Neue Erkenntnisse über das Ende der grünen Sahara

22. Juli 2017, 17:00
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Forscher nutzen Sedimente aus einem See in Marokko als 12.000 Jahre zurückreichendes Klimaarchiv

Leipzig – Heute gilt sie als Inbegriff der Wüste schlechthin, doch in der Vergangenheit zeigte die Sahara mehrfach ein ganz anderes Gesicht: Allein in den vergangenen 200.000 Jahren erlebte die heutige Trockenwüste drei Phasen, in denen sie für jeweils einige Jahrtausende ergrünte – deren letzte fiel teilweise bereits in die Zeit der ersten Hochkulturen. Felszeichnungen zeugen noch heute von diesen Intermezzi, in denen die Sahara eine fruchtbare Savanne mit reichhaltiger Tierwelt war, in der auch Ackerbau und Viehzucht betrieben wurden.

Von neuen Erkenntnissen über die Entstehung der heute mit neun Millionen Quadratkilometern größten Trockenwüste der Welt berichtet die Universität Leipzig. Gewonnen wurden sie aus Untersuchungen eines Teams um den Leipziger Forscher Christoph Zielhofer, der die Geschichte der Sahara-typischen Staubstürme analysierte. Die interdisziplinär angelegte Studie wurde im Fachjournal "Quaternary Science Reviews" veröffentlicht.

See-Sedimente verweisen auf Zeitenwechsel

Die Forscher konnten aus Ablagerungen eines Sees im Mittleren Atlas von Marokko Reste von Staubstürmen bis in eine Zeit vor 12.000 Jahren zurückverfolgen. "Wir gehen davon aus, dass die Staubablagerungen im Sidi Ali-See nicht nur lokale Stäube am nördlichen Rand der Sahara darstellen, sondern dass es sich vor allem auch um Fernstäube handelt, die zumindest teilweise auch aus dem sub-saharischen Raum der Sahelzone stammen", sagt Zielhofer.

In den Zeitraum der vergangenen 12.000 Jahre fällt auch das Ende der sogenannten Afrikanischen Feuchtphase, welches nach bisherigen Studien vor 7.000 bis 3.000 Jahren ablief: Damit endete die bisher letzte Phase einer grünen Sahara. "Die Geschichte der Sahara-Stäube aus dem Sidi Ali-See gibt uns nun zeitliche Hinweise, wann das Ende der Feuchtphase erstmals einsetzte", sagt Staubforscher Hans von Suchodoletz vom Institut für Geographie der Universität Leipzig.

Ihre Analysen führten die Forscher zu dem überraschenden Ergebnis, dass das Ende des jüngsten grünen Zeitalters nicht wie bisher angenommen durch einen einmaligen klimatischen Übergang hin zur heutigen Wüste charakterisiert ist. Stattdessen gab es mehrere Staubphasen bereits vor 10.200, 8.200 und 6.600 bis 6.000 Jahren. "Dazwischen hat die Staubbelastung der Atmosphäre im Gebiet des marokkanischen Sidi Ali-Sees immer wieder abgenommen, bis dann spätestens vor 4.700 Jahren eine nachhaltig hohe Staubbelastung den bis in die aktuelle Zeit anhaltenden Trockenzustand der angrenzenden Sahara widerspiegelt", sagt Zielhofer. (red, 22. 7. 2017)

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