Rom: Schuldsprüche für die "Mafia Capitale"

20. Juli 2017, 16:54
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Unter der Regie eines früheren Rechtsterroristen wurde die halbe Stadtverwaltung unterwandert. Die beiden Köpfe der Bande wurden jetzt verurteilt

Die insgesamt 46 Angeklagten waren bei zwei Großrazzien im November 2014 und im Juni 2015 festgenommen worden. Die Liste der Verhafteten las sich wie ein Who's who der Römer Lokalpolitik der vergangenen Jahre: Ins Gefängnis wanderten ehemalige Fraktionschefs, Chefbeamte und Geschäftsleute. Die "Mafia Capitale", wie das Syndikat in den Medien genannt wurde, hatte die halbe Stadtverwaltung unterwandert und sich vorab bei der Betreuung von Flüchtlingen bereichert: Die Bande hatte dafür gesorgt, dass die öffentlichen Vergaben für die Betreibung von Flüchtlingsunterkünften an die richtigen Personen und Kooperativen gegangen sind. Aber die Flüchtlinge waren nicht das einzige Business: Der frühere Chef der Müllabfuhr etwa, Franco Panzironi, stand mit einem Monatslohn von 5000 Euro ebenfalls auf ihrer Gehaltsliste.

Mit 20 Jahren Gefängnis die höchste Strafe erhielt am Donnerstag der Kopf der Mafia Capitale, der ehemalige Rechtsterrorist Massimo Carminati, genannt "der Einäugige". In den 1980er-Jahren war er bei einem Fluchtversuch von einer Polizeikugel am linken Auge getroffen worden. Seitdem trägt er eine Augenbinde.

Führendes Mitglied bei Neofaschisten

Der heute 58-Jährige war damals führendes Mitglied der neofaschistischen Nuclei Armati Rivoluzionari (Bewaffnete revolutionäre Zellen, NAR) gewesen, die für 30 politische Morde verantwortlich gemacht wurden. Später wechselte der Terrorist und Kriminelle zur Magliana-Bande, einem berüchtigten Römer Verbrecherkartell. Nun sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Die Nummer zwei der Mafia Capitale, Salvatore Buzzi, wandert für 19 Jahre ins Gefängnis. Er stammt aus dem entgegengesetzten politischen Milieu, jenem der linken Genossenschaften. Diese sind immer dann gefragt, wenn mit staatlichen Millionenbeträgen Sozialwohnungen gebaut, Flüchtlingsheime betrieben oder andere öffentliche Aufgaben wahrgenommen werden.

Buzzis Genossenschaften waren in Rom in den vergangenen Jahren auffallend oft zum Zug gekommen. Laut der Staatsanwaltschaft hatten Buzzi und Carminati reihenweise Stadtpolitiker und Chefbeamte geschmiert – und dafür im Gegenzug die gewünschten Millionenaufträge erhalten. "Wenn du eine Kuh melken willst, musst du ihr vorher zu fressen geben", beschrieb Buzzi einmal in einem abgehörten Telefongespräch sein Geschäftsmodell.

Kein "mafiöser Typ"

Die zentrale Frage vor dem Gericht lautete, ob es sich bei den aufgedeckten Zuständen "nur" um systematische und allgegenwärtige Korruption handelt, oder ob sich auch in Rom eine richtige Mafia – die Mafia Capitale eben – eingenistet hatte. Der Staatsanwalt bejahte diese Frage, obwohl den Angeklagten keine Gewalttaten oder Einschüchterungen nachgewiesen werden können. Das Römer Strafgericht bezeichnete die Gruppe als "kriminelle Vereinigung", aber ohne den strafverschärfenden Zusatz "mafiösen Typs".

Fest steht, dass die Mafia Capitale nicht die alleinige Schuld am erbärmlichen Zustand des öffentlichen Dienstes in der Ewigen Stadt trägt. Das belegt der Umstand, dass seit den beiden Verhaftungswellen auch unter der neuen Bürgermeisterin Virginia Raggi von Beppe Grillos Protestbewegung keine Verbesserung eingetreten ist. Wie sollte es auch: In dieser Woche hat die Römer Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, dass derzeit gegen weitere 70 der insgesamt 190 kommunalen Chefbeamten Ermittlungen laufen. Angesichts dieser Abgründe vermag es kaum zu verwundern, dass die meisten Parks verwahrlost, die Straßen von Schlaglöchern übersät sind und der Verkehr chaotisch ist. Vom allgegenwärtigen Müll und den Graffitis ganz zu schweigen. (Dominik Straub aus Rom, 20.7.2017)

  • 5. November 2015: Auftakt zum Prozess gegen die sogenannte "Mafia Capitale" vor dem Römer Strafgericht. Etwa 22 Monate und 230 Gerichtsverhandlungen später setzte es Schuldsprüche für die beiden Köpfe der "kriminellen Vereinigung".

    5. November 2015: Auftakt zum Prozess gegen die sogenannte "Mafia Capitale" vor dem Römer Strafgericht. Etwa 22 Monate und 230 Gerichtsverhandlungen später setzte es Schuldsprüche für die beiden Köpfe der "kriminellen Vereinigung".

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