde Frage. Ich habe jetzt zugesagt, da werde ich mich dann nicht vertschüssen, wenn’s ernst wird. Außerdem ist es sicher ein Vorteil, wenn es im SPÖ-Klub unterschiedliche Sichtweisen gibt." Nachsatz: "Ich hoffe aber, dass es nicht so weit kommt."

    Dass die ÖVP in den Umfragen derzeit klar voranliegt, bringt Eva-Maria Holzleitner nicht weiter aus der Fassung: "Wir müssen jetzt hart arbeiten und noch härter wahlkämpfen – dann wird alles gut am 15. Oktober." Und wenn die Kanzlerschaft verlorengeht? "Dann machen wir uns eben am 16. Gedanken, wie’s weitergeht." (Markus Rohrhofer, 21.7.2017)

    • Schwarz ist die Heimat, rot die Zukunft: Der Weg von Eva-Maria Holzleitner führte aus dem ÖVP-Elternhaus direkt in die Welser SPÖ-Parteizentrale. Die nächste Station wird wohl das Parlament sein.
      foto: alex schwarzl

      Schwarz ist die Heimat, rot die Zukunft: Der Weg von Eva-Maria Holzleitner führte aus dem ÖVP-Elternhaus direkt in die Welser SPÖ-Parteizentrale. Die nächste Station wird wohl das Parlament sein.

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