Spekulationsobjekt: Nowotny warnt vor Risiken bei Bitcoin

19. Juli 2017, 10:33
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Der Notenbank-Gouverneur verweist auf Gefahren bei virtuellen Bezahlsystemen und erwartet im Bankensektor noch viel Bewegung

Wien/Frankfurt – Notenbankchef Ewald Nowotny warnt vor Risiken bei der Cyberwährung Bitcoin. Dieser fehle die Stabilität, sagte Nowotny der "Kleinen Zeitung" vom Mittwoch. "Bitcoin ist ein Spekulationsobjekt." Die OeNB verbiete die digitale Währung zwar nicht. "Man muss die Leute aber wissen lassen, auf was sie sich da einlassen." Die japanische Regierung hat Bitcoin im April als offizielles Zahlungsmittel zugelassen.

Fachleuten zufolge haben virtuelle Bezahlsysteme großes Potenzial. Bitcoin existiert seit 2009, eine Regierung oder Zentralbank steht nicht dafür ein. Der Kurs wird allein von Angebot und Nachfrage bestimmt. Bitcoin ist allerdings in den vergangenen Jahren wiederholt negativ in die Schlagzeilen gerückt. Die Internetwährung ist auch für Nutzer interessant, die sich Kapitalkontrollen entziehen wollen, da mit ihr schnell und anonym Geschäfte rund um den Globus gemacht werden können. Zudem war ihr Kurs in der Vergangenheit extremen Schwankungen ausgesetzt.

Notenbanken weltweit prüfen aktuell, wie sie mit der Technologie umgehen wollen, die digitale Währungen ermöglichen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Dezember mitgeteilt, sie untersuche zusammen mit der japanischen Notenbank den Einsatz neuer Verfahren, die solchen Währungen zugrunde liegen.

Bankfilialen werden rascher verschwinden

Auf dem österreichischen Bankensektor wird sich das Tempo der Fusionen, Filialschließungen und des Mitarbeiterabbaus noch beschleunigen, ist Nowotny überzeugt. Österreich liege bei der Zahl der Einwohner je Bankstelle noch immer deutlich unter den Niederlanden oder Frankreich.

Nowotny gibt aber zu bedenken, "dass dieses Kleinteilige auch einige Vorteile hat – etwa was Kundennähe betrifft". "Die Frage ist nun, ob es gelingt, Methoden zu entwickeln, wo ich den Vorteil der Kundennähe verbinden kann mit den zentralistischen Erfordernissen, die sich von der Technologie und der Aufsicht her ergeben." Er geht aber davon aus, dass es noch zu einer deutlichen Zentralisierung im genossenschaftlichen Bankenbereich kommen wird. Die zwei wichtigsten Themen für die österreichischen Banken seien Kapitalaufbau und Kostendisziplin.

In Österreich gebe es in der Zwischenzeit keine Bank mit Problemen mehr. "In der Außensicht hat es dem Bankenstandort enorm genutzt, dass rund um die Heta, die Abbaubank der früheren Hypo Alpe Adria, eine Lösung gefunden wurde."

Bessere Perspektive in Zentral- und Südosteuropa

Auch in Zentral- und Südosteuropa gebe es eine deutlich bessere Perspektive, von der Österreich profitiere. Besonders beschäftige ihn aber, dass es in manchen Staaten einen zunehmenden ökonomischen Nationalismus gebe, der sich speziell gegen Banken richte. Er sei diesbezüglich erst vor wenigen Tagen in Kroatien gewesen.

Um krisensicher zu sein, bräuchten Banken in erste Linie ausreichend Kapital. Österreichs Banken hätten ihre Kapitalquoten seit der Krise 2007 auf 14,8 Prozent quasi verdoppelt. Sicher noch ein Problem hätten die heimischen Banken bei der Profitabilität. "Das heißt konkret, es besteht ein weiterer Rationalisierungsdruck, der sich sicher auch in der Zahl der Beschäftigten auswirken wird".

Die bisherigen OGH-Urteile zu den Zinsuntergrenzen, die Nowotny bedauerlich findet, weil sie eine gewisse Asymmetrie darstellten, könnten sich direkt auf die Gewinne der Institute auswirken, aber nicht in bedrohlicher Weise. Die Kosten, die bis zu einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag gehen könnten, seien aber substanziell. "Zum Teil wurden von Banken aber schon Rückstellungen dafür gebildet."

Beim Wachstum erwartet Nowotny, dass es in Österreich heuer über jenem von Deutschland und dem Euroraum liegen wird. (Reuters, APA, 19.7.2017)

  • Artikelbild
    foto: ap/mark lennihan
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