Trump wirbt für Produkte "Made in USA"

18. Juli 2017, 17:20
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Produkte aus den USA sollen gestärkt werden. Tochter Ivanka lässt in Asien fertigen

Er klettert ins knallrote Feuerwehrauto und posiert mit Cowboyhut – aber so richtig in Fahrt kommt Donald Trump erst, als er den Baseballschläger in der Hand hat. "Ich habe nicht mal dran gedacht", scherzt er mit Blick auf die Presse und holt andeutungsweise nach hinten aus. Das Publikum lacht folgsam.

Der Schläger ist eines von 50 Produkten, die der US-Präsident am Montag in seinem Amtssitz in Washington höchstpersönlich präsentiert. Trump hat zur großen Produktschau "Made in America" geladen und mit präsidialer Unterschrift den "Tag und die Woche des ,Made in America‘" ausgerufen. Konkrete Maßnahmen enthält das Dekret nicht, aber ein ehrgeiziges Ziel: "Wir wollen mehr Produkte in unserem Land bauen, schaffen, entwickeln", verkündet Trump. Denn: "Wenn wir Produkte kaufen, die in den USA hergestellt wurden, bleiben die Gewinne hier, die Umsätze bleiben hier, die Jobs bleiben hier."

Ivanka verzichtet

"Amerika zuerst" – es ist Trumps Lieblingsthema, und auch an diesem Tag kommt er nicht ohne wütende Angriffe auf die Handelspartner aus, die seiner Ansicht nach "durch unfaire Praktiken Millionen amerikanischer Jobs ausradiert haben". Das Trump-Unternehmensimperium selbst allerdings verzichtet auf das US-Know-how. Gerade hat die Washington Post in einer aufwendigen Recherche nachgewiesen, dass Tochter Ivanka ihre Modelinie fast ausschließlich im Ausland fertigen lässt. Ihre Cocktailkleider und Pumps nähen Billiglöhner in China, Indonesien, Indien und Bangladesch. Donald Trump selbst stört dieser Widerspruch nicht. Aus allen 50 Bundesstaaten hat die Regierung an diesem Tag Erzeugnisse "Made in USA" herangekarrt. Der Präsident schreitet die Formation ab. Er habe sich auf dem Weg kaum "der Küsse" des Managers von Omaha Beef erwehren können, brüstet sich Trump. Er habe es nämlich dem Fleischhersteller aus Nebraska ermöglicht, wieder nach China zu exportieren. "Einen einzigen Satz" gegenüber Chinas Präsident Xi Jinping habe ihn das gekostet, so der Präsident.

Kaum Innovationen

Wie Nebraska haben auch die anderen Bundesstaaten zur Warenschau im Weißen Haus geschickt, was sie offensichtlich für die Spitzenprodukte ihrer Industrie halten: Ein paar bekannte Namen wie Caterpillar, Campbell’s Soup und Steinway gehören dazu. Aber kaum Zukunftstechnologien oder Innovationen, die die internationalen Märkte erobern könnten. Stattdessen bestimmt Nostalgie und bestenfalls Handwerkskunst das Bild. An der Wand lehnen Gitarren, auf dem Tisch stapeln sich Plastikwannen, Holzschalen und Krabbenreusen. Zum hausgemacht Besten, mit dem Amerika demnach aufwarten kann, gehören Donuts, Bier und Wein. Und ein Besen, dessen Hersteller besonders stolz darauf ist, mit Werkzeugen aus dem späten 19. Jahrhundert zu produzieren.

Der Satz, den Trump sagt, nachdem er sich den Kameras mit einem beigen Stetson-Cowboyhut präsentiert hat, ist ungewollt verräterisch: "Bringen Sie den ins Museum." (Ines Zöttl aus Washington, 18.7.2017)

  • Trump mit Cowboyhut ...
    foto: afp/douliery

    Trump mit Cowboyhut ...

  • ... und Baseballschläger.
    foto: afp/douliery

    ... und Baseballschläger.

  • Produktschau.
    foto: afp / douliery

    Produktschau.

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