Genmutationen machen Kinder anfälliger für schwere Erkältungen

    18. Juli 2017, 12:34
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    Forscher haben Genmutationen entdeckt, die Infektionen der Atemwege bei Kindern schwerer verlaufen lassen

    Lausanne – Im Allgemeinen verlaufen klassische Erkältungen harmlos. Virusinfektionen machen jedoch bei zwei Prozent der Kinder einen Spitalaufenthalt notwendig. "Zwanzig Prozent der weltweiten Todesfälle bei Kindern gehen auf Atemwegsprobleme dieser Art zurück", betont Jacques Fellay von der technisch-naturwissenschaftliche Universität in Lausanne (EPFL).

    Wissenschafter der EPFL haben nun den Grund für diese Komplikationen herausgefunden: Es handelt sich um Mutationen in einem Gen, das für die Erkennung bestimmter Erkältungsviren verantwortlich ist. "Wir konnten bestätigen, dass ein Gen mit dem Namen IFIH1 bei der körpereigenen Abwehr gegen die wichtigsten Erkältungsviren eine maßgebliche Rolle spielt. Diese Viren verursachen Atemwegsinfektionen bei Kindern", erklärt Fellay.

    "Im Normalfall ermöglicht dieses Gen die Erkennung der viralen RNA (einer der DNA ähnlichen genetischen Information; Anm.). Es ist uns gelungen, die Mechanismen zu identifizieren, die bei Kindern mit einer IFIH1-Mutation dazu führen, dass ihre Immunabwehr Virusinfektionen nicht effizient greift", ergänzt der Experte.

    Viren werden nicht erkannt

    In Zusammenarbeit mit verschiedenen Spitälern in der Schweiz und in Australien haben die Forscher sich mit Kindern befasst, die nach einer schwerwiegenden viralen Infektion der Atemwege – wie Bronchiolitis oder Lungenentzündung – intensivmedizinische Betreuung benötigten. Frühgeborene und Kinder mit chronischen Erkrankungen waren von der Studie ausgeschlossen.

    Es zeigte sich, dass acht der 120 Kinder Mutationen des Gens IFIH1 aufwiesen. "Dieses Gen kodiert ein Protein, das die Anwesenheit von bestimmten Erregern von Erkältungskrankheiten wie Respiratorischer-Synzytial-Viren (RSV) oder Rhinoviren erkennt. Das betreffende Protein heftet sich an die RNA des Keims. Dort löst es eine Reihe von molekularen Signalen und somit eine effiziente Reaktion des Immunsystems aus", erklärt Samira Asgari, Co-Autorin der Studie.

    Die Forscher konnten nachweisen, dass drei verschiedene Mutationen des IFIH1-Gens das Protein an der Erkennung der Viren hindern und damit die körpereigene Abwehr der Infektionen blockieren. (red, 18.7.2017)

    • Forscher konnten nachweisen, dass eine Mutation im Gen IFIH1 dazu führt, dass das Immunsystem etwa Rhinoviren nicht als solche erkennt.
      foto: istockphoto/getty images

      Forscher konnten nachweisen, dass eine Mutation im Gen IFIH1 dazu führt, dass das Immunsystem etwa Rhinoviren nicht als solche erkennt.

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