Nach Volvo stellt auch Porsche den Diesel infrage

18. Juli 2017, 16:43
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Die Sportwagenschmiede will bis 2020 über einen Dieselausstieg entscheiden – als erster deutscher Autobauer

Frankfurt – Die Sportwagenschmiede Porsche denkt als erster deutscher Autobauer über einen Abschied vom Diesel nach. "Wir beschäftigen uns natürlich mit diesem Thema", sagte Porsche-Chef Oliver Blume in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die für die IAA im September angekündigte Neuauflage des Porsche Cayenne werde wie schon die Limousine Panamera auch einen Diesel bieten. "Für die Generationen, die danach kommen, gibt es verschiedene Szenarien", ergänzte Blume. Vor kurzem hatte bereits Volvo-Chef Hakan Samuelsson erklärt, wegen steigender Kosten keine neue Generation Dieselmotoren mehr zu entwickeln. Die anderen Hersteller kämpfen aber weiterhin um den Selbstzünder.

Dieselkäufer zieren sich immer mehr

Der Diesel wird von Neuwagenkäufern zunehmend gemieden. Im Juni brachen die Neuzulassungen von Diesel-Pkws in Deutschland um neun Prozent ein, der Marktanteil schrumpfte auf gut 41 Prozent. Denn zum Imageschaden durch die Manipulation von Abgaswerten beim Porsche-Mutterkonzern Volkswagen kam die Sorge über Fahrverbote in deutschen Großstädten hinzu. Nach Messungen bei einzelnen Modellen ist sogar nach dem neuesten Schadstofflimit Euro 6 der Stickoxidausstoß auf der Straße um ein Vielfaches höher als vorgeschrieben. Ältere Autos der Norm Euro 5 schneiden zum großen Teil ebenfalls schlecht ab. Stuttgart, München oder Hamburg zogen deshalb Fahrverbote für ältere Dieselwagen in Betracht, um die Luft sauberer zu bekommen und Klagen von Umweltlobbys und Anwohnern zu begegnen. Nach langem Zögern wurde auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt aktiv. Am 2. August soll im neugeschaffenen "Nationalen Forum Diesel" über eine Nachrüstung von Dieselautos beraten werden, die Fahrverbote überflüssig machen würde.

Für den Sportwagenbauer aus Stuttgart wäre der Abschied vom Dieselmotor nicht so folgenreich wie für Volkswagen als Massenhersteller oder die Premiumautobauer Daimler und BMW. Bei Porsche ist nur etwa jedes sechste verkaufte Fahrzeug ein Diesel. Bei BMW ist es weltweit ein Anteil von 35 Prozent, in Europa fahren gut zwei von drei verkauften Autos des Münchner Konzerns mit Diesel. So hoch ist der Anteil auch bei der VW-Premiumtochter Audi. Porsche entwickelt und baut nicht selbst die Dieselmotoren, sondern bezieht sie von der Konzernschwester Audi. Deshalb hängen in Zuffenhausen nicht tausende Arbeitsplätze von der Technologie ab.

Neue Diesel sollen sauberer sein

Der rasante Anstieg des Dieselangebots in den vergangenen Jahren war eine Folge der EU-Politik, die sich ganz auf das Eindämmen des Klimakillers Kohlendioxid fixierte. Die Vorgaben zu CO2-Werten können die Autokonzerne aber nur dank der spritsparenden Dieselautos einhalten. Die Politik lieferte mit niedrigeren Spritsteuern im Vergleich zum Benzin Kaufanreize. Auch Porsche mit seinen PS-starken Sportwagen ist darauf angewiesen. "Zumindest in Europa, hier werden wir den Diesel auch in Zukunft brauchen", sagte Blume. Die Nachfrage sei nach wie vor sehr hoch. "Zudem gibt es keinen Grund, den Diesel an sich zu verteufeln", betonte Blume.

Der Verband der deutschen Autoindustrie (VDA) wies zusammen mit dem Ifo-Institut auf die große Bedeutung der Verbrennungsmotoren für die Wirtschaft hin. Rund 600.000 Arbeitsplätze hängen dem Ifo zufolge direkt oder indirekt von Diesel- und Benzinmotoren ab. Das seien zehn Prozent der Industriearbeitsplätze in Deutschland. VDA-Chef Matthias Wissmann betonte aber, der Elektroantrieb werde dennoch vorangetrieben: "Beide sind notwendig, wenn man die ambitionierten Klimaschutzziele erreichen will."

Schärfere Vorschriften ab Herbst

Die Autoindustrie verspricht, die Abgasprobleme sollten bald der Vergangenheit angehören. Denn die neuesten Motoren müssen nach den ab Herbst geltenden schärferen Vorschriften zu den Messverfahren sauberer werden. Die Hersteller hoffen, dass sich die Dieselnachfrage dadurch wieder fängt. Denn sie brauchen die Gewinne, um die Milliardeninvestitionen in Elektroautos stemmen zu können. Unter dem Druck, noch niedrigere Grenzwerte für das Klimagas CO2 in der EU nach 2021 einzuführen, und mit schärferen Vorschriften im weltgrößten Automarkt China arbeitet die Industrie fieberhaft an neuen Elektromodellen – vom Supersportwagen Mission E bei Porsche bis zum massentauglichen Elektrokleinwagen bei VW. Da die Batterien aber erst in einigen Jahren billiger werden und die Ladeinfrastruktur erst noch aufgebaut werden muss, dauert es noch bis zum kommenden Jahrzehnt, bis die Elektrowelle anrollt. Daimler und VW peilen einen Absatzanteil von etwa einem Viertel bis 2025 an. Ob der Diesel bis dahin noch als Cashcow erhalten bleibt, entscheidet sich jetzt. (Ilona Wissenbach, Andreas Cremer/Reuters, 18.7.2017)

  • Für Porsche wäre der Abschied vom Dieselmotor nicht so folgenreich wie für Volkswagen als Massenhersteller oder die Premiumautobauer Daimler und BMW. Bei Porsche ist nur etwa jedes sechste verkaufte Fahrzeug ein Diesel.
    foto: apa/afp/thomas kienzle

    Für Porsche wäre der Abschied vom Dieselmotor nicht so folgenreich wie für Volkswagen als Massenhersteller oder die Premiumautobauer Daimler und BMW. Bei Porsche ist nur etwa jedes sechste verkaufte Fahrzeug ein Diesel.

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