Pfefferoni schneiden: Die Hölle auf Händen

Blog23. Juli 2017, 12:41
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Wie die Zubereitung eines Chilis einen Abend verderben kann

Unlängst wollte ich ein Chili kochen. Neben Bohnen und Mais sollten auch Paprika mit in den Topf. Beim Gemüseregal griff ich versehentlich zu Pfefferoni, die grünen Spitzpaprika zum Verwechseln ähnlich sahen. Als ich den Irrtum noch vor der Kassa bemerkte, dachte ich mir: Wie scharf können die schon sein? Und kaufte sie.

Zu Hause in der Küche brutzelten schon Zwiebel, Tomaten und zwei der drei grünen Pfefferoni im Topf, als mir beim Schneiden der dritten auffiel, dass meine Hände plötzlich heiß wurden und zu kribbeln begannen. Und langsam begriff ich: Meine Hände brannten vom Pfefferoni-Schneiden. Ich kostete das Gericht: Es war scharf, aber essbar.

Etwas anderes sagten mir hingegen meine Hände. Immer stärker wurde das Brennen, mir war schon zum Schreien zumute. Hätte jemand mit Streichhölzern meine Finger in Brand gesteckt, es hätte sich nicht anders angefühlt.

Rat aus dem Chili-Forum

Wer nicht weiß, was tun, fragt Google. Vor allem in Chili-Liebhaber-Foren waren digitale Experten zur Stelle, gaben Tipps für leidende Menschen wie mich – ich versuchte sie (fast) alle. Dicke Schichten Handcreme einwirken lassen half ebenso wenig wie zehnmal wiederholte Wechselbehandlungen mit Speiseöl und Spülmittel. Milchprodukte wie Topfen oder Joghurt, zu denen ebenfalls geraten wurde, hatte ich nicht im Haus. Auch das Einreiben der Hände mit Alkohol brachte nichts. In meinen Händen pulsierte es.

Wovon nach dem Verzehr von scharfem Essen abgeraten wird, half mir schlussendlich in meiner Not: kaltes Wasser. Wann immer ich meine Hände unter den Wasserstrahl hielt, konnte ich kurz verschnaufen. Das Brennen verschwand, die Kälte tat gut. Und so füllte ich einen Kübel voll mit eiskaltem Wasser, tauchte meine Hände ein und holte sie den ganzen Abend nicht mehr raus.

Im Bett schließlich – Linderung war außerhalb des Kübels noch immer nicht eingetreten – schnallte ich Kühlakkus an Vorder- und Rückseite meiner Hände – und schlief ein.

Am nächsten Morgen war der Spuk vorbei. Kein Brennen, keine Schmerzen. Die Pfefferoni hatten mein System verlassen. Fazit: Es gibt einen Unterschied zwischen Pfefferoni und Spitzpaprika, nach dem Schneiden ist er eklatant. (Bernadette Redl, 23.7.2017)

Blog: Gesunde Geschichten

Auch wir Gesundheitsredakteure des STANDARD sind immer wieder mal krank. Und wir würden gern gesünder, fitter und krankheitspräventiver leben. Was wir für unser eigenes Wohlbefinden ausprobieren, was wir im Dschungel unseres Gesundheitssystems alles erleben und was wir tun, wenn es uns selbst dreckig geht, beschreiben wir hier – als Otto Normalverbraucher sozusagen. Und Achtung: Misery loves company – wir freuen uns über Tipps, Tricks und Resonanz.

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  • Bernadette Redl beschäftigt sich von Berufs wegen mit Medizin. Manchmal ist sie selbst krank, verletzt oder hat Schmerzen, wie in diesem Fall.
    foto: cremer/rawicka/istock

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