"Nicht stehen bleiben"

26. Juli 2017, 17:36
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Für den Trainer begann die Saison auf der Trainerbank bei Sturm ordentlich, heute gastiert Fenerbahce Istanbul in der Europa-League-Quali in Graz. Der Kader wurde abgespeckt, das Stadion soll saniert werden

Wien – Mit Langzeitbeziehungen ist das so eine Sache. Sie bergen Gefahr für Abnützungserscheinungen. Sturm Graz und Franco Foda, das ist eine Liaison, die mit einer kurzen Pause schon neun Jahre besteht. "Ich spüre aber keine Abnützungserscheinungen", sagt Foda zum STANDARD. Der 51-jährige Deutsche ist laut eigener Aussage nicht nur mit seiner Frau seit langem glücklich verheiratet, sondern darüber hinaus auch mit Sturm Graz. Fodas Vertrag läuft bis 2019. "Mir ist es wichtig, dass man nicht stehen bleibt, die Mannschaft verändert und die Spieler immer wieder auffordert, mitzudenken."

Den Saisonstart kann man als geglückt bezeichnen. Nach einem knappen Sieg zum Bundesliga-Auftakt gegen St. Pölten, gastiert am Donnerstag Fenerbahce Istanbul im Hinspiel der dritten Europa-League-Qualifikationsrunde in Graz (19 Uhr, live ORF 1). "Fener ist die Belohnung für unser letztes Jahr, wir können nur positiv überraschen", sagt Sportchef Günther Kreissl. Für Franco Foda ist die Partie ein Höhepunkt in einer noch jungen Saison.

"Wir wollen Akzente setzen und uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche erarbeiten", kündigte der Deutsche an. Seine Zuversicht schöpft er unter anderem daraus, dass sein Team schon vier Pflichtspiele in den Beinen hat, während der Gegner erst am 13. August beginnt. "Es könnte sein, dass wir physisch einen Tick weiter sind", vermutete Foda. Die Testpiele verliefen für den 19-fachen türkischen Meister allerdings vielversprechend. Gegen Athletic Bilbao (0:0), Olympique Marseille (0:1) und AS Monaco (1:1) "haben sie super Leistungen gegen renommierte Gegner gebracht", sagte Foda.

"Der Lauf der Dinge"

In der Bundesliga will Sturm den dritten Tabellenplatz aus der Vorsaison will Sturm toppen, ein hoch gestecktes Ziel. Der aufgeblähte Kader von 29 Spielern wurde verkleinert. "Es waren im Vorjahr sicher zu viele Leute da", sagt Sportchef Günther Kreissl. Derzeit sind 23 Spieler eingeplant, der eine oder andere Transfer wird wohl noch getätigt werden, die Verletztensituation in der Innenverteidigung schreit geradezu nach Verstärkungen.

Der große personelle Aderlass wie im Vorjahr blieb aus, mit Sascha Horvath, Baris Atik und Simon Piesinger verließen nur drei Stammspieler den Verein. Mit Torwart Jörg Siebenhandl, Thorsten Röcher und Peter Zulj wurden gestandene Bundesliga-Profis geholt. Alle Positionen sollen quasi doppelt besetzt werden. Mit Marvin Potzmann und Stefan Hierländer hat Foda gar zwei Spieler, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind.

Dass man sich bei Sturm "nach der Decke strecken muss", das hat Franco Foda mit den Jahren gelernt. "Wir hatten Interesse an gewissen Spielern, die waren aber für uns nicht leistbar. Das ist der Lauf der Dinge." Die Vereinsspitze übt sich in Optimismus, auch wenn man an die Top drei der Bundesliga budgetär nicht heranreicht. Der Etat für diese Saison soll sich zwischen 12,5 und 13 Millionen Euro bewegen. Europacup-Einkünfte nicht eingerechnet.

Streitthema Stadion

Ein politisches Streitthema ist das mittlerweile in die Jahre gekommene Stadion in Graz-Liebenau. Der Hospitality-Bereich ist veraltet, die Sitze blass. Sturm wünscht sich einen Baubeschluss für die zweite Umbauphase noch in diesem Jahr. Fünf Millionen Euro wurden in einer ersten Bauphase in die Sanierung der 1997 eröffneten Arena investiert. Durch einen Umbau der Nordtribüne wurde das Fassungsvermögen von rund 15.300 auf knapp 16.800 Besucher erhöht. Weitere Adaptierungen sollen sieben Millionen Euro kosten, der größte Teil soll aus Steuergeld finanziert werden. Der Klub ist nicht Eigentümer, sondern Hauptmieter der Merkur-Arena.

Franco Foda geht immer noch gerne ins Stadion, "aber hier gibt es Handlungsbedarf. Wir verlieren sonst den Anschluss an Rapid und die Austria. Das sind wir auch unseren Fans schuldig."

Hinter den Kulissen haben die Grazer ihr Betreuerteam vergrößert. Ex-Sturm-Spieler Samir Muratovic scoutet ab sofort junge Spieler bis in die Regionalliga hinunter und unterstützt Assistenz- und Individualtrainer Imre Szabics. "Der Fußball ist so intensiv geworden, dass du mehrere Positionen im Verein brauchst, um die Herausforderungen abzuarbeiten."

Sturm hat zwar nicht das meiste Geld, stellt aber seit Jahren eine der jüngsten Mannschaften in der Bundesliga. 24 Jahre ist der Altersschnitt in dieser Saison. Foda: "In der vergangenen Saison hatten wir große Leistungsschwankungen. Zu Beginn waren wir auswärts brutal stark, im Frühjahr haben wir viele Punkte liegengelassen. Ich hoffe, wir werden stabiler." (Florian Vetter, 26.7.2017)

Europa League-Qualifikation, 3. Runde, Hinspiel, Donnerstag

Sturm Graz – Fenerbahce Istanbul
Merkur-Arena, 19 Uhr, live ORF 1, SR Ola Hobber Nilsen (NOR)

Sturm: Siebenhandl – Koch, Maresic, Lykogiannis, Potzmann – Jeggo, Zulj – Hierländer, Alar, Röcher – Zulechner

Ersatz: Gratzei – Puchegger, Schulz, Lovric, Huspek, Schmid, Schubert

Es fehlen: Ovenstad (Schulter), Spendlhofer (Knieödem), Schoissengeyr (im Aufbautraining), Schmerböck (Gesäßmuskel), Filip (Knöchel)

Fenerbahce: Volkan – Sener, Skrtel, Neustädter, Hasan Ali – Topal, Souza – Dirar, Ekici, Valbuena – Ahmethan/Atif

Ersatz: Kameni – Köybasi, Isla, Stoch, Ucan

Es fehlen: Kjaer, Ozan, Van Persie, Fernandao (alle verletzt)

Rückspiel am 3. August (19.30 Uhr MESZ) im Sükrü-Saracoglu-Stadion in Istanbul

  • Für den bekennenden Andreas-Gabalier-Fan Franco Foda ist Sturm Graz ein "geiler Klub".
    foto: apa/scheriau

    Für den bekennenden Andreas-Gabalier-Fan Franco Foda ist Sturm Graz ein "geiler Klub".

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